Merkel wirbt im britischen Parlament für die EU

27. Februar 2014, 18:38
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"Wir müssen Europa gemeinsam besser machen": Angela Merkel umschmeichelt die Briten

Die britische Regierung hatte auf mehr gehofft: Bei Angela Merkels Besuch in London gab es zwar viele schöne Worte, aber kein Entgegenkommen in Sachen EU. Nur "gemeinsam und entschlossen" könnten die europäischen Länder ihre Werte und Interessen geltend machen, sagte die deutsche Kanzlerin am Donnerstag in London. Der britische Beitrag sei besonders wichtig: "Wir müssen Europa gemeinsam besser machen."

Nach SPD-Kanzler Willy Brandt (1970) und CDU-Präsident Richard von Weizsäcker (1986) war Merkel erst die dritte deutsche Spitzenpolitikerin, der die Ehre einer Ansprache vor beiden Häusern des britischen Parlaments zuteilwurde. Schauplatz war ein Prachtsaal, dessen Dekor an zwei historische Momente deutsch-britischer Zusammenarbeit erinnert: Porträts der königlichen Hoheiten zeigen Nachkommen Georgs I., der 1714 aus Hannover auf den britischen Thron geholt wurde. Die Längsseite des Saals dominiert ein Gemälde, das die Feldherren Wellington und Blücher 1815 nach der Schlacht bei Waterloo zeigt, als die spät eintreffenden Preußen den britischen Sieg über Napoleon ermöglichten.

Merkel sprach zunächst aber auf Englisch und über das 20. Jahrhundert: Sie verneigte sich vor den Opfern der beiden Weltkriege, die von Deutschland ausgingen. Ausdrücklich bedankte sich die aus der DDR stammende Politikerin bei den 1,7 Millionen Soldaten der britischen Armee, die in der Bundesrepublik stationiert waren. Ihr erster Besuch bei Speaker's Corner 1990 sei ein unvergessliches Erlebnis gewesen.

Der deutsche Gast nahm Bezug auf die Spekulationen der britischen Presse, die über vermeintliche Zugeständnisse an den innerparteilich unter Druck stehenden Premier David Cameron geschrieben hatte. Nur gemeinsam könne man Europa besser machen, mahnte Merkel EU-Kritiker. "Dabei sehen wir Großbritannien als wichtigen Verbündeten."

Bei den Verhandlungen über das geplante Freihandelsabkommen mit den USA müssten "Fragen des Datenschutzes berücksichtigt" werden, sagte die Kanzlerin im Parlament, ohne die Enthüllungen von Whistleblower Edward Snowden namentlich zu erwähnen. Die Beziehungen zwischen Europa und den USA seien von "überragender Bedeutung - und Großbritannien ist dafür ein wichtiger Anker".

Merkels Besuch in London beinhaltete am späten Nachmittag auch ein kurzes Gespräch mit Oppositionsführer Edward Miliband, dessen Labour Party derzeit in den Umfragen vor den regierenden Konservativen liegt. Gekrönt wurde der Aufenthalt mit einer Audienz bei Queen Elizabeth II. (Sebastian Borger aus London, DER STANDARD, 28.2.2014)

  • Der britische Premier David Cameron und die deutsche Kanzlerin Angela Merkel: Ein freundschaftliches aber nicht immer spannungsfreies Verhältnis.
    foto: ap photo/yves herman, pool

    Der britische Premier David Cameron und die deutsche Kanzlerin Angela Merkel: Ein freundschaftliches aber nicht immer spannungsfreies Verhältnis.

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