Zehn Tipps gegen fade Reden

27. Februar 2014, 16:43
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Langweilig bis quälend: Wer erlebt nicht solche Ansprachen? Zehn Tipps, um selbst nicht Gähnen und Kreislaufbeschwerden beim Publikum zu verursachen oder alle Blicke nur auf das kommende Buffet zu lenken

Bei Reden erlahmt oft nach zwei, drei Minuten das Interesse der Zuhörer. Und sie fragen sich insgeheim: Wann wird endlich das Büffet eröffnet? Dabei blicken die Zuhörer der Rede ihres Chefs oder des Verbandsvorsitzenden oft gespannt entgegen – sofern sie dessen langatmige "Festansprachen" nicht schon aus den Vorjahren kennen. Entsprechend leicht könnten Redner ihr Publikum begeistern. Zehn Tipps von Verkaufstrainer Ingo Vogel, wie das gelingen kann.

Sympathie der Zuhörer

1. Authentisch sein. Der Erfolg einer Rede hängt vor allem davon ab, ob der Redner die Sympathie seiner Zuhörer gewinnt. Wichtig sind auch ihr Aufbau und ihre dramaturgische Gestaltung. Der Inhalt der Rede hingegen hat auf ihre Bewertung einen eher geringen Einfluss. Doch wie gewinnt ein Redner die Sympathie der Zuhörer? Vor allem dadurch, dass er authentisch wirkt. Die Rede sollte ihm also auf den Leib geschneidert sein. Wenig glaubwürdig wirkt es, wenn ein Erbsenzähler sich als Witzbold präsentiert. Oder wenn sich ein Einzelkämpfer verbal mit den Anwesenden verbrüdert. Das wirkt gekünstelt. Also gehen die Zuhörer auf Distanz.

Zuhörer mitnehmen

2. Die Zuhörer auf eine "Gedankenreise" mitnehmen. Ein Redner gleicht einem Reiseführer. Er nimmt seine Zuhörer mit auf eine Gedankenreise – zum Beispiel durch das vergangene Jahr. Also sollte er sich im Vorfeld überlegen: Was ist der Anlass der Reise? Wohin soll sie gehen? Und: Wer nimmt an der Reise teil? Erst danach sollte er das Reiseprogramm, also den Inhalt und Ablauf der Rede, planen.

Beziehungen überlegen

3. Überlegen: Wer sitzt mir gegenüber? Beim Planen der Rede sollte der Redner wissen: Wer sitzt mir gegenüber? Und: Welche Beziehung besteht zwischen den Zuhörern? Kennen sie sich gut oder sehen sie sich nur einmal jährlich? Gehören sie derselben Organisation an oder nicht? Denn wenn die Anwesenden Tag für Tag zusammenarbeiten, haben sie gemeinsame Erfahrungen, auf die der Redner sich beziehen kann. Sehen sie sich hingegen nur ein Mal im Jahr, muss er auf andere Elemente zurückgreifen, um ihr Ohr zu finden. Zum Beispiel die Entwicklung in der Branche, der alle angehören.

Nicht nur dahinreden

4. Mit den Zuhörern kommunizieren. Ein guter Redner kommuniziert mit seinen Zuhörern – selbst wenn nur er spricht. Zum Beispiel mit den Augen. Tragen Sie deshalb Ihre Rede so frei wie möglich vor. Sprechen Sie das Publikum auch immer wieder persönlich an. Jedoch nicht, indem Sie alle zwei, drei Minuten Floskeln wie "Meine sehr verehrten Damen und Herren" verwenden. Stellen Sie den Zuhörern vielmehr zum Beispiel rhetorische Fragen wie "Kennen Sie folgende Situation ..." oder "Geht es auch Ihnen so, dass ..." Integrieren Sie zudem Beispiele aus der Erfahrungswelt der Zuhörer in Ihre Rede. Auch ein Schuss Humor und Selbstironie tut jeder Rede gut.

