"Verlustträchtiges Haus"

26. Februar 2014, 20:38
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Wirtschaftsprüfer KPMG warnte Geschäftsführung bereits im Jänner 2013 vor Mängeln und fehlenden Belegen - Endbericht bestätigt Vorwürfe gegen Stantejsky

Wien - Am Donnerstag befasste sich der Aufsichtsrat des Burgtheaters mit dem forensischen Bericht der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG über die "dolosen" Handlungen von Silvia Stantejsky, der gefeuerten Vizedirektorin. Am Donnerstagnachmittag wurden durch den Endbericht die Vorwürfe gegen Stantejsky bestätigt. Schon vorab gab Martin Wagner, Seniorpartner von KPMG, der "Presse" ein erhellendes Interview.

Er behauptet, den Aufsichtsrat bereits im Jänner 2013 über Mängel beim Vieraugenprinzip und fehlende Belege berichtet zu haben: "Wir waren auch die Ersten, die nicht bereit waren, die praktizierte Abschreibungsmethode zu akzeptieren. Das stieß anfänglich bei der Geschäftsführung auf Unverständnis. Letztlich wurde eingelenkt." Denn die Alternative wäre ein eingeschränkter Bestätigungsvermerk gewesen; der Abschluss 2011/12 hätte dann nicht den Vorschriften entsprochen.

Wagner weiter: "An der Entwicklung der Bankschulden konnte man leicht erkennen, dass das Haus verlustträchtig ist. Wenn man mehr ausgibt, als man hat, dann steigen die Schulden. Wenn dann trotzdem ein ausgeglichenes Ergebnis vorliegt, sagt einem der Hausverstand, dass da etwas nicht zusammenpasst." Er äußert sich auch kritisch über Burg-Direktor Matthias Hartmann: "Jeder Geschäftsführer ist für das gesamte Unternehmen verantwortlich. Ich kann nicht sagen, ich interessiere mich nur für einen Ausschnitt, selbst wenn die Geschäftsführung aufgeteilt ist. Ich denke, es wäre schon gut, wenn er sagte: Ich habe mich blenden lassen, es ist nicht gut gelaufen." (trenk, DER STANDARD, 27.2.2014)

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