Nasensekret: Auf dem Förderband Richtung Nasenrachen

28. Februar 2014, 08:45
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20 Kubikmeter Luft passieren täglich die menschliche Nase – 150 Millliliter Nasensekret befeuchten und reinigen diese gewaltige Menge

Die Nase ist zwar ein ziemlich kleines Organ, hat aber große Aufgaben zu bewältigen. Viele davon übernimmt das Nasensekret, eine schleimige Körperflüssigkeit, die vorwiegend den Ruf hat unappetitlich zu sein.

"Egal ob Luft warm, kalt, trocken oder feucht in die Nase hineinkommt, sie wird auf annähernd 100 Prozent Luftfeuchtigkeit gebracht und 37 Grad erwärmt", sagt Herbert Riechelmann, Leiter der Abteilung für Hals-Nasen-Ohrenkunde der Universitätsklinik Innsbruck. Ersteres obliegt dem menschlichen Nasensekret. 150 Milliliter werden davon im Normalfall – also schnupfenfrei – am Tag produziert. 150 Milliliter, die unter anderem für die tägliche Befeuchtung von 20 Kubikmeter Luft sorgen. Das ist in etwa die Menge an Luft, die die menschliche Nase am Tag passiert.

Reinigender Schleim

Gemeinsam mit diesem "Tankwagen" voll Luft geraten auch eine Reihe winziger Staubkörner und andere Verunreinigungen in das menschliche Riechorgan. "Feinstaub fliegt durch die Nase größtenteils völlig unbeeinträchtigt hindurch, landet in der Lunge, macht dort Schäden und fliegt dann wieder hinaus", sagt Riechelmann.

Gröbere Verunreinigungen finden dagegen im Nasensekret folgendes Ende: Im vorderen Anteil der Nase befindet sich eine Engstelle. Diese wirkt wie ein Diffusor, sprich die Atemluft gerät dahinter  in Turbulenzen. Durch die Verwirbelung kommt die gesamte  Luft mit der Nasenschleimhautoberfläche in Berührung. "Das klebrige Sekret darauf wirkt nun wie ein Adhäsionsfilter. Sämtliche Partikel bleiben darauf picken", so Riechelmann.

Raufziehen statt Runterschnäuzen

Wie aber wird die Nasenschleimhaut den ganzen Schmutz wieder los? Für diese Aufgabe ist das mukoziliare Transportsystem verantwortlich und das Nasensekret gewährleistet die Funktion dieses Systems. Dazu besteht das Sekret aus  einer oberflächlichen hochviskösen Gelschicht und einer darunterliegenden wässrigen Flüssigkeitsschicht. Die Zilien haften unmittelbar auf den Nasenepithelzellen und flimmern hin und her.

Bei der Hinbewegung richten sich die Zilien rasch auf und ragen mit ihren Spitzen in die Gelschicht hinein. Die Rückbewegung erfolgt langsamer und die Zilien kehren angewinkelt in die dünnflüssige Phase zurück. Dieser Bewegungsablauf sorgt dafür, dass sämtliche Verunreinigungen, wie auf einem Förderband in Richtung Nasenrachen transportiert werden.

Was dort ankommt wird verschluckt und im Magensaft unschädlich gemacht. Die erwähnten 150 ml landen also, wenn nicht zuvor bereits rausgeschnäuzt, samt und sonders im Verdauungstrakt. Und das ist auch gut so. "Schnäuzen führt zur Keimverfrachtung in die Nasennebenhöhlen und ist total verkehrt. Raufziehen ist physiologisch viel gesünder", sagt Riechelmann.

Abwehrsystem Nasenschleim

Keimabtötend wirkt aber nicht nur die Salzsäure im Magensaft, sondern auch das Nasensekret selbst. Es dient als mechanische Barriere und beteiligt sich außerdem mit Hilfe der Inhaltsstoffe Lysozym, Lactoferrin und Defensin an der Abwehr pathogener Mikroorganismen.  Und dann gibt es noch sogenannte Schleimhautimmunglobuline. "Dieses sekretorische Immunglobulin A erkennt potentiell krankmachende Substanzen und neutralisiert diese. Eine Immunreaktion wird damit aber nicht ausgelöst, es verhindert nur eine Invasion", betont Riechelmann.

Nicht so Immunglobulin G - dieses wird aktiviert, wenn Keime bereits in die Schleimhaut eingedrungen sind und verhindern dann, dass eine nachfolgende Entzündung überhaupt erst entsteht.

Ist die Entzündung schon da, dann werden noch Proteaseinhibitoren in submukösen (unterhalb der Schleimhaut gelegen, Anm.Red.)Drüsen gebildet, um das Nasenepithel vor irreversiblen Zellschäden zu schützen.

Farbe als Hinweis

Nicht immer jedoch gelingt es dem Nasenschleim Bakterien oder Viren erfolgreich abzuwehren. Das Angebot an krankmachenden Keimen ist speziell in den Wintermonaten einfach zu groß. Die Farbe des Nasensekrets kann dann Hinweise geben – diese sind jedoch nur eingeschränkt aussagekräftig.  Gelbes Nasesekret heißt nicht automatisch Antibiotika schlucken. Auch bei viral bedingtem Schnupfen trübt das Sekret in der neutrophilen Phase ein. „Wenn der freie Eiter allerdings bereits aus den Nasennebenhöhlen hervorquillt, dann ist die Farbe durchaus ein guter Indikator, dass Patienten entsprechend krank sind", sagt Riechelmann. (Regina Walter, derStandard.at, 28.2.2014)

  • Runterschnäuzen geht gar nicht, sagt HNO-Experte Herbert Riechelmann.
    foto: apa/karl-josef hildenbrand

    Runterschnäuzen geht gar nicht, sagt HNO-Experte Herbert Riechelmann.

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