Telekom-II-Prozess: Verfahren vertagt

27. Februar 2014, 13:46
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Gernot Schieszler zeichnet sein Sittenbild der Telekom Austria unter der Führung von Boris Nemsic, am 1. April wird weiterverhandelt

Wien - Im Telekom-II-Prozess um die Abfertigung eines Ex-Marketingleiters der Telekom Austria über Scheinrechnungen wird nun ein Gutachter mit der Frage beauftragt, ob sich eine stattliche Abfertigung motivierend auf die anderen Mitarbeiter des Hauses auswirkt. Der Prozess wurde, auch wegen eines fehlenden Zeugen, auf 1. April vertagt.

Die Verteidigung argumentiert, dass mit den über Scheinrechnungen bezahlten fast 600.000 Euro, die der Ex-Marketingleiter zu seiner offiziellen Abfertigung von 200.000 Euro erhalten hatte, innerhalb der Telekom und der Branche das Signal ausgesendet wurde, dass die Telekom fair mit Mitarbeitern umgeht. Schweigegeld sei dies auf gar keinen Fall gewesen.

Dass die Abfertigung innerhalb des Managements für Unruhe und Gerüchte sorgte, belegen firmeninterne Mails, aus denen heute im Wiener Straflandesgericht zitiert wurde - wobei die Wortwahl für einen "Akademiker und Vorstand" sehr ungewöhnlich gewesen sei, merkte ein Verteidiger zur teilweise derben Wortwahl an.

Am Donnerstag hätte unter anderem der ehemalige Festnetzvorstand Rudolf Fischer aussagen sollen. Er hatte sich aber wegen einer Auslandsreise entschuldigen lassen. Fischer ist im Telekom I-Prozess rund um eine Kursmanipulation nicht rechtskräftig verurteilt worden.

Vertagt

Der Prozess wird am 1. April um 9.30 Uhr im Saal 101 des Wiener Straflandesgerichtes unter Vorsitz von Richter Michael Tolstiuk fortgesetzt. Ursprünglich war die Urteilsverkündung für Freitag geplant.

Ein seltsames Sittenbild der teilstaatlichen Telekom Austria unter der damaligen Führung von Boris Nemsic hat am Donnerstag, im Telekom II-Prozess der Kronzeuge Gernot Schieszler gezeichnet. Um die zehn Mio. Euro schwere Miete des Burgtheaters während der EM 2008 habe sich "niemand geschert", so Schieszler.

Auch der Umgang mit den Mitarbeitern dürfte gewöhnungsbedürftig gewesen sein. So habe ihn der damalige Festnetzvorstand Rudolf Fischer "eine Stunde lange niedergebrüllt" weil er sich an eine Abmachung mit dem Betriebsrate gehalten hatte, sagte Schieszler zu Richter Michael Tolstiuk. Er habe 2.000 Mitarbeiter freistellen müssen "unter der Begleitmusik von 62 freigestellten Betriebsräten", so Schieszler.

Telekom V

Nächste Woche, am Faschingsdienstag, geht der Telekom V-Prozess weiter. Hier geht es um den Verkauf einer Telekom-Immobilie am Wiener Schillerplatz an den damaligen ÖBB-Chef Martin Huber und seine Ehefrau. Sie erstanden die Luxusimmobilie um rund fünf Millionen Euro und haben sie ein Jahr später um das doppelte weiterverkauft.

Die Staatsanwaltschaft wirft Huber und den angeklagten Ex-Telekom-Vorständen Heinz Sundt und Stefano Colombo Untreue vor. Sundt und Colombo sollen durch den vermeintlich zu günstigen Verkauf die Telekom geschädigt haben, Huber wird Beihilfe vorgeworfen. Die Anklage gegen Huber wurde wegen des Verdachts des schweren Betrugs an den ÖBB ausgeweitet, weil er seinem damaligen Arbeitgeber nicht die Wahrheit über den Deal gesagt habe, sondern sich hinter einem Treuhänder versteckte. Alle Angeklagten weisen die Vorwürfe zurück, es gilt die Unschuldsvermutung. (APA, 27.2.2014)

  • Gernot Schieszler
    foto: standard/cremer

    Gernot Schieszler

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