Typ-1-Diabetes: Mangel an Vitamin D frühzeitig supplementieren

26. Februar 2014, 07:48
2 Postings

Ein frühzeitiger Vitamin-D-Mangel könnte bereits ein Hinweis auf eine Immunreaktion sein - Experten empfehlen gezielten Ersatz

München - Niedrige Vitamin D-Spiegel sind ein häufiges Begleitphänomen bei Typ-1-Diabetes. Auch Kinder, die mehrere Autoantikörper gegen Inselzellen ohne manifeste Diabeteserkrankung zeigen (Prädiabetes, Anm.Red.), weisen erniedrigte Vitamin D-Werte im Blut auf. Einfluss auf den Verlauf der Erkrankung – vom Prädiabetes bis hin zum Diabetes – scheint dies allerdings nicht zu haben, berichten Wissenschaftler des Helmholtz Zentrums München und der Technischen Universität München in der Fachzeitschrift Diabetologia.

In den Sommermonaten

Vitamin D ist als wichtiger Regulator des Calcium-Haushalts und Knochenstoffwechsels bekannt. Darüber hinaus beeinflusst es auch das Immunsystem. Frühere Studien haben bereits gezeigt, dass bei Patienten mit neu diagnostiziertem Typ-1-Diabetes deutlich erniedrigte Vitamin D-Spiegel vorliegen. Die Wissenschaftler gingen nun der Frage nach, ob ein Vitamin D-Mangel bereits bei Vorstufen von Diabetes, definiert durch das Vorliegen mehrerer Diabetes-spezifischer Autoantikörper, auftritt und inwieweit die Krankheitsprogression dadurch beeinflusst wird.

Kinder, die noch keinen Diabetes hatten, jedoch mehrere Autoantikörper im Blut zeigten, hatten niedrigere Vitamin D-Spiegel als Kinder ohne Diabetes-spezifische Antikörper. Interessanterweise zeigten sich die Differenzen der Vitamin D-Werte insbesondere in den Sommermonaten. Dies ergab die Auswertung von Daten der klinischen Diabetesstudien BABYDIET, BABYDIAB, TEENDIAB sowie DIMELLI*. Die Forscher erhoben Messungen an 108 Kindern mit positivem Autoantikörperbefund gegenüber 406 Kindern ohne Autoantikörper. Ebenfalls erniedrigt war Vitamin D bei 244 Kindern, bei denen kürzlich ein Diabetes diagnostiziert wurde.

Unbeeinflusste Krankheitsprogression

Das Vorliegen mehrerer Autoantikörper wird als Vorstufe von Diabetes gewertet. Ob und wann die Erkrankung ausbricht, scheint aber nicht mit Vitamin D in Zusammenhang zu stehen. Innerhalb der Gruppe mit positiven Autoantikörpern entwickelte sich unterschiedlich schnell bei einigen Kindern ein Typ-1-Diabetes – jedoch unabhängig von deren Vitamin D-Spiegeln.

"Ein Vitamin D-Mangel geht der Erkrankung an Typ-1-Diabetes voraus. Möglichweise ist dies bereits eine Folge der Immunreaktion", sagt Anette-Gabriele Ziegler, von der Technischen Universität München. "Wir müssen daher bei Kindern mit Prädiabetes auf das Risiko für Vitamin D Mangel achten und über Empfehlungen nachdenken, Vitamin D frühzeitig zu supplementieren." (red, derStandard.at, 26.2.2014)

* Diabetes-Studien:

BABYDIET: Präventive Ernährungsstudie für Babys mit erhöhtem Diabetesrisiko.
BABYDIAB: Erforschung der Ursachen von Typ-1-Diabetes während der Kindheit.
TEENDIAB: Erforschung der Ursachen von Typ-1-Diabetes während der Pubertät.
DIMELLI: Diabetes Mellitus Incidence Cohort Registry, Studie zur Untersuchung von Häufigkeit und Charakteristika der Diabetestypen in Bayerm.

  • Artikelbild
    foto: apa/jens kalaene
Share if you care.