Gespräch zwischen Wort und Ton

25. Februar 2014, 19:05
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Thomas Quasthoff und Florian Boesch im Wiener Musikverein

Wien - Groß war das internationale Bedauern, als Bassbariton Thomas Quasthoff vor einer Weile, im Jahr 2012, verkündete, er würde zwar der Bühne erhalten bleiben, jedoch nicht mehr als Sänger. Mit Gesang sei Schluss.

Hört man Quasthoff im Brahmssaal des Musikvereins Gedichte von Heinrich Heine vortragen, hört, wie er die markanten Tiefen der Stimme sonor zum Einsatz bringt oder virtuos ins derbe Fach wechselt (Heines Brautnacht), so ist indes weiterhin zu bedauern, dass dieses ziemlich einzigartige Timbre nur noch dem Wort zur Verfügung stehen soll.

Man muss sich allerdings Thomas Quasthoff, der nun auch Theater spielt und mittlerweile kabarettistisch in Erscheinung tritt, als durchaus glücklichen, genauen Zuhörer vorstellen. Mitunter mit aufmerksam geschlossenen Augen lauscht er Kollege Florian Boesch, der mit Quasthoff einen "bunten" Abend voll thematischer Düsternis absolviert.

Viel ist da von Tod, Verzweiflung und Grab die Rede. Und wenn Boesch einzelne Wörter expressiv herausschleudert, ist er ganz aufblühender Sängerdarsteller des Dramatischen, der die Botschaft des Liedes zu seiner eigenen Befindlichkeit macht. Boesch, der versierte Opernsänger, begeht jedoch nicht den Fehler, Lieder zu plakativen Demonstrationen vokalen Vermögens zu formen oder zu verformen (gut Schuberts Ihr Bild). Er beherrscht den entschlackten, fragilen Tonfall, der beispielsweise bei Robert Schumanns Liederkreis op. 24 zu ganz schlichten, gerade dadurch jedoch wirkungsvollen Momenten führt.

Auch bei Franz Listzts Ein Fichtenbaum steht einsam oder Lorelei schweben die Linien ganz organisch und unaufgesetzt oder berücken in Momenten, da der intendierte Ausdruck ganz aus der vibratolosen Fahlheit eines Klanges herausmodelliert wird.

Justus Zeyen war dem Ganzen am Klavier ein profunder Begleiter. Einem Ganzen, dessen Dramaturgie dann auch nichts Künstliches an sich hatte. Hier der versierte Sänger Boesch, der zu dosieren weiß; dort der versierte ehemalige Sänger Quasthoff, der mit Texten umzugehen weiß.

Dass Letzterer nicht mehr singt, bleibt natürlich dennoch des Bedauerns wert. (Ljubisa Tosic, DER STANDARD, 26.2.2014)

  • Florian Boesch sang Liszt, Schumann und Schubert.
    foto: beck

    Florian Boesch sang Liszt, Schumann und Schubert.

  • Thomas Quasthoff las Texte von Heinrich Heine.
    foto: düren

    Thomas Quasthoff las Texte von Heinrich Heine.

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