Legasthenie: Individuelle Therapie essenziell

27. Februar 2014, 15:40
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Leistungssteigernde Medikamente, farbige Brillengläser sowie das übliche Seh- und Hörtraining sind unwirksam - viel wichtiger ist individuelle Förderung, so eine Studie

München - Legasthenie ist eine der häufigsten Lernstörungen, an der nicht nur Kinder und Jugendliche, sondern auch Erwachsene leiden. Oft wird sie erst spät erkannt. "Bis zu 40 Prozent der Kinder mit einer Legasthenie haben psychische Probleme, oft als Folgen von Diskriminierung", sagt Gerd Schulte-Körne, Jugendpsychiatrie-Experte an der Uni München. Die Kinder würden mit Aussagen konfrontiert wie "Du bist zu faul!" oder "Du musst dich halt mehr anstrengen!". Zudem seien die Kinder und ihre Familien meist auf sich allein gestellt, da sich niemand für die außerschulische Förderung zuständig fühlt.

Es gibt über zwanzig verschiedene methodische Ansätze, Kinder mit einer Legasthenie zu fördern. Jedoch wurde bisher nicht untersucht, welche Behandlung wirksam und zu empfehlen ist. Eine Forschergruppe der Uni München hat nun alle verfügbaren Förder-Studien, welche die Wirksamkeit mittels eines randomisiert-kontrollierten Studiendesigns untersucht haben, ausgewertet.

Populäre Methoden unwirksam

"Nur sehr wenige Methoden helfen den Kindern. Vor allem sehr basale Prozesse der Laut-Buchstaben-Zuordnung und umgekehrt müssen systematisch geübt werden", sagt Katharina Galuschka, die die Metaanalyse durchgeführt hat. Diese Methode sollte durch das Training der Wortleseflüssigkeit basierend auf einer Silbendurchgliederung begleitet werden. Eine längere Förderung ist wirksamer als eine Kurzzeitintervention. Viele populäre Methoden, die an der Veränderung der Augenbewegungen und Verbesserung des Hörens ansetzen, sind hingegen nicht wirksam. Eine Behandlung mit leistungssteigernden Medikamenten oder die Nutzung farbiger Brillengläser (Irlen-Linsen) konnten die Leseleistungen ebenfalls nicht steigern.

"Eine frühe Förderung und Therapie, die die individuellen Voraussetzungen eines Kindes berücksichtigt, ist daher dringend notwendig", sagt Schulte-Körne. Bei einer ausgeprägten Legasthenie reiche die schulische Förderung nicht aus. "Diese findet in den Schulen aufgrund fehlender Ressourcen und mangelnder Ausbildung der Lehrkräfte nur unzureichend statt", so der Experte.

Diese erste publizierte Metaanalyse sei die Grundlage für dringend notwendige Behandlungs- und Förderempfehlungen, sagt Gerd Schulte-Körne. In Deutschland wird in Kürze eine medizinische Leitlinie zu Legasthenie erscheinen, die von seiner Forschungsgruppe koordiniert wird. (red, derStandard.at, 27.2.2014)

Publikation:

Effectiveness of Treatment Approaches for Children and Adolescents with Reading Disabilities: A Meta-Analysis of Randomized Controlled Trials. Katharina Galuschka, Elena Ise, Kathrin Krick und Gerd Schulte-Körne. PLoS One, 26. Februar 2014. DOI: 10.1371/journal.pone.0089900

  • Viele populäre Legasthenie-Therapien sind eigentlich unwirksam, so eine neue Metastudie.
    foto: dpa-zentralbild/jens büttner

    Viele populäre Legasthenie-Therapien sind eigentlich unwirksam, so eine neue Metastudie.

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