"Man schlachtet nicht die Kuh, die Milch gibt"

27. Februar 2014, 17:37
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Josef Kirchberger ist dagegen, das Burgtheater über Immobilienverkäufe zu sanieren

Wien - Bei der letzten Unterredung mit Burgtheaterdirektor Matthias Hartmann machte Kanzleramtsminister Josef Ostermayer (SPÖ) neuerlich klar, dass es für die Bundestheater nicht mehr Geld geben werde. Hartmann muss also, um die Finanzmisere in den Griff zu bekommen, sparen. Er könnte Produktionen streichen, vor allem die extrem teuren.

Doch ist das Burgtheater, wenn es sich eine sündteure Inszenierung von Peter Stein mit Klaus Maria Brandauer als König Lear nicht mehr leisten kann, vom Anspruch her noch die Burg? Hartmann warnt davor, die Staatsbühne auf Provinztheaterniveau zu redimensionieren. Er wehrt sich auch mit Händen und Füßen gegen die Aufgabe der dritten Spielstätte, des Kasinos am Schwarzenbergplatz.

Das Heil sieht er in der Veräußerung von Teilen des Hanuschhofs, der sich im Eigentum der Bundestheaterholding befindet. Ein Berater von Hartmann meinte, es sei sinnvoller, das Silberbesteck zu verkaufen, als neben diesem zu verhungern. Auch Maria Fekter, die ehemalige Finanzministerin, und Ostermayer sprachen sich für ein Versilbern aus.

Josef Kirchberger, Geschäftsführer der Servicegesellschaft Art for Art, wehrt sich dagegen: "Ökonomisch wäre das der größte Unsinn. Man schlachtet doch nicht die Kuh, die Milch gibt!" Zu Art for Art, einer gemeinsamen Tochter der drei Theatergesellschaften (Staatsoper, Volksoper und Burgtheater), gehören u. a. die Bühnenbild- und Kostümwerkstätten. Zudem ist die GmbH für die Immobilien zuständig. Zu diesen gehören etwa die Werkstätten und Probebühnen im Arsenal und mehrere Lagerhallen.

Im Hanuschhof gleich neben der Albertina verfügt Art for Art über eine Fläche von rund 11.880 Quadratmetern. Von dieser sind etwas mehr als ein Drittel, 4200 Quadratmeter, vermietet; die Erlöse betragen rund 850.000 Euro jährlich - die der Kunst zugutekommen. 7380 Quadratmeter werden von den Bundestheatern selbst genutzt: Hier befinden sich u. a. die Büros von Kirchberger und Holdingchef Georg Springer, die gemeinsame EDV-Zentrale und die Kostümwerkstätten.

Theoretisch könnte man die Werkstätten an die Peripherie absiedeln, sagt Kirchberger. Die aufwändige Aktion würde sich aber nicht rechnen, auch nicht auf lange Sicht. Denn die Staatsoper ist mit dem Hanuschhof über einen unterirdischen Gang verbunden. Die Sänger kommen daher trockenen Fußes und rasch zur Anprobe; müssten die Kostümbildnerinnen täglich vom Stadtrand in die Staatsoper fahren, um Anna Netrebko und deren Kolleginnen die Kostüme anzulegen, würden die Produktionskosten empfindlich steigen. Zudem seien die Räumlichkeiten der EDV-Zentrale alles andere als attraktiv - und würden daher bei einem Verkauf keine großen Summen bringen.

Dass Kirchberger durchaus im Sinne der Theater agiert, hat er mehrfach bewiesen. Der Dachbodenausbau des Hanuschhofs zum Beispiel brachte etliche Millionen ein: Die Wohnungen mit Blick über den Burggarten waren die teuersten in Wien. In den letzten Jahren schöpfte die Holding Art-for-Art-Gewinne in der Höhe von 7,8 Millionen Euro ab, um damit Finanzlücken bei den Theatern zu schließen.

Kirchberger kämpft daher um einen Erhalt des Hanuschhofs - und lieferte sich bereits ein Wortgefecht mit Ostermayer. Letztlich entscheide natürlich der Eigentümer, sagt Kirchberger. Er könnte Verkäufe aber nur aufgrund einer Weisung veranlassen, "weil ich nicht vorsätzlich das Unternehmen, den Konzern und den österreichischen Steuerzahler schädigen kann". (trenk, DER STANDARD, 28.2.2014)

  • Warnt vor dem Hanuschhof-Verkauf: Kirchberger.
    foto: apa

    Warnt vor dem Hanuschhof-Verkauf: Kirchberger.

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