Pierre-Yves Rochon: "Wer duscht schon mit Brille?"

Interview4. März 2014, 14:48
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Vom Sacher in Wien bis zum George V in Paris. Pierre-Yves Rochon gestaltet die schicksten Herbergen - Ein Gespräch über fremde Betten, Bad-Armaturen und das Fladern von Aschenbechern

STANDARD: Welches ist das beste Hotel der Welt?

Pierre-Yves Rochon: Am liebsten ist mir das George V in Paris - wegen seiner Lage, des Service und der Architektur, nicht weil ich für die Neugestaltung verantwortlich war.

STANDARD: Sie leben in Paris, haben Sie trotzdem im George V übernachtet?

Rochon: Natürlich, ich bin ja der Designer des Hauses und muss doch herausfinden, was dort passt und was nicht.

STANDARD: Wann ist ein Hotelzimmer ein gutes Hotelzimmer?

Rochon: Es ist eine Frage der Kombination. Erst einmal geht es um Komfort, dann um den Platz und dann um das Bad. Wichtig sind natürlich auch das Licht, der Service, und was das Zimmer sonst noch zu bieten hat.

STANDARD: Viele Leute ärgern sich in Hotelzimmern über schlecht zu bedienende Fernseher, Armaturen oder anderes Gerät. Wieso sind manche Dinge so kompliziert gestaltet?

Rochon: Ich versuche, das zu vermeiden, und denke zum Beispiel auch an Brillenträger unter der Dusche. Wer nimmt schon die Brille mit zum Duschen? Aber auch ohne diese sollte man die Armaturen bedienen können. Ich glaube, manche Designer gestalten nicht für den Benützer, sondern für ihr Ego - oder für die Journalisten.

STANDARD: Was erwarten Sie von einer Minibar?

Rochon: Ich glaube nicht, dass es da hunderte Produkte braucht. Auch hier gilt Qualität und Einfachheit. Gutes Mineralwasser und Fruchtsaft sind wichtig.

STANDARD: Was ist Ihre schlimmste Erinnerung an ein Hotelzimmer?

Rochon: Da gibt es so viele. Ich werde Ihnen aber kein bestimmtes Hotel rauspicken. Das Ärgste ist, wenn man das Zimmer aufsperrt, und es riecht ungut.

STANDARD: Sie bezeichneten sich einmal als Design-Chirurgen. Wie meinen Sie das?

Rochon: In meinem Fall geht es in erster Linie um Renovierungen. Das heißt, ich muss schauen, was da ist, den Bestand aufnehmen und versuchen, etwas Besseres daraus zu machen. Nehmen wir ein Beispiel: Ein Hotel hatte früher eine Raumhöhe von 3,50 Metern. In den 1970er-Jahren war es Trend, eine neue Decke auf der Höhe von 2,50 Metern einzuziehen. Für mich ist es toll, was ich nach Freilegung solcher Volumen alles finden und Neues daraus machen kann.

STANDARD: Wie schafft man es, Hotelzimmer zu gestalten, die für so viele Geschmäcker wie möglich passen?

Rochon: Es gibt Gott sei Dank viele Arten von Hotels. Manche stehen auf den Stil von Philippe Starck. Stellen Sie sich vor, alle Frauen wären blond. Das wäre doch schrecklich. Es kommt eben auf die Persönlichkeit an. Nur was die Qualität betrifft, darf es keine Unterschiede geben.

STANDARD: Geben Sie dem Hotelpagen Trinkgeld?

Rochon: Ja, immer. Das ist eine Geste des Respekts. Außer in Japan, da macht man das nicht.

STANDARD: Sollte sich ein Gast in einem Hotel wie zu Hause fühlen, oder geht es um eine andere Herausforderung für Sie?

Rochon: Nein, nicht wie zu Hause, sondern heimelig. Das ist etwas anderes. Sein Aufenthalt soll ja auch eine neue Erfahrung sein, ein Erlebnis.

STANDARD: Was halten Sie von Organisationen wie Airbnb, bei denen man private Unterkünfte auf der ganzen Welt buchen kann? Das ist ein ziemlicher Trend.

Rochon: Das Airbnb kenn ich nicht. Dazu kann ich nichts sagen, da hab ich gar keine Erfahrungen.

STANDARD: Könnten Sie sich vorstellen, welche zu machen?

Rochon: Ich glaube nicht, dass ich Ihnen meine Wohnung geben würde. Sorry. Der Gedanke, dass jemand anderer in meinem Bett schläft, gefällt mir nicht. Ich mag das Hotel. Das Hotel ist ein wichtiger Aspekt des Lebens, es ist ein Kulturgut.

STANDARD: Welcher Hotelgast ist Ihnen der liebste?

Rochon: Jener, der das Hotel respektiert, der seine Schuhe nicht auf den Tisch legt und keinen Saustall hinterlässt.

STANDARD: Wie wichtig ist die Lobby eines Hotels?

Rochon: Sehr wichtig, es ist der Ort, an dem man alle Leute sieht und an dem man von allen gesehen wird.

STANDARD: Was halten Sie von Gästen, die einen Aschenbecher oder einen Bademantel als Souvenir mitgehen lassen?

Rochon: Das ist nicht mein Ding. Es kommt allerdings auch auf den Preis des Aschenbechers an. Aber entschuldigen kann ich das auf keinen Fall.
(Michael Hausenbals, Rondo, DER STANDARD, 28.2.2014)

  • Pierre-Yves Rochon in einer Suite im Hotel Sacher, die er gestaltet hat. Der 1946 geborene Dekorateur und Innenarchitekt ist mit seiner Firma PYR auf der ganzen Welt für die Gestaltung von Luxushotels bekannt, darunter das Monte Carlo Bay, das Shangri-La in Paris, das Grand Hotel du Cap-Ferrat oder das Savoy in London.
    foto: jürgen hammerschmied

    Pierre-Yves Rochon in einer Suite im Hotel Sacher, die er gestaltet hat. Der 1946 geborene Dekorateur und Innenarchitekt ist mit seiner Firma PYR auf der ganzen Welt für die Gestaltung von Luxushotels bekannt, darunter das Monte Carlo Bay, das Shangri-La in Paris, das Grand Hotel du Cap-Ferrat oder das Savoy in London.

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