Entwicklungsbank unterstützt Slowenien

27. Februar 2014, 17:38
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Hilfe für angeschlagene Firmen in Slowenien: Bei den staatlichen Banken will die Entwicklungsbank aber nur einsteigen, falls ein strategischer Investor kommt

Ljubljana/Sarajevo - Vor einem Jahr galt sie als Übergangslösung, der man kaum etwas zutraute. Mittlerweile hat die slowenische Regierungschefin Alenka Bratusek aber etwas geschafft, was ihre Vorgänger jahrelang versäumten. Sie hat wieder ein wenig Vertrauen in das Euroland aufgebaut und will Ernst machen mit Reformen und Privatisierungen. Deshalb hat sich nun auch die Europäische Bank für Wiederaufbau und Entwicklung (EBRD) entschlossen, wieder ein Büro in Ljubljana aufzumachen, das von der Polin Jolanta Gabriel geleitet werden wird. Man will slowenischen Firmen, die an Kreditmangel leiden, auf die Beine helfen, und man will möglicherweise bei einem oder mehr jener 15 Unternehmen, die privatisiert werden sollen, einsteigen.

"Die Signale sind positiv", sagt Axel Reiserer von der EBRD in London. "Slowenien hat gezeigt, dass es die wirklichen Themen, etwa die Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit, nun angeht." Die EBRD geht gerade die Liste der Unternehmen durch, die der Staat verkaufen will. Dazu zählen die Versicherung Triglav, der Flughafen in Ljubljana und die Telekom Slovenija. In einem Monat dürfte die EBRD besser wissen, welche Unternehmen möglicherweise infrage kommen.

Abwarten bei Problembanken

Zum Verkauf offen stehen auch die beiden Problembanken NLB und NKBM. Die EBRD hielt bis 2008 Anteile an der NLB, man war 2001 eingestiegen und erwarb damals fünf Prozent der Bank. Wie auch andere Anteilseigner (etwa die belgische KBC) hat die EBRD schlechte Erfahrungen gemacht. Die NLB gilt als Inbegriff von schlechtem Management und Hort der Verfilzung von Wirtschaft und Politik. Abgesehen davon wurde die Privatisierung der Bank von den Regierungen verzögert. In der jetzigen misslichen Lage ist der Verkauf der NLB kaum durchzuführen. Solange sich aber kein strategischer Partner findet, will auch die EBRD nicht einsteigen. Und so ein Partner ist nicht in Sicht. Prinzipiell könnte sich die EBRD aber eine Beteiligung von 25 Prozent vorstellen.

Die EBRD will jedenfalls die kommenden vier Jahre in Slowenien bleiben, um "ein gewisses Momentum reinzubringen", so Reiserer. Unter anderem möchte man auch nachhaltige Energien fördern. Analysten wie Marko Lovec von der Universität Ljubljana bleiben skeptisch, was die Privatisierungsvorhaben der Regierung betrifft. "Denn die Koalitionspartner, die Partei Positives Slowenien und die Sozialdemokraten, sind sich uneinig, weil manche staatlichen Firmen mit politischen Interessengruppen in enger Verbindung stehen", so Lovec. Zudem fürchtet man in Slowenien Massenentlassungen nach Privatisierungen. "Außerdem gehören manche Firmen den staatlichen Banken, und die sind keine guten Verkäufer, weil sie bloß schnell ihre Bilanzen säubern wollen", warnt Lovec vor allzu großer Zuversicht.

Ein Beispiel für die politisierte und zähe Privatisierung ist der Verkauf der hoch verschuldeten Handelskette Mercator an den kroatischen Lebensmittelkonzern Agrokor. Der Deal wurde bereits im Sommer beschlossen. Doch Agrokor hat bisher zehnmal erfolglos versucht, Mercator von den Staatsbanken abzukaufen. Man konnte sich nicht mit den Gläubigerbanken in Wien einigen. (Adelheid Wölfl, DER STANDARD, 28.2.2014)

  • Der Lindwurm ist das Wahrzeichen von Klagenfurt und Ljubljana. In Slowenien will man die staatliche Bank NLB dringend loswerden, ähnlich wie in Österreich die Hypo Alpe Adria.
    foto: epa

    Der Lindwurm ist das Wahrzeichen von Klagenfurt und Ljubljana. In Slowenien will man die staatliche Bank NLB dringend loswerden, ähnlich wie in Österreich die Hypo Alpe Adria.

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