Steinzeitliche Abbaustelle für Bergkristall nachgewiesen

1. März 2014, 16:28
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Archäologen finden Hinweise auf Tauschhandel und eine regelrechte "Bergkristallstraße"

Innsbruck - Innsbrucker Archäologen haben in einer Quarzkluft am Riepenkar in den Tuxer Alpen eine Stelle gefunden, an der bereits in der Steinzeit Bergkristall geschürft wurde. Zum ersten Mal sei es gelungen, in Österreich derart alten gezielten Abbau von Bergkristall nachzuweisen, erklärte der Archäologe Walter Leitner im Magazin "wissenswert" der Uni Innsbruck.

Analysen hätten ergeben, dass bereits ab dem 8. Jahrtausend vor unserer Zeitrechnung die Menschen im Gebiet des heutigen Zillertales Bergkristalle zur Herstellung von Klingen, Pfeilspitzen, Kratzern, Bohrern und Sticheln benutzt hatten. "Diese Gerätschaften sind uns für die steinzeitliche Gesellschaft bestens bekannt, allerdings wurden sie meistens aus Feuerstein hergestellt", sagt Leitner. Der spröde Bergkristall ist für praktische Zwecke eigentlich deutlich weniger geeignet als Feuerstein. Der Archäologe vermutet daher, dass die Ästhethik für die damaligen Menschen eine wichtige Rolle spielte, wenn sie Bergkristall für Gebrauchsgegenstände verwendeten.

Die "Bergkristallstraße"

Nachdem sich der Bergkristall bald auch über die Zillertaler und Tuxer Region hinaus großer Beliebtheit erfreut habe, dürfte die Quarzkluft am Riepenkar laut dem Wissenschafter zu einer Drehscheibe für den Tauschhandel nach Norden und Süden geworden sein. Anhand weiterer Fundstellen in Form von steinzeitlichen Jägerlagern lasse sich eine "Bergkristallstraße", die Route dieses Tauschhandels, nachzeichnen. "Unsere Funde von Geräten aus Bergkristall erstrecken sich entlang eines prähistorischen Höhenweges, der in Richtung Norden bis in das Rofangebirge am Achensee und in südlicher Richtung bis an den Gardasee reicht", erklärte Leitner. Da es sich hier um Regionen ohne natürliche Vorkommen des Bergkristalls handelt, müsse Tauschhandel stattgefunden haben.

Die benötigten Mengen an Bergkristall gingen über den Eigenbedarf hinaus und die Nachfrage musste gedeckt werden. Die steinzeitlichen Jäger dürften das Mineral daher gezielt abgebaut haben, wie entsprechende Spuren an der Quarzkluft am Riepenkar zeigen würden.

Da aufgrund der schwierigen Arbeitsbedingungen auf der mit 2.800 Metern höchstgelegenen archäologischen Fundstätte Österreichs bisher nur ein kleiner Teil der Quarzkluft untersucht werden konnte, strebt der Archäologe für die Zukunft weitere Grabungsarbeiten an. Die Ergebnisse würden wertvolle Informationen für die Geschichte des Bergbaues in Tirol liefern, der im Forschungszentrum HiMAT ("History of Mining Activity in the Tyrol") der Universität Innsbruck nachgegangen wird. (APA/red, derStandard.at, 1. 3. 2014)

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