Die Tage der Entscheidung

Blog25. Februar 2014, 19:46
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In der EBEL läuft die letzte Woche des Grunddurchgangs, ein Drittel der Teams verabschiedet sich am Sonntag in den Urlaub.

Nach der dreiwöchigen Olympiapause nahm die Erste Bank Eishockey Liga am Montag ihren Spielbetrieb wieder auf. Fortan wird das Eis im Zwei-Tages-Rhythmus bearbeitet, ehe der Grunddurchgang am kommenden Sonntag sein Ende findet und sich tags darauf die Teams auf den Tabellenpositionen eins bis drei ihren Gegner für die erste Play-Off-Runde aussuchen dürfen.

Der erste postolympische Spieltag schärfte die Konturen des sich bereits im Januar abzeichnenden Bildes in den beiden Gruppen der Zwischenrunde: Vorne dominiert Salzburg, dahinter sucht Wien noch zu sich selbst. In der Qualifikationsrunde eilt Székesfehérvár von einem Erfolg zum nächsten, während die Zahl der Strohhalme, an die sich Titelverteidiger KAC klammern kann, immer geringer wird.

Unproduktiver Hauptstadtklub

Gleich bei vier der jüngsten fünf Auftritte setzte es für die Vienna Capitals Niederlagen, der Vizemeister ist kurz vor dem Beginn der Play-Offs in eine Formkrise geschlittert. Aktueller Schwachpunkt des Teams von Tommy Samuelsson ist die Offensive, die ihre nominelle und in dieser Saison bereits mehrfach unter Beweis gestellte Durchschlagskraft vermissen lässt. In den sieben Spielen der Zwischenrunde gelangen den Wienern nur 1,86 Treffer pro Partie, was im ligaweiten Vergleich dem zweitschwächsten Wert aller zwölf Mannschaften entspricht. Speziell im Powerplay haben die Capitals völlig den Faden verloren: Keine der 27 Überzahlmöglichkeiten in der Platzierungsrunde konnte in einen Treffer umgemünzt werden, mehr als 52 Minuten bei numerischem Vorteil verstrichen ungenützt.

Bullen setzen sich ab

Tabellenführer Salzburg lies auf die lange Olympiapause am Montag eine Machtdemonstration in Form eines 5:1-Auswärtssieges in Wien folgen. Das gegen Ende der ersten Phase des Grunddurchgangs noch leicht schwankende Leistungsniveau stabilisierte sich, die Bullen dominieren aktuell ihre Gegner und stehen kurz davor, erstmals seit 2007 wieder als Erstplatzierter in die Play-Offs zu starten.

Ganz besonders manifestiert sich die Überlegenheit der Mannschaft von Don Jackson in Situationen bei gleicher Spieleranzahl am Eis: Nach sieben Zwischenrundenpartien, allesamt gegen die fünf Topklubs der Liga, steht bei Even Strength ein eindrucksvolles Torverhältnis von 18:5 zu Buche. Während vorne mittlerweile alle vier Linien kontinuierliche Gefahr für des Gegners Tor ausstrahlen, überzeugt hinten Goalie Luka Gračnar. Der 20jährige Slowene hält aktuell bei einer GAA von 1,97 und könnte am Ende der laufenden Woche zum ersten Torhüter seit Andrew Verner in der Saison 2004/05 avancieren, der den EBEL-Grunddurchgang mit einem Gegentorschnitt von weniger als 2,00 beendet.

Salzburgs dominierende Rolle in der Platzierungsrunde spiegelt sich in nahezu allen statistischen Kategorien wider. Mehrheitlich erringen die Bullen derzeit weitestgehend ungefährdete Start/Ziel-Siege, sie lagen nur in 6:06 der 245:00 in der Zwischenrunde gespielten Minuten in Rückstand.

Gute Einkäufer

Mehr Punkte als jedes andere Team sammelte in der Zwischenrunde bisher Székesfehérvár. Einem Blackout beim 2:8-Debakel gegen Olimpija Ljubljana stehen sechs Siege gegenüber, insgesamt wurden nur drei der 21 Spielabschnitte verloren. Just in der für den Verein wichtigsten Phase der Saison befindet sich die Mannschaft von Trainer Marty Raymond am Zenit ihrer Möglichkeiten, drei Punkte aus den verbleibenden drei Spielen würden im siebten Jahr der Ligazugehörigkeit zum erst dritten Mal den Einzug in die Play-Offs bedeuten.

