Strafe für Trial-Stop: Stopp heißt "drop"

Kolumne4. März 2014, 17:18
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Vier Polizisten auf der Wiener Ringstraße ahnden ein Vergehen

Grundsätzlich: Natürlich hat man sich über eine Stopptafel nicht hinwegzusetzen. Punkt. Auch dann nicht, wenn sich die Sinnhaftigkeit dieser speziellen Tafel an dieser speziellen Stelle in dieser speziellen Situation nicht erschließt.

Etwa an einem de facto verkehrslosen Ferienmorgen gegen sieben Uhr an einer Einmündung in die Wiener Ringstraße: Stopp heißt Stopp - erst recht, wenn sich neben dem Schild vier Polizisten und eine Radarpistole langweilen. Weil sie auf Frühverkehr warten, der - ferienbedingt - nicht kommt.

Zählt nicht

"Sie wissen, dass ein Trial-Stop nicht zählt?" beweist der erste Beamte, dass er sehr genau hingesehen hat: Ein "Trial-Stop" ist Anhalten und Balancieren - ohne abzusteigen. Es gibt sogar Meisterschaften darin - aber ein oder zwei Sekunden schafft das jeder. Beim Motorradführerscheinkurs (und bei Radworkshops) ist der Trial-Stop Basisprogramm.

Doch im Alltag, sagt der Beamte, zähle das nicht: "Ein Fuß muss auf dem Boden sein."

Prinzipiell verständlich: Wie soll ein Autofahrer mit Vorrang sonst zweifelsfrei erkennen, dass der Einspurige tatsächlich hält?

Wenn er wollte

Der Hinweis auf Zeit, Verkehrsaufkommen, Setting und das auch vom Beamten attestierte umsichtige Verhalten verhallt: "Situationselastik" gilt nur in der Politik. "Zahlen Sie gleich? Das macht 50 Euro." Der Radler staunt: "Wow! Mit dem Auto durch die Fuzo kostet nur 30." Pech, denn "ich mache die Preise nicht, aber Sie können gern eine Anzeige haben".

Der Radler offeriert Plan C: "Sie könnten es ja auch bei einer Abmahnung samt Belehrung belassen." Doch der Beamte ist dem Konjunktiv abhold: "Ja, wenn ich wollte. Aber ich will halt nicht." (Thomas Rottenberg, DER STANDARD, 28.2.2014)

  • Da macht er ihn, den Trial-Stop. Das ist ahndungswürdig.
    foto: apa/becker

    Da macht er ihn, den Trial-Stop. Das ist ahndungswürdig.

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