Schwarzgeldspur mit Austro-Connection

26. Februar 2014, 17:35
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Ein Bericht des US-Senats zeigt, wie die Credit Suisse reichen Amerikanern jahrelang half, Steuern zu hinterziehen. Die Spur führt auch nach Österreich

Wien - Bankauszüge, die nach der Begutachtung sofort geschreddert werden. Geheime Absprachen bei Golfpartien in Florida. Treffen in Hotellobbys, bei denen Papiere überreicht werden, die sicherheitshalber in Sportmagazinen versteckt sind: Ein Bericht des US-Senats bietet erstaunliche Einblicke in das Innenleben der Credit Suisse und zeigt, wie die Schweizer Großbank ihre US-Klienten bei der Steuerhinterziehung über Jahre hinweg unterstützt hat.

Seit 2011 hat einer der mächtigen Senatsausschüsse ("Permanent Subcommittee on Investigations") die Beteiligung der Credit Suisse an Steuervergehen untersucht. Die Parlamentarier haben 100.000 Bankdokumente gesichtet und Interviews mit zwei Dutzend Schweizer Bankern geführt. Zudem nahmen sie Einsicht in Ermittlungsakten des US-Justizministeriums gegen das Institut.

Unterstützung

Laut dem in der Nacht auf Mittwoch veröffentlichten Bericht hat die Credit Suisse ihre US-Kunden "zumindest" zwischen 2001 und 2008 aktiv dabei unterstützt, Steuern zu hinterziehen. Auf dem Höhepunkt hatten 22.000 Amerikaner mehr als zwölf Milliarden Franken (9,9 Mrd. Euro) bei der Bank gebunkert. "Der allergrößte Teil" dieser Gelder war unversteuert.

Besonders interessant ist der Report, weil die Abgeordneten rund um den Demokraten Carl Levin und den Republikaner John McCain Steuerhinterzieher befragen konnten. Die Angaben dieser Zeugen lesen sich wie ein Krimi. Sie zeigen auch, dass Steueroasen oft überlappend genutzt werden.

So gab etwa einer der Steuerbetrüger ("Client 1") zu Protokoll, geheime Konten bei Credit Suisse, bei der First Caribbean International Bank, aber auch bei der Raiffeisen Zentralbank und der Bank Austria unterhalten zu haben. Insgesamt habe er über sieben Millionen Dollar versteckt - davon befand sich nur ein Teil (2,6 Millionen) bei der Credit Suisse.

Diskrete Treffen

Österreich kommt in dem Senatsbericht überhaupt einige Male vor: In einer Abhandlung über den Kampf gegen Schwarzgeld ist etwa mit Verweis auf das Bankgeheimnis von "allseits bekannten Steueroasen" wie Österreich oder Luxemburg die Rede. Der erwähnte "Client 1" beschrieb anschaulich, wie die Schweizer beim Geldverstecken halfen. Um zu verhindern, dass er enttarnt würde, riet ihm die Bank von Briefverkehr oder E-Mails ab.

Wenn es Treffen gab, liefen sie diskret ab. Bei einem Besuch von "Client 1" in Zürich diskutierten Bankmitarbeiter mit ihm seine Veranlagung. Die Kontoauszüge wurden danach sofort geschreddert. Bei einem anderen Treffen in einem US-Hotel erhielt er seine Bankpapiere in einem Sportmagazin versteckt überreicht.

Die Bank bot zudem vielen seiner Klienten Scheinkonstruktionen an, um Schwarzgeldkonten besser zu verschleiern. In den Notizen von Markus W., einem in den USA angeklagten Ex-Banker bei der Credit Suisse, fanden sich Notizen, wonach er die Errichtung von Briefkastenfirmen in Liechtenstein und Hongkong empfahl.

Gut getarntes Schwarzgeld

Die Firmen waren Teil einer Strategie, um den Vorgängen intern den Anschein von Legalität zu verleihen. Für US-Kunden galten nach Credit-Suisse-Richtlinien eigentlich strenge Kontrollpflichten. Um diese zu umgehen, wurden Briefkastenfirmen mit ausländischen Managern gegründet. Die Amerikaner veranlagten ihr Geld in der Schweiz über diese Gesellschaften - und prompt galt der Kunde laut Bankrichtlinien nicht mehr als US-Bürger.

Auch interessant: Die Credit Suisse betrieb am Flughafen Zürich einen eigenen Schalter für reiche US-Kunden mit einem eigenen Codenamen ("SIOA5"). 2008, als der Steuerskandal bei der Schweizer UBS-Bank aufflog, begann die Credit Suisse aus Angst vor Strafen ihre US-Kunden auszusortieren. Der Ausputz dauerte fünf Jahre und damit viel zu lange, kritisieren die Abgeordneten McCain und Levin in ihrem Bericht. Zudem fordern sie vom US-Justizministerium ein härteres Vorgehen gegen die Bank. Derzeit sind noch zahlreiche Strafverfahren anhängig.

Die Credit Suisse reagierte am Mittwoch reumütig: Brady Dougan, der die Bank seit 2007 leitet, gab bei einer Anhörung vor dem besagten Senatsausschuss Verfehlungen seiner Bank in der Vergangenheit zu. Den Vorwurf, sein Geldhaus habe für mehr als 22.000 Kunden Schwarzgeldkonten eröffnet, wies er aber als stark übertrieben zurück. (András Szigetvari, DER STANDARD, 27.2.2014)


Wissen: Vorgehen gegen Steuerbetrug

Die US-Behörden gehen seit 2008 gegen Schweizer Kreditinstitute und einzelne Manager vor, denen sie Beihilfe zum Steuerbetrug vorwerfen. Den Anfang machte die UBS: 2008 war aufgeflogen, dass die Schweizer Bank im großen Stil unversteuerte Gelder von US-Kunden angenommen hatte. Die Bank zahlte 780 Millionen Dollar Bußgeld und entging damit einem Strafverfahren.

Die Ermittlungen in der Causa dauern an: Im Oktober 2013 wurde der prominente Ex-UBS-Banker Raoul Weil in Italien verhaftet und an die USA ausgeliefert. Sein Prozess beginnt im Herbst.

Weiterhin ermittelt wird in den USA gegen die Credit Suisse und 13 andere Schweizer Banken. Gegen sieben frühere Credit-Suisse-Mitarbeiter liegen Anklagen vor, die Ex-Banker haben sich ihrem Verfahren bisher entzogen. Die einzige Schweizer Bank, die bisher neben der UBS Bußgeld bezahlte, war die Wegelin & Co.

  • Am Mittwoch mussten Credit-Suisse-Chef Brady Dougan und der Chefjurist der Bank, Romeo Cerutti, vor einem US-Senatsausschuss aussagen.
    foto: reuters/reynolds

    Am Mittwoch mussten Credit-Suisse-Chef Brady Dougan und der Chefjurist der Bank, Romeo Cerutti, vor einem US-Senatsausschuss aussagen.

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