Untergang im Bundesbunker

Ansichtssache26. Februar 2014, 17:24
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"Denkst du auch einmal an mich?", brüllt Bettina Wulff irgendwann entnervt. Wie? Was? Denken? An Bettina? Nein, das tut Christian Wulff nicht. Im Dokudrama "Der Rücktritt", das Sat.1 am Dienstag um 20.15 Uhr ausstrahlte, geht es dem damaligen deutschen Nochbundespräsidenten nur um eines: Er will sein Amt retten.

foto: sat1

68 Tage lang dauerte es im Winter 2011/2012 vom Bekanntwerden des Wulff’schen Immobilienkredits bis zum Rücktritt. Diese 68 Tage zeichnet der Film nach, vermischt dabei Fiktion und Realität.

Manchmal sind die echten Wulffs von damals bei ihren ­öffentlichen Repräsentations-auftritten zu sehen. Je länger der Film dauert, desto dankbarer ist man für diese Einspieler. Denn was sich im Schloss Bellevue, dem Amtssitz des Bundespräsidenten, abspielt, ist die grauenvolle Fiktion.

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Anja Kling und Kai Wiesinger geben in perfekten Kulissen das Präsidentenpaar, das immer weiter in den Untergang taumelt. Während Kling ihre Bettina recht neutral (und damit auch ein wenig blutleer) anlegt, ist Wiesinger-Wulff das personifizierte Versagen.

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Beratungsresistent, uneinsichtig, ignorant, aber auch verzweifelt und überfordert - Wiesinger bringt all dies gut rüber. Eine Krisensitzung jagt die andere, immer hinkt Wulff bei der Aufklärung ein paar Schritte nach. Wenn man all dies so geballt sieht, möchte man ihn im Nachhinein noch schütteln.

Zum Schluss wird Schloss Bellevue zum Bundesbunker und immer düsterer. Da man ohnehin weiß, wie die Sache dann endete, ist das für den Zuseher mitunter recht quälend, langwierig und ermüdend. Aber das war’s ja auch für die Wulffs, insofern ist der Film sehr gelungen. (Birgit Baumann, DER STANDARD, 27.2.2014)

Zum Thema
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