EU-Staatsbürger gegen Bares

27. Februar 2014, 17:10
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Lettzland setzt auf Kapital aus dem Ausland - Visa gegen die Wirtschaftskrise, das ist Part of the Game, sozusagen

Europa schottet sich gegen die Armen ab und holt die Reichen rein. 250 Millionen Euro werden in Lettland jährlich in Immobilien investiert, dafür 1600 Schengen-Visa ausgestellt, erzählt die Stimme aus dem Off im Weltjournal, am Mittwoch in ORF 2. Das Land setzt auf Kapital von Ausländern, Visa gegen die Wirtschaftskrise, das ist Part of the Game, sozusagen.

Vor allem reiche Russen wollen Teil dieses Spiels sein, kaufen protzige Villen in Jurmala, einer Touristenstadt am Meer. Dafür bekommen sie Reisefreiheit. 140.000 Euro reichen für ein Fünf-Jahres-Visum. Dass diese Praxis für die lettische ­Bevölkerung auch Nachteile bringt, wird in der Doku "EU - Reizthema Migration" nur kurz angeschnitten. "Das Land wird vom Rubel überrollt", sagt einer. "Aber wenn mehr Leute kommen, ist das doch gut für uns", argumentiert ein Restaurantbesitzer, der für diese reiche Klientel kocht. Es gibt eben die Sieger und Verlierer des Systems.

Geld öffnet Türen, auch in Malta und Zypern. Gegen Bares gibt es dort die EU-Staatsbürgerschaft. Wie eine Eintrittskarte in ein teures Museum sei das, sagt ein EU-Abgeordneter. Die Doku schaut auch in die Schweiz, wo sich die Bevölkerung für erschwerten Zuzug ausgesprochen hat.

In Bulgarien wiederum fehlen Fachkräfte. Vor allem junge Ärzte machen sich auf der Suche nach einem besseren Leben auf nach Mitteleuropa. Das Gesundheitssystem in ihrer Heimat ist marod, in Deutschland sind sie als Fachkräfte begehrt. Verlierer sind die weniger gut Ausgebildeten. Für sie ist die Bahnhofsmission in Hamburg eine erste Anlaufstelle. Niemand erzähle ihnen die Wahrheit, sagt ein Mitarbeiter. Ihnen fehlt das Geld als Türöffner. (Astrid Ebenführer, DER STANDARD, 28.2.2014)

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