Wesentlichster Erfolgsfaktor der Ungarn ist die gut durchdachte Personalpolitik. Bei der Besetzung der Legionärsplätze bewies man bereits im Sommer eine glückliche Hand, Schwachstellen wurden im Verlauf der Spielzeit durch Neuzugänge ausgemerzt. Der aus Graz geholte Verteidiger Andy Sertich (+8) führt aktuell die ligaweite Plus/Minus-Wertung der Zwischenrunde an, Bryan McGregor gibt in Vertretung des verletzten Ladislav Sikorčin einen starken Drittliniencenter. Wichtigstes Signing während der Saison war aus Sicht Székesfehérvárs jedoch zweifelsfrei Zoltán Hetényi. Der Torhüter spielte in zwei seiner letzten vier Spiele zu null, nachdem er zuvor in 103 EBEL-Einsätzen gänzlich ohne Shutout geblieben war. Mit ihm zwischen den Pfosten punktete Fehérvár in 17 von 24 Partien.

Elf Jahre später

Den zweiten Platz in der Qualifikationsrunde und damit den letzten, der zur Teilnahme an der KO-Phase berechtigt, belegt zu Beginn der Schlusswoche des Grunddurchgangs der Dornbirner EC. Die Bulldogs haben die Chance, als erste Vorarlberger Mannschaft seit 2003 die Play-Offs in der höchsten österreichischen Spielklasse zu erreichen.

Ebnen soll den Weg dorthin das in dieser Saison durchgehend starke Powerplay (ein Tor pro 6:45 Minuten Überzahl, Bestwert aller Teams). Am deutlichsten gesteigert hat sich Dave MacQueens Truppe in den letzten Wochen jedoch in der Defensive: Pro Zwischenrundenauftritt kassiert man im Schnitt 2,43 Gegentore und damit exakt eines weniger als noch in den ersten 44 Runden. Zudem scheint es um Dornbirns Moral sehr gut bestellt: Obwohl der DEC in fünf der sieben Spiele der Qualifikationsrunde nach dem ersten Abschnitt in Rückstand lag, konnte er bereits acht Punkte sammeln, von den Teams in der unteren Gruppe schaffte nur Fehérvár mehr.

Rekordmeister hängt in den Seilen

Auch nach der Olympiapause scheint sich die sportliche Talfahrt des aktuellen Meisters fortzusetzen: Am Montag unterlag der KAC zu Hause den Graz 99ers mit 3:4 und liegt damit bei noch drei ausstehenden Spielen bereits zwei Zähler hinter den Play-Off-Rängen. Die Verunsicherung in der Mannschaft scheint förmlich greifbar, gegen die Steirer kassierte man zwei Treffer bei numerischer Überlegenheit, sämtliche der letzten sechs Niederlagen erlitt Klagenfurt mit nur einem Tor Differenz. Als problematisch erweist sich speziell die Chancenauswertung: Pro Zwischenrundenspiel gaben die Rotjacken zwar im Schnitt um 7,1 Torschüsse mehr ab als ihre jeweiligen Gegner (Höchstwert aller zwölf Teams), dennoch stehen nur zwei Siege und fünf Punkte zu Buche.

Während der lokale Boulevard den KAC bereits im Urlaub wähnt, eröffnet der Polster von vier Bonuspunkten aus der ersten Phase des Grunddurchgangs dem Team noch eine letzte Chance: Siegt der Rekordmeister am Mittwoch in Székesfehérvár, katapultiert er sich angesichts seines Restprogramms (Ljubljana auswärts, Innsbruck zu Hause) umgehend zurück ins Rennen um ein Ticket für das Viertelfinale. Treten die Kärntner die Rückreise aus Ungarn jedoch ohne zwei Zähler im Gepäck an, ist der wohl spektakulärste Kollaps einer Meistermannschaft in der jüngeren Ligageschichte ein Faktum. (Hannes Biedermann; derStandard.at; 25.2.2014)

  • Artwork: alexgrimm.com
Backcheck: Auffälligkeiten, Anekdoten und Analysen aus der EBEL. Jeden Dienstag.

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