Telekom Austria segelt leicht angeschlagen Richtung Mexiko

26. Februar 2014, 17:13
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Betriebsergebnis im 4. Quartal eingebrochen - Ausblick mit stabiler Dividende - Kein Kommentar zu möglichem Syndikatsvertrag mit Carlos Slim

Die teilstaatliche Telekom Austria blickt auf ein durchwachsenes Jahr 2013 zurück, einen erhöhten Kapitalbedarf heuer sieht sie aber nicht. Zum kolportierten Syndikatsvertrag mit America Movil tat der Marktführer heute bei der Bilanzpressekonferenz das, was so gar nicht das Kerngeschäft eines Telekommunikationskonzerns ist: Schweigen.

Umsatz wird um 3 Prozent nachgeben

Für heuer wurde der Ausblick beibehalten: Der Umsatz werde um 3 Prozent nachgeben, die Dividende bleibe stabil bei 5 Cent je Aktie und das Investitionsvolumen werde bei rund 700 Mio. Euro liegen. Einen Kapitalbedarf gebe es aus heutiger Sicht nicht, die Teilnahme an den Frequenzauktionen in Bulgarien, Slowenien und Serbien sei aus dem Cashflow zu finanzieren, so Finanzchef Hans Tschuden am Mittwoch. Sollten größere Investitionen notwendig werden, würde aber ein Kapitalbedarf bestehen, um das Rating nicht zu gefährden, gab der Finanzchef zu bedenken.

Mittelfristig habe sich die Telekom Austria Group zum Ziel gesetzt, ihr BBB Rating bei S&P zurückzuerlangen, "primär durch Schuldenabbau aus dem operativen Cashflow". "Unsere Aufgabe ist es, unsere Produkte und Tarife anzupassen, damit wir dieses Wachstum beim Datenverkehr auch monetarisieren können", so Tschuden.

Gewinn gesteigert

Die börsenotierte Telekom Austria Group konnte das Jahresergebnis um 5,5 Prozent auf 109,7 Mio. Euro steigern, der Gewinn vor Zinsen und Steuern (Ebit) gab aber um 17,4 Prozent auf 377,6 Mio. Euro nach, das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) sank um 11,6 Prozent auf 1,29 Mrd. Euro. Der Umsatz sank um 3,4 Prozent auf 4,18 Mrd. Euro. Der Free-Cashflow lag bei minus 717 Mio. Euro.

Im 4. Quartal ist das Betriebsergebnis um 52,5 Prozent auf 32,8 Mio. Euro eingebrochen. Der Umsatz gab um 5,6 Prozent auf 1,06 Mrd. Euro nach. Rückläufig war auch die Mitarbeiterzahl, im Vorjahr hatte der Konzern 16.045 Beschäftigte (minus 2,4 Prozent), in Österreich waren es 8.804 (minus 3 Prozent). In der Mitarbeiterreserve geparkt - also unkündbar, aber unterbeschäftigt - sind 400 Personen. Derzeit sind 330 Ex-Telekom-Mitarbeiter beim Bund beschäftigt.

Das vergangene Jahr war geprägt von starken Kundenverlusten in Bulgarien und Kroatien, dafür konnte der Konzern in Österreich kräftig zulegen. Die Kundenzahl am Heimatmarkt legte - auch dank des Kaufs des Mobilfunkdiskonters Yesss! - um 10 Prozent auf 5,7 Millionen zu. Zugleich gab das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) in Österreich 2013 um 17,5 Prozent auf 745,3 Mio. Euro nach. Der Umsatz sank um 4,6 Prozent auf 2,66 Mrd. Euro. In Bulgarien brach der Umsatz gar um 14,8 Prozent ein, in Kroatien um 7,4 Prozent. Im Gegenzug gab es in Weißrussland ein Umsatzplus von 10,1 Prozent.

Durchschnittsumsatz im Mobilfunk weiter rückläufig

In Österreich ist der Durchschnittsumsatz im Mobilfunk weiter rückläufig. 2004 wurden 37,1 Euro im Schnitt im Monat gezahlt, 2010 waren es 22 Euro, im Vorjahr 16,1 Euro. Die Zahl wird laut Telekom Austria-Chef Hannes Ametsreiter 2014 weiter zurückgehen. Unter Berücksichtigung der Kaufkraft würden in Österreich die Mobilfunktarife 29 Prozent unter dem Schnitt der EU liegen, so der Firmenboss. Im Vorjahr habe es jedenfalls bei der Telekom (A1) die geringste Wechselrate seit Beginn des Mobilfunkzeitalters gegeben (damals firmierte das Mobilfunkangebot der Telekom noch unter dem Namen Mobilkom).

Einmal mehr beklagte Ametsreiter die Kosten durch die Regulierung des Marktes und den Frequenzkauf. Die Telekom hatte im Herbst des Vorjahres um 1 Mrd. Euro - und damit weit mehr als der Mitbewerb - Funkfrequenzen ersteigert ("LTE-Auktion").

Aktivitäten des Großaktionärs Carlos Slim

Weit weniger gesprächig war er zu den Aktivitäten des Großaktionärs Carlos Slim. Der mexikanische Multimilliardär Slim hält über seinen Konzern Amercia Movil an der Telekom mittlerweile 26,8 Prozent, 28,4 Prozent gehören dem Staat, vertreten durch die ÖIAG. Dass ÖIAG und Slim an einem Syndikatsvertrag - also einem gemeinsamen Auftreten - arbeiten, wollte Ametsreiter weder bestätigen noch dementieren. Und schon gar nicht kommentieren - dies sei Sache der "Shareholder". Politisch zuständig für die ÖIAG ist Finanzminister Michael Spindelegger (ÖVP).

Die Aktie der Telekom legte nach den Berichten über einen möglichen Syndikatsvertrag mit Amercia Movil zuletzt kräftig zu, im Vorjahr gab es aber unter dem Strich ein Minus von 4,1 Prozent. Der Kurs gab heute, Mittwochfrüh, nach Bekanntgabe der Bilanzzahlen kurz nach, lag aber zu Mittag mit 0,5 Prozent im Plus (7,23 Euro je Aktie).

Zu der kolportierten Vertragsverkürzung für Finanzchef Tschuden gab sich dieser zugeknöpft. Er habe einen aufrechten Vertrag, bei der gestrigen Aufsichtsratssitzung sei es zu keiner Vertragsänderung gekommen, so sein Kommentar.

Yesss!

Dass die langfristigen Verbindlichkeiten von 4,1 auf 4,9 Mrd. Euro gestiegen sind, führt Tschuden auf den Erwerb von Yesss! und die Frequenzauktion zurück. Der kräftige Anstieg der Eigenkapitalquote auf 19,2 Prozent sei eine Folge der Platzierung einer Anleihe in Höhe von 600 Mio. Euro.

Zu dem heiß diskutierten Thema Tariferhöhungen meinte Ametsreiter heute auf Nachfrage, dass im freien Markt die Preise manchmal nach oben und manchmal nach unten ginge, dies werde auch in Zukunft so sein. (APA, 26.2. 2014)

  • TA-Chef Ametsreiter
    foto: apa

    TA-Chef Ametsreiter

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