Viele Österreicher hatten Kontakt mit Hepatitis-E-Virus

27. Februar 2014, 10:57
posten

Vor allem Soldaten im Auslandseinsatz und Vielreisende weisen Antikörper im Blut auf

Während Hepatitis A ("Reisehepatitis"), B und C auch in der breiten Öffentlichkeit bekannt sind, ist das eine weitere durch Viren bedingte Leberentzündung nicht: Hepatitis E. Dabei hat zumindest etwa jeder zehnte Österreicher bereits Kontakt mit dem Virus gehabt. In einer epidemiologischen Studie wurden 997 Berufssoldaten und Zivilisten (alle Anwärter für internationale Friedenseinsätze des österreichischen Bundesheer) auf Antikörper gegen Hepatitis E-Viren (HEV) untersucht. Insgesamt zeigten 14,3 Prozent einen positiven Antikörperbefund.

Viele Fragen ungeklärt

Bei der Hepatitis E sind noch viele Fragen ungeklärt. "Die Krankheit ist so ähnlich wie die Hepatitis A und wurde früher in Europa ausschließlich mit Reisetätigkeit in Verbindung gebracht. Man glaubte, dass HEV nur in Ländern mit schlechteren hygienischen Bedingungen über humane Fäkalien in Wasser und Lebensmittel übertragen werden kann", sagt Tropenmediziner Heimo Lagler von der MedUni Wien.

Das trifft auf zwei Varianten des Virus (HEV vom Genotyp 1 und 2) zu. In Industrieländern werden aber auch Infektionen mit HEV vom Genotyp 3 registriert. Dieser Genotyp 3 konnte in den vergangenen Jahren auch in Tieren, wie zum Beispiel bei Haus- und Wildschweinen, nachgewiesen werden. Hier kommt auch eine Übertragung durch Fleisch und Fleischprodukte in Frage.

Vom Alter abhängig

Jedenfalls zeigte sich eine deutliche Altersabhängigkeit der Häufigkeit der positiven Antikörperbefunde: 18- und 19-jährige Männer sind in Österreich zu acht Prozent bereits mit HEV in Kontakt gekommen, 30- bis 39-Jährige zu 13 Prozent. Bei den 50- bis 60-Jährigen sind es bereits 57 Prozent. Soldaten, die sich im Auslandseinsatz befunden haben, sind jedenfalls einem höheren Ansteckungsrisiko ausgesetzt: Insgesamt 21,4 Prozent sind HEV-positiv, hingegen nur knapp zehn Prozent der Zivilisten. Unter den österreichischen Berufssoldaten im Alter zwischen 30 und 39 Jahren wurde eine Häufigkeit von 20,2 Prozent registriert, in der "zivilen" Vergleichs-Altersgruppe hingegen eine von 7,3 Prozent.

Die Bedeutung der Infektion als Krankheit ist unterschiedlich. Bei Menschen mit normalen Abwehrkräften heilt die Infektion zumeist aus. Anders ist das bei Immunsupprimierten. So können bei Immungeschwächten schwere chronische Verläufe auftreten. Auch bei Schwangeren kann bei einer Infektion mit HEV die Mortalität erhöht sein. Im Gegensatz zur Hepatitis A und B gibt es allerdings bei HEV noch keine Prophylaxe durch eine Impfung. Auch eine ursächliche Therapie, anders als bei Hepatitis B oder C, konnte bisher nicht entwickelt werden. (APA/red, derStandard.at, 27.2.2014)

Share if you care.