"The Classic": Wassermusik

27. Februar 2014, 18:02
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Joan As Police Woman veröffentlicht ihr fünftes Album: "The Classic" - Ein Titel wie eine Diagnose

Joan Wasser hat eine Entscheidung getroffen. Und nach der handelt sie auf ihrem fünften Album The Classic. Zwar bewegte sie sich seit Beginn ihrer Solokarriere in langsamen Schritten auf das Erscheinungsbild des neuen Longplayers zu, es bedurfte jedoch einiger Umwege über Balladen und üppig Kunstlied, bevor sie mit dem nächste Woche erscheinenden Neuen den Weg zum Soul vollzogen hat. In Anlagen war Soulmusik in der Arbeit der 43-jährigen Musikerin längst vorhanden, am deutlichsten zeichnete sich diese Vorliebe in einem selbst verlegten Coverversionenalbum ab, konsequenterweise Cover betitelt. Darauf überführte sie unter anderem Songs von Britney Spears (Overprotected) oder Public Enemy (She Watch Channel Zero) in beseelte Gefilde. Und damit das klargestellt ist: Nichts gegen das Kunstlied und Balladen. Immerhin ist die als Joan as Police Woman veröffentlichte Lady in der Umlaufbahn von Figuren wie Antony Hegarty oder Rufus Wainwright zu finden gewesen oder gar in jener von Jeff Buckley. Bevor der im Mississippi ertrunken ist, gehörte sein Herz Madame Wasser. Mein Gott, wie das klingt!

Doch als Polizeifrau, als die sie seit 2006 für Herz und Schmerz sorgt, war sie immer am besten, wenn sie sich im Midtempo räkelte, wo sie souverän eine Eleganz entwickelt, die gerade live, bei immer gottvollen Konzerten, gern einer verhaltenen Ekstase anempfohlen wurde. Gerade so sehr, wie es einer neuzeitlichen Diva zu Gesicht steht. Zu so einem Konzert kommt es übrigens am 2. Mai in der Ottakringer Brauerei.

Der Titelsong des Albums ist eine astreine Doo-Wop-Nummer, die Wasser in ihrer nonchalanten Art hinschmiert wie eine Aufwärmübung. Doch sie stellt nicht bloß klassische Formate nach. Sie arrangiert ihre Songs modernistisch und (exz)entrisch. Bevor irgendetwas zu vertraut klingt, zwingt sie sich zu einer Richtungsänderung, oder sie verschleppt einfach das Tempo. Das führt zum leidenschaftlichen Höhepunkt dieser Liedersammlung, zu Good Together, in dem ihr Gesang etwa bei der Hälfte seiner Dauer das Stück gen Himmel hebt. Doch bevor dort oben die Luft zu dünn und alles zu atmosphärisch wird, kracht die Gitarre rein.

Das ergibt in Summe eine zeitlose mitreißende Popmusik, die dem 1970er-Jahre Funk des Motown-Labels neue Facetten abringt (Shame) und dennoch eigenständig klingt. Schließlich verfügt Wasser über eine Stimme und eine Fantasie, die für zehn Karrieren reichen würde. Auf The Classic reichen zehn Songs aus, um davon zu überzeugen. (Karl Fluch, DER STANDARD, 28.2.2014)

Joan As Police Woman: "The Classic" (PIAS), ab 3. 3. Live zu sehen am 2. 5. in der Brauerei Ottakring

  • Der Titelsong des Albums "The Classic" ist eine astreine Doo-Wop-Nummer.
    foto: pias

    Der Titelsong des Albums "The Classic" ist eine astreine Doo-Wop-Nummer.

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