Nach Datenleck bei Bifie: Heinisch-Hosek stoppt alle Schultests

26. Februar 2014, 16:45
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Unterrichtministerin lässt Tests stoppen, bis die Ermittlungen über das Datenleck abgeschlossen sind

Wien - Bis die Ermittlungen der Polizei zu dem Datenleck beim Bundesinstitut für Bildungsforschung (Bifie) abgeschlossen sind, lässt Unterrichtsministerin Gabriele Heinisch-Hosek (SPÖ) alle zentralen Schultests stoppen. Das berichtet diepresse.com. Durch den Stopp dürfte es auch zu Verzögerungen bei den Bildungsstandards kommen. Die Lehrergewerkschaft hatte zuvor einen Teststopp gefordert. Es handle sich um "den größten Datenskandal der österreichischen Schulgeschichte", so der Vorsitzende der ARGE Lehrer, Paul Kimberger.

Loch gestopft

Das Bifie meldet indes, es habe das Datenleck inzwischen gestopft: "Im Rahmen unmittelbar eingeleiteter Sofortmaßnahmen" habe man die Quelle der im Internet aufgetauchten Daten "lokalisiert und jede nicht autorisierte Zugriffsmöglichkeit geschlossen".

In der Aussendung betonte das Institut am Mittwoch, dass lediglich Datensätze aus der Informellen Kompetenzmessung (IKM) betroffen gewesen seien, mit der Schüler auf die Bildungsstandards vorbereitet werden. Darüber hinausgehende Informationen, etwa zur neuen Matura oder zur Überprüfung der Bildungsstandards, seien nicht einsehbar gewesen. "Es wurden sofort alle nötigen Schritte eingeleitet, um möglichst rasch eine umfassende und präzise Darstellung sämtlicher Vorgänge vorlegen und Konsequenzen ziehen zu können", werden die Bifie-Direktoren Martin Netzer und Christian Wiesner zitiert.

Arge Daten "wenig überrascht"

"Wenig überrascht" ist der Obmann der Arge Daten, Hans Zeger, von der Datenlücke bei Schülertests. Als Problem machte er die "Schatten-EDV" aus: Zwar seien die zentralen Systeme meist sicher - die Schwierigkeiten entstünden aber oft dann, wenn sich Mitarbeiter durchaus in gutem Glauben etwa Kopien für ihre Arbeit machen. Beim Bifie ortet er ein "massives Kompetenzproblem".

Die im Internet aufgetauchte Datenmenge bezeichnete Zeger als "Mini-Menge": "1,8 Gigabyte sind gar nichts." Das Hauptproblem liege dabei nicht so sehr bei den zentralen Systemen: "Die zentralen Datenbanken, wo unsere Steuern oder Sozialversicherungsakten verwaltet werden, sind halbwegs sicher. Da wird Aufwand getrieben." Allerdings seien viele Systeme zu kompliziert und zu wenig nutzbar konzipiert.

Zeger: Inkompetenz bei Bifie

Er könne sich etwa gut vorstellen, dass ein Forscher am Bundesinstitut die fraglichen Daten für einen Vortrag auswerten wollte und sich in der besten Absicht, diese anschließend zu löschen, eine Kopie erstellt habe, so Zeger. Dann stelle er sie in eine Art Cloud - "rumänische Server sind halt billiger als österreichische" -, und schon sei es geschehen. Verantwortlich sei hier eine gewisse Inkompetenz, gepaart mit einer Art Missachtung von Bürgerrechten.

Ein "massives Kompetenzproblem" ortet Zeger beim Bifie: Dort sei man offenbar schon vor zwei Monaten auf das Problem aufmerksam gemacht worden. "Dass irgendwann einmal Daten wegkommen, kann passieren. Das ist Teil der EDV. Aber darauf zwei Monate lang nicht zu reagieren und zu sagen, das ist ein ehemaliger Vertragspartner, der uns ärgern will, ist schon ein Problem." 

Fragen für künftige Zentralmatura

Ob die etwa ebenfalls vom Bifie erstellten Fragen für die künftige Zentralmatura sicher seien, könne er nicht sagen, so Zeger. Damit habe er sich zu wenig beschäftigt. "Aber wenn ich das nicht sicher hinbekomme, muss ich in die Hilfsschule gehen." Diese Aufgaben würden nur einem kleinen Personenkreis bekannt sein und seien nur für einen kurzen Zeitraum - eben bis zur Matura - von Bedeutung, ein nachträgliches Auftauchen daher kein gröberes Problem. "Das ist jetzt sicher kein Persilschein, aber ein klarer Auftrag, sich darum zu kümmern." (APA, 26.2.2014)

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