Besser kürzer

5. In der Kürze liegt die Würze. Je kürzer eine Rede ist, umso besser ist sie meist. Eine Festrede zur Weihnachtsfeier sollte nicht länger als zehn, maximal fünfzehn Minuten dauern. Länger dauert auch die Neujahrsansprache der Bundeskanzlerin im Fernsehen nicht. Eine Rede sollte höchstens drei Kernbotschaften enthalten. Zum Beispiel: Die Arbeitsplätze sind sicher. Unser Unternehmen sieht einer rosigen Zukunft entgegen. Und: Dass es unserem Betrieb so gut geht, verdanken wir dem Einsatz aller Mitarbeiter.

Ordentlich vorbereiten

6. Die "Gedankenreise" planen. Für das inhaltliche Planen Ihrer Rede können Sie die Mindmapping-Methode benutzen. Sie funktioniert wie folgt: Schreiben Sie in die Mitte eines Blatt Papiers das Thema oder den Anlass der Rede. Zum Beispiel: "Strategie 2014". Notieren Sie dann entlang von Linien, die von diesem Zentrum ausgehen, alles, was Ihnen zum Thema einfällt. "Dank an Mitarbeiter" etwa oder "neue Produkte". So bekommen Sie schnell einen Überblick über die möglichen Inhalte der Rede. Und wenn Sie merken, es wird zu viel? Dann können Sie einige (Seiten-)Arme streichen.

Anfang & Ende

7. Knackig einsteigen, feurig enden. Planen Sie besonders sorgfältig den Beginn und den Schluss Ihrer Rede. Wie aufmerksam das Publikum Ihnen zuhört, hängt weitgehend vom Einstieg ab. Gute Einstiege sind Anekdoten – zuweilen auch ein Witz. Bauen Sie Ihre Rede dramaturgisch auf. Alles sollte auf ein großes Finale hinstreben, das dafür sorgt, dass Ihre Rede dem Publikum im Gedächtnis bleibt – ähnlich wie bei einem Feuerwerk.

Keine Endlossätze

8. Kurze, knackige Sätze. Eine Rede sollte aus möglichst kurzen Sätzen bestehen. Schachtelsätze sind schnell unverständlich. Sie beinhalten zudem die Gefahr, dass der Redner sich verheddert. Dann ist bei ungeübten Rednern oft der Rest der Rede gelaufen. Denn sie werden nervös und verhaspeln sich immer häufiger. Und irgendwann wartet das Publikum nur noch auf den nächsten Versprecher.

Aktiv und bildhaft

9. Eine aktive, bildhafte Sprache. Wichtig ist eine aktive Sprache. Also zum Beispiel "Wir planen ..." statt "Unsere Planung sieht vor ..." Durchforsten Sie Ihr Manuskript nach substantivierten Verben wie "Durchführung" und "Neuorientierung". Wenn ein solches Wort auftaucht, können Sie davon ausgehen: Diese Aussage kann man einfacher und verständlicher formulieren.

Üben, probieren, stoppen

10. Die Rede üben. Sicherheit gewinnen Sie vor allem durch Routine und eine gute Vorbereitung. Hierzu zählt das laute Üben der Rede. Insbesondere den Einstieg, das Ende und die Übergänge zwischen den Redepassagen sollten Sie so lange üben, bis Sie diese sozusagen auswendig kennen. Stoppen Sie beim Üben auch die Dauer der Rede. Dann merken Sie schnell, wann es Zeit wird, das Buffet zu eröffnen. (kbau, derStandard.at, 27.2.2014)

  • Das große Gähnen während der Rede: Auch im Parlament kommt das vor. Hier Wolfgang Schüssel 2011 bei einer Sondersitzung zur Wehrpflicht.
    foto: christian fischer

    Das große Gähnen während der Rede: Auch im Parlament kommt das vor. Hier Wolfgang Schüssel 2011 bei einer Sondersitzung zur Wehrpflicht.

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