Spanischer Gitarrist Paco de Lucía gestorben

26. Februar 2014, 10:21
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Der spanische Gitarrist Paco de Lucía ist 66-jährig in Mexiko gestorben. Der virtuose Flamencostar öffnete das hitzige Genre in Richtung Jazz und Pop

Cancún - In den frühen 1970ern drang aus den Radios eine sanfte, mit herabfallenden Linien lockende Gitarrenmelodie. Unterlegt mit zwei simplen Mollakkorden, war Entre dos aguas zwar eindeutig in Händen eines Flamenco-Könners, der im Finale des Stückes (dann über eine spanische Kadenz) auch zu ausgiebigen solistischen Exaltationen ansetzte. In seiner Machart jedoch war Entre dos aguas ein quasi poppiger Instrumentalsong, der mit traditionellen Flamencoelementen nur noch rudimentär etwas gemein hatte.

Paco de Lucia 1976: "Entre dos Aguas"

Das Stück bescherte Paco de Lucía internationale Bekanntheit, allerdings gab es auch Kritik vonseiten der Traditionalisten. Der 1947 in Algeciras (Provinz Cádiz) geborene Virtuose hatte jedoch mit seinem stiloffenen Zugang nicht nur Kommerzielles im Sinn. Längst hatte Paco de Lucía, vom Vater unterrichtet, die Tradition dieses Stils profund verinnerlicht. Längst hatte er indes auch begonnen, beim Flamenco eine gewisse Erstarrung zu kritisieren, die es durch Konfrontation mit Neuem aufzubrechen galt.

De Lucía blieb natürlich, wie er auch selbst bekundete, immer Flamenco-Gitarrist. In jedwedem Kontext war sein Spiel von jener impulsiven Kantigkeit, die von harter Phrasierung und einer virtuosen Handhabung des Instruments herrührte. Und hörte man de Lucía solo, schimmerte immer jene Suche nach emotionalem Feuer durch, welche diesem spanischen Stil zu eigen war.

Die Super Guitars

Es blieb dabei auch, als de Lucía seine Transkriptionen von Werken Manuel de Fallas vorstellte oder als er Ende der 1970er-Jahre im Projekt "Super Guitars" auftauchte. Zuerst zusammen mit dem US-Amerikaner Larry Coryell und dem Schotten John McLaughlin ins Leben gerufen, wurde es, nachdem statt Coryell Flinkfinger Al Di Meola zum Trio stieß, zum kommerziellen Großerfolg, der auch die Einspielung Friday Night in San Francisco erfasste (zwei Millionen verkaufte Exemplare).

Hier begab sich Paco de Lucía auf ein für ihn neues Feld. Zwar war Improvisation immer Teil seiner Künste. Dieses in den Jazz kippende Trioprojekt, so de Lucía, konfrontierte ihn jedoch mit Anforderungen des Spontanen, die es erst zu bewältigen galt.

Auch bei diesem schließlich in kühler Demonstration von Könnerschaft erstarrenden, mehrfach reaktivierten Trioprojekt bewahrte de Lucía indes jene typisch herbe Unmittelbarkeit seines energischen Spiels, bei der Virtuosität als eine Form von Intensität gedacht war.

Paco de Lucía - mit bürgerlichem Namen Francisco Sánchez Gómez - ist auf seinem Anwesen im mexikanischen Cancún 66-jährig gestorben. Er hatte, während er mit seinen Kindern am Strand spielte, einen Herzinfarkt erlitten. (Ljubiša Tošic, DER STANDARD, 27.2.2014)

  • Paco de Lucía bei einem Auftritt in Havanna, Oktober 2013.
    foto: epa/alejandro ernesto

    Paco de Lucía bei einem Auftritt in Havanna, Oktober 2013.

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