Studie: Ungleichheit drückt Wachstum

26. Februar 2014, 18:28
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Währungsfonds unterstützt stärkere Umverteilung

Washington/Wien - Ungleichheit wirkt sich nicht nur negativ auf das soziale Gefüge einer Gesellschaft aus, sie beeinträchtigt in der Regel auch die Wachstumsaussichten einer Volkswirtschaft. Zu diesem Schluss kommt eine Untersuchung des Internationalen Währungsfonds (IWF), die am Mittwoch in Washington präsentiert wurde. Der Fonds schließt sich damit mehreren kritischen Studien an, die in den letzten Jahren auf massive Fehlentwicklungen in der internationalen Verteilungspolitik hingewiesen haben - der Standard berichtete.

Die genannten Implikationen ergeben sich einerseits aufgrund der wirtschaftlichen und politischen Instabilität bei großen Einkommensunterschieden, die Investitionen beeinträchtigen können, meinen die Ökonomen des IWF. Andererseits benötige eine Gesellschaft einen sozialen Konsens, um im Falle ökonomischer Schocks Anpassungen vornehmen zu können. Mit vor allem von Reichen bezahlten Steuern auf Aktivitäten mit negativen Auswirkungen wie beispielsweise das Eingehen großer Risiken könnte das Wachstum deutlich angekurbelt werden, wenn die Mittel sinnvoll eingesetzt werden.

Der IWF kommt zu dem Ergebnis, dass die Ungleichheit (vor staatlichen Transfers) vor allem in den Industriestaaten in den letzten Jahrzehnten zugenommen hat, während sie in Entwicklungsländern zurückgegangen ist. Dazu kommt, dass die Umverteilung in den OECD-Ländern die aufgehende Einkommensschere nicht kompensiert hat. Allerdings wird auch festgehalten, dass Staaten generell stärker umverteilen, je größer die Ungleichheit aus den jeweiligen Markteinkommen ist.

Der Fonds ist der Auffassung, dass die politischen Entscheider nicht darauf setzen sollten, dass die Ankurbelung des Wachstums automatisch zu mehr Gleichheit führe. Die Steigerungen des Outputs könnten sich dann langfristig als niedrig und nicht nachhaltig erweisen, schreiben die Studienautoren Jonathan Ostry, Andrew Berg und Charalambos Tsangarides. Sie haben "überraschend wenig Belege" gefunden, wonach sich Umverteilung - so lange sie nicht exzessiv ist - negativ aufs Wachstum auswirkt. (as, DER STANDARD, 27.2.2014)

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