Russland und die Ukraine: Spiel mit dem Feuer

Kommentar26. Februar 2014, 18:04
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Die Entwicklungen zwischen Kiew und Moskau erinnern fatal an den Georgien-Krieg 2008

Provokation, Gegenprovokation, Eskalation, Explosion. Was nach dem Umsturz in der Ukraine zwischen Kiew und Moskau läuft, erinnert fatal an die Entwicklung vor dem Georgien-Krieg im August 2008. Damals schaffte es Russland, den georgischen Präsidenten Michail Saakaschwili so lange zu reizen, bis er sich in ein wahnwitziges militärisches Abenteuer einließ. Die Lektion, die ihm Wladimir Putin erteilte, galt auch der Nato.

Die neue Mehrheit im ukrainischen Parlament hat in einem ihrer ersten Beschlüsse Russisch als zweite offizielle Sprache im Osten und Süden abgeschafft. Das mag im revolutionären Überschwang und als Geste an die nationalistischen Kräfte der Maidan-Bewegung geschehen sein.

Klug war es nicht. Vor allem, wenn man weiß, dass der Schutz russischsprachiger Bevölkerungsgruppen im Ausland - ob ehrlich gemeint oder als Vorwand - eine Maxime der Moskauer Außenpolitik ist. Chefdiplomat Sergej Lawrow setzte denn auch prompt alle Revolutionäre in der Ukraine mit "Extremisten" gleich. Damit wird die militärische Drohgebärde - Alarmbereitschaft für die russischen Truppen im Westen - rhetorisch abgefedert.

Russland wird alles versuchen, die weitere Entwicklung in der Ukraine in seinem Sinn zu beeinflussen. Der Anfang ist gemacht. Jetzt liegt es an den neuen Verantwortlichen in Kiew: Mit starken Versöhnungsgesten können sie Provokateure jeglicher Provenienz ins Leere laufen lassen. (Josef Kirchengast, DER STANDARD, 27.2.2014)

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