Erst das Heu macht die Mahd erfolgreich

26. Februar 2014, 16:23
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Red Bull Salzburg will am Donnerstag daheim gegen das wohl fuchsteufelswilde Ajax die in Amsterdam gemähte Wiese als Heu ins Achtelfinale der Europa League einbringen

Salzburg/Wien – Wenn die Wiese gemäht ist, fängt der Bauer erst richtig zu bangen an. Regnet's? Oder hält die Sonne, was sie bei der Mahd versprochen hat? Roger Schmidt, der erfolgreiche Trainer der gerade erfolgslaufenden Salzburger, versucht es mit magischer Praxis: Nur nichts verschreien!

So klar und eindrucksvoll das 3:0 von Amsterdam auch gewesen ist, so graupelschauernd könnte Ajax am Donnerstag im Rückspiel (live ab 19 Uhr) ja reagieren. Immerhin ist Ajax Ajax, da sind sieben Tage Regenwetter schnell einmal da. Also: "Ajax wird sicher eine Reaktion zeigen, darauf müssen wir vorbereitet sein."

Mit dem Selbstlader einfach nur drüberfahren über die g'mahte Wies'n, das wird es wohl nicht spielen. "Ich erwarte, dass es eine absolute Schlacht wird hier in unserem Stadion." Freiwillig jedenfalls "lassen sie uns nicht ins Achtelfinale".

Dass die Niederländer, die daheim nicht nur von den Salzburgern geprügelt wurden, sondern auch von den Medien, dass diese Niederländer ersatzgeschwächt auflaufen müssen in der ausverkauften Red Bull Arena, mag nur auf den ersten Blick ein Vorteil sein. Die dänischen Flügel, Lasse Schöne und Viktor Fischer, werden durch zusätzliche Kampfkraft wettgemacht werden wollen.´

Es geht ums Gerstel

Also mahnt der Betreuer die Betreuten: "Wir müssen noch konzentrierter sein als in Amsterdam." Es gilt ja, ein wenig von dem Gerstel zurückzubekommen, das in die Mannschaft geflossen ist.

Seit 2005 ist es das mit mäßigem Erfolg. Damals erreichte mit der Austria der vorläufig letzte österreichische Klub ein europäisches Achtelfinale (Uefa-Cup, ausgeschieden gegen Parma im Viertelfinale). 2010 scheiterten die Salzburger im Sechzehntelfinale an Standard Lüttich, zwei Jahre später an Metalist Charkiw. Im Vorjahr – nun ja, davon sprechen nur noch Eingeweihte.

Düdelingen ist spätestens seit dem Amsterdamer Hinspiel ein Witz, dessen Pointe stumpf geworden ist. In Amsterdam haben die so oft so viel geschmähten Roten Bullen den wohl besten Fußball eines österreichischen Teams gezeigt seit Menschengedenken. (Man müsste schon zurückdenken ans letzte Wiener Aufflackern in den frühen 1950er-Jahren.)

An der Art und Weise des Salzburger Spiels soll und wird sich deshalb auch nicht viel ändern. "Ajax ist sehr überzeugt von seinem Spiel, wir von unserem", sagt Schmidt. Es wird, was auch immer es wird, jedenfalls eine eindrucksvolle Partie werden, in der auch die jeweiligen Konzepte im Vordergrund stehen. Während die Amsterdamer Spielkontrolle und Ballbesitz forcieren, forcieren Schmidt und die Seinen – um jetzt mit jenem Ernst Happel zu sprechen, der beim letzten Wiener Aufflackern den Fuß mit im Spiel gehabt hat – die "spezifiken Kontraattacks", die jede ansatzweise Behäbigkeit des Gegners mit dem sogenannten "Umschalten" bestrafen. "Über unser aggressives Spiel gegen den Ball werden wir unsere Torchancen kreieren. Dann geht es darum, diese zu verwerten und in die nächste Runde einzuziehen."

Fußball, so darf man Schmidt wohl verstehen, ist kinderleicht. Und deshalb auch so sauschwer. "Es ist nicht so, dass wir was Neues erfunden haben. Mittlerweile ist die Mannschaft aber extrem davon überzeugt, dass, was wir spielen, funktioniert." (APA, wei, DER STANDARD, 27.2.2014)

Europa League, Sechzehntelfinal-Rückspiel, Donnerstag

Red Bull Salzburg - Ajax Amsterdam
Stadion Wals-Siezenheim, 19 Uhr/live ORF1 und Sky, SR Tagliavento (ITA), Hinspiel 3:0

Voraussichtliche Aufstellungen:

Salzburg: Gulacsi - Schwegler, Ramalho, Hinteregger, Ulmer - Ilsanker - Kampl, Ch. Leitgeb, Mane - Soriano, Alan

Ersatz: Walke - Klein, Schiemer, Rodnei, Svento, Lazaro, Hierländer, V. Berisha, Meilinger, R. Zulj

Es fehlen: Vorsah (rekonvaleszent nach Kreuzbandriss), Reyna, Dossou (beide nicht im Kader)

Ajax: Cillessen - Van Rhijn, Veltman, Moisander, Blind - Klaassen, Poulsen, Duarte - Bojan Krkic, S. De Jong, Kishna

Ersatz: Vermeer - Van der Hoorn, Denswil, Riedewald, Andersen, De Sa, Sigthorsson

Es fehlen: Fischer (Muskelfaserriss im Oberschenkel), Schöne (Bänderverletzung im Knöchel), Serero (Leistenprobleme), Boilesen (Oberschenkelprobleme)

Aufsteiger im Achtelfinale gegen FC Basel oder Maccabi Tel Aviv (Hinspiel in Tel Aviv 0:0)

  • Jonathan Soriano (Mitte) und seine Kollegen sorgten in Amsterdam für eine scheinbar g'mahte Wies'n. Nun aber muss das Heu auch eingebracht werden.
    foto: reuters/toussaint kluiters

    Jonathan Soriano (Mitte) und seine Kollegen sorgten in Amsterdam für eine scheinbar g'mahte Wies'n. Nun aber muss das Heu auch eingebracht werden.

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