Springer: "Ja, ich bin für das mitverantwortlich"

27. Februar 2014, 17:36
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Der Chef der Bundestheaterholding erklärte sich mitverantwortlich - Neue Fakten nannte er keine - Gegen Silvia Stantejsky wurde Anzeige wegen Bilanzfälschung eingebracht

Wien - Mit Spannung war der forensische Endbericht über die "dolosen", also strafrechtlich relevanten Handlungen von Silvia Stantejsky erwartet worden. Und es bleibt spannend. Denn Georg Springer, Chef der Bundestheaterholding, übergab den Pressevertretern am Donnerstagnachmittag, unmittelbar nach der Aufsichtsratssitzung des Burgtheaters, bloß ein paar fotokopierte Seiten einer Zusammenfassung des Berichts.

Dieses Exzerpt ist identisch mit der Zusammenfassung des Vorberichts, die der Standard vor zehn Tagen zugespielt bekam. Erläutert wird darin, welche Tricks die gefeuerte Vizedirektorin als kaufmännische Geschäftsführerin des Burgtheaters anwandte, um die nicht erfüllbaren Bilanzvorgaben doch zu erfüllen. Damit bewahrheitete sich, was bisher in Abrede gestellt wurde: dass der Zwischenbericht der Endbericht ist.

Der Verdacht, dass die Verantwortlichen bloß Zeit gewinnen wollen, wird immer stärker. Kanzleramtsminister Josef Ostermayer äußerte sich nicht, wie berichtet, zum Zwischenbericht, da ja einige Vorwürfe von Stantejsky entkräftet werden könnten. Doch der Bericht der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG wurde Stantejsky gar nicht zur Stellungnahme vorgelegt. Dies behauptet, so das Magazin Profil, die Rechtsanwältin von Stantejsky.

Auch am Donnerstag schwieg Ostermayer (SPÖ). Denn zuerst müsse er den Bericht studieren. Er wolle sich aber "so schnell wie möglich" ein Bild der aktuellen Situation des Burgtheaters verschaffen. Dazu dient der forensische Bericht nur bedingt: Er widmet sich nur der Causa Stantejsky.

Das Ausmaß der Finanzmisere ist bereits seit der letzten Aufsichtsratssitzung bekannt. Sensationell neue Fakten kamen praktisch nicht hinzu. Für das Geschäftsjahr 2012/13 ist ein Bilanzverlust von 8,3 Millionen Euro zu erwarten. Die Abkehr von der zuvor angewandten Abschreibungspraxis verursachte einen Verlust von 5,6 Millionen Euro; für die fehlenden 2,7 Millionen Euro sei Stantejsky aufgrund "mangelnder beziehungsweise falscher Buchführung" verantwortlich. Hinzu kommen Steuernachzahlungen durch Nichteinbehalt der 20-prozentigen Abzugssteuer bei ausländischen Künstlern in der Höhe von bis zu fünf Millionen Euro.

Gutgeheißen und genehmigt

Springer gestand aber zumindest ein, dass mit der Praxis, Produktionen über fünf Jahre (und damit über die Laufzeit hinaus) abzuschreiben, schon in der Saison 2008/2009 - und damit vor Beginn der Ära von Matthias Hartmann - begonnen wurde. Damals war offiziell noch Klaus Bachler Burgtheaterdirektor. Springer: "Diese Vorgangsweise wurde nicht nur durch die damalige Geschäftsführung, sondern auch durch die Bundestheaterholding mit dem bestellten Abschlussprüfer eingehend erörtert und von diesem vollinhaltlich als realistisch gut geheißen und daher genehmigt." Interessanterweise weigerten sich die kaufmännischen Geschäftsführer von Volksoper und Staatsoper, die Methode zu übernehmen, die ein Unternehmen besser dastehen lässt.

Zur Causa Stantejsky sagte Springer, dass sich der Verdacht auf Urkunden-, Beweismittel- und Bilanzfälschung, Geldwäsche sowie Untreue ergeben habe. Man werde den Bericht der Staatsanwaltschaft übermitteln. Es sei unabdingbar, dass die Behörden, bei denen auch eine anonyme Anzeige gegen Stantejsky eingegangen ist, tätig würden.

Die Beschuldigte kämpft bereits vor dem Arbeitsgericht gegen ihre Entlassung – am Donnerstag bekräftigte sie in der Zeit im Bild, dass sie sich auch strafrechtlich nichts zuschulden habe kommen lassen.  "Mich dafür zum Sündenbock zu machen, ist wirklich ungeheuerlich", sagte Stantejsky. "Die Kontrollinstanzen des Burgtheaters waren immer über die Buchführung informiert." Es sei völlig unrichtig, dass sie daraus "eine Geheimwissenschaft" gemacht habe.

Unverzüglich gehandelt

"Ja, ich bin für das mitverantwortlich. Das ist überhaupt keine Frage", sagte Springer. Man habe jedoch unverzüglich gehandelt, nachdem man am 11. November 2013 im Rahmen der Jahresabschlussprüfung von KPMG auf Ungereimtheiten aufmerksam gemacht worden sei. Dass man schon früher, im Jänner 2013, informiert gewesen sei, stellte Springer in Abrede. Er legte diverse Schriftstücke von KPMG vor, in denen noch im Februar 2013 die ordnungsgemäße Buchführung bestätigt wurde: Die Prüfung des Jahresabschlusses 2011/12 habe zu keinen Einwendungen geführt, es werde "ein möglichst getreues Bild der Vermögens- und Finanzlage" vermittelt.

Abgesichert hat sich bereits der Burgtheater-Aufsichtsrat. Ein Due-Diligence-Bericht bestätigt, dass er seiner Kontrollfunktion nachgekommen sei. "Es gab keine Hinweise für Mängel im Rechnungswesen und im internen Kontrollsystem, weder seitens des aktuellen Wirtschaftsprüfers KPMG noch seitens des früheren Wirtschaftsprüfers PWC und auch nicht seitens der internen Revision", heißt es in einem 60-seitigen Gutachten der Anwaltskanzlei CMS Reich-Rohrwig Hainz. Es gab aber ausdrückliche Hinweise auf die finanzielle Schieflage des Burgtheaters. (Thomas Trenkler, DER STANDARD, 28.2.2014)

  • Stellte sich am Donnerstagnachmittag in der Ballettakademie der Staatsoper den Medien: Georg Springer, Chef der Bundestheaterholding, erläutert die Finanzmisere des Burgtheaters, Direktor Matthias Hartmann ist nur Zaungast.
    foto: corn

    Stellte sich am Donnerstagnachmittag in der Ballettakademie der Staatsoper den Medien: Georg Springer, Chef der Bundestheaterholding, erläutert die Finanzmisere des Burgtheaters, Direktor Matthias Hartmann ist nur Zaungast.

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