Ceausescus Erbe: Bärenverbreitung durch die Luft

26. Februar 2014, 12:00
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Die Jagdleidenschaft des einstigen rumänischen Diktators zeigt bis heute Auswirkungen auf Braunbärenpopulationen

Frankfurt - Aus Westeuropa ist der Braunbär (Ursus arctos arctos) nach jahrhundertelanger Bejagung weitgehend verschwunden. Und wenn er aus einer Region erst einmal weg ist, scheint es nur wenig Akzeptanz zu geben, ihn zurückzuholen, wie Probleme mit Wiederansiedlungsmaßnahmen immer wieder zeigen. In Osteuropa hingegen ist der Braunbär in einigen Regionen durchgehend heimisch geblieben, etwa in Russland, in den Karpaten und auf dem Balkan.

Bei der Untersuchung solcher Populationen sind Forscher nun auf ein interessantes Detail mit zeitgeschichtlichen Aspekten gestoßen, wie das Senckenberg-Forschungsinstitut berichtet. Und zwar zeigten genetische Analysen, dass Braunbären in drei spezifischen Regionen des Balkangebirges und in den südbulgarischen Rhodopen Vorfahren aus den mehrere hundert Kilometer weiter nördlich gelegenen Karpaten haben. Dafür haben diese Tiere keine direkten Verwandten in benachbarten Regionen, wo es ebenfalls Bären gibt.

Luft-Wanderung wahrscheinlich

"Wir können zwar die Möglichkeit nicht gänzlich ausschließen, dass ein Wanderkorridor zwischen den Karpaten und der Balkanregion und somit eine natürliche Ausbreitung auf dieser langen Strecke möglich ist", sagt der Wildtiergenetiker Carsten Nowak. Allerdings findet er eine andere Erklärung wahrscheinlicher, für die es nur mündlich überlieferte Indizien gibt: Zu Zeiten des Warschauer Pakts gab es offenbar einen geheimen internationalen Bären-Transitverkehr via Luftