Britischer Geheimdienst fing millionenfach Webcam-Bilder ab

27. Februar 2014, 16:02
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Yahoo-Nutzer von "Optic Nerve"-Geheimprogramm des GCHQ betroffen, US-Unternehmen zeigt sich fuchsteufelswild und bestreitet Kooperation

Der britische Geheimdienst GCHQ soll mit Unterstützung der US-amerikanischen National Security Agency (NSA) millionenfach Webcam-Bilder abgefangen haben. Diese seien anschließend gespeichert worden, wie der britische "Guardian" unter Berufung auf Geheimdokumente berichtet.

Bis zu 1,8 Millionen User pro Monat

Die Operation "Optic Nerve" habe sich demnach gegen Benutzer von Yahoo-Chaträumen gerichtet. Der Geheimdienst habe dabei Bilder der Webcam-Übertragungen von bis zu 1,8 Millionen Nutzern pro Monat abgefangen, darunter auch sexuell explizite Aufnahmen. Alle fünf Minuten sei ein "Still", also eine Fotoaufnahme, des Webcam-Streams gemacht worden, wie aus Dokumenten des NSA-Whistleblowers Edward Snowden hervorgehe.

Gesichtserkennungsprogramme

Ein Dokument stellt demnach sogar eine Verbindung zwischen polizeilichen Gesichtserkennungsprogrammen und der Geheimoperation her. Laut dem Bericht ließ der GCHQ automatisch eine Gesichtserkennung durchführen, um gesuchte Ziele zu identifizieren, die gerade auf Yahoo aktiv waren. Die Webcam-Aufnahmen wurden demnach mit der NSA geteilt.

Bis zu elf Prozent Nacktaufnahmen

Den Dokumenten zufolge sollen bis zu elf Prozent der gespeicherten Bilder Nacktaufnahmen seien. Der GCHQ habe diese Bilder allerdings aus dem Suchprogramm entfernt, um eigene Mitarbeiter vor dem Material zu "schützen" – gespeichert sollen sie dennoch worden sein. Wertvoll seien aber primär Bilder vom Gesicht des Benutzers und die generierten Metadaten gewesen.

Yahoo ist entsetzt

Yahoo zeigte sich über die Geheimoperation entsetzt. Gegenüber dem "Guardian" bestritt man, vom GCHQ-Zugriff gewusst zu haben. Das erscheint durchaus glaubwürdig, da etwa Googles Datencenter auch ohne Googles Wissen vom britischen Geheimdienst angezapft wurde. Yahoo nennt die Handlungen einen "Angriff auf die Privatsphäre unserer Nutzer in bislang unerreichtem Ausmaß". (fsc, derStandard.at, 27.2.2014)

  • Massiver Angriff auf die Privatsphäre von Yahoo-Nutzern.
    foto: epa/michael nelson

    Massiver Angriff auf die Privatsphäre von Yahoo-Nutzern.

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