"Der Uli hat mir das Leben gerettet"

26. Februar 2014, 16:08
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Deutsche Torhüter-Legende und Tausendsassa Sepp Maier feiert seinen runden Geburtstag

Der Weg nach Anzing führt über kleine Hügel und durch weite Wiesenflächen. Schmucke Häuser im Landhausstil prägen die ländliche Gegend, die nur eine halbe Stunde von München entfernt liegt. Die Fahrt endet in einem Sportzentrum. Es liegt am äußersten Rand der kleinen Gemeinde mit 4.000 Einwohnern und schmiegt sich an ein ausgedehntes Waldgebiet. Vor dem Eingangstor steht die Aufschrift "Tennisparadies Sepp Maier".

"Tja, mein Paradies", erklärt Sepp Maier und schmunzelt, "der Name steht noch da, obwohl ich es schon vor Monaten verkauft habe. Der Aufwand war mir einfach zu viel geworden. Ich werde 70, da will ich mein Leben mehr genießen." Ab und zu schaut der deutsche Nationaltorhüter der 1970er Jahre aber gern noch mal vorbei in der Wirtsstube seines "Paradieses".

Rekorde über Rekorde

So wie heute. Es ist früh am Tag, vor dem Sepp duftet ein frischer Kaffee. Daneben griffbereit eine silberne Dose, gefüllt mit Schnupftabak, längst ein Stück Markenzeichen. Links von ihm, sauber nebeneinander gereiht auf einem langen Sideboard, jede Menge Pokale, Münzen und Urkunden. Zeugen seiner einmaligen Karriere. Würdigungen aus 49 Jahren für den FC Bayern, aus 15 Jahren mit 95 Länderspielen. Maier ist Welt- und Europameister. Er war die "Katze von Anzing".

"Jo mei", sagt der Bayer, "ich hatte in meiner Karriere auch sehr viel Glück." Er blieb in über 17 Jahren mit tollkühnen Flugeinlagen im Strafraum, "meinem Wohnzimmer" (Maier), ohne schwere Blessuren.

Dauerbrenner

Aussetzen musste er nur ein einziges Mal, für drei Spiele, nach einer Innenbandverletzung in der Saison 1965/66: "Danach habe ich durchgespielt, dreizehn Jahre lang, 442-mal am Stück. Das ist bis heute Bundesligarekord."

Das Ende für ihn kam mit 35. Und vielleicht hätte er auch mit 40 noch im Tor gestanden, wenn nicht dieser 14. Juli 1979 gewesen wäre. Auf der Heimfahrt vom Training verunglückte Maier mit dem Auto auf regennasser Straße.

Hoeneß rettete ihn

Zunächst diagnostizierten die Ärzte nur "äußerliche Verletzungen". Auf den zweiten Blick stellte sich heraus, dass Maier einen Lungenriss, Zwerchfellriss und eine Leberstauchung erlitten hatte. Uli Hoeneß war damals gerade erst wenige Monate als Manager des FC Bayern München im Amt. Er reagierte prompt - in einer Nacht- und Nebelaktion ordnete er Maiers Verlegung aus einem Kreiskrankenhaus in eine Universitätsklinik an. Maier: "Der Uli hat mir das Leben gerettet."

Nach diesem Unfall war Schluss mit der Karriere als Spieler. Maier wurde Torwarttrainer des FC Bayern und der Nationalmannschaft. Und so nebenbei erfüllte er sich den Kindheitstraum von der Schauspielerei. In diesem Hobby war das Münchner Original Karl Valentin sein Vorbild, als ein Komiker, der in grotesken Sketchen menschliche Schwächen offenbart, ohne den Menschen als Schwächling bloßzulegen.

Kultfigur

Humor war für Maier immer auch ein Stück Elixier. Aus der aktiven Zeit unvergessen sind seine Zauberkünste im Trainingslager. Ebenso legendär ist das Bild mit dem Hechtsprung nach einer Ente, die sich 1972 beim 2:0 der Bayern gegen den VfL Bochum in den Strafraum des Olympiastadions verirrt hatte.

Heute drängt Maier nicht mehr ins Rampenlicht: "Ich mag meine Ruhe." Deshalb macht Maier auch ein Geheimnis daraus, was nun an seinem 70. Geburtstag passiert. Vielleicht zieht er sich mit Ehefrau Monika zurück in die Stille der kleinen Gemeinde Dorf Tirol, seinem zweiten Wohnsitz.

Dort, hinter dem Brenner-Pass in der Nähe von Meran, schmückt man sich gern mit dem Gast aus Deutschland. Auf einer Urkunde im Flur vom "Tennisparadies" steht: "Der Amateursportverein Tirol ernennt Sepp Maier in Anerkennung seiner hervorragenden sportlichen Leistungen zum Ehrenmitglied." Schmunzelnd meint Maier: "Na ja, die sind halt a bissel stolz auf mich." (sid, jw, 26.2.2014)

  • Artikelbild
    foto: apa/dpa/baum
  • "Sepp Maier zeigt, wie man schnupft."

  • Sepp Maier zaubert in der TV-Sendung "Sportstudio" (1968)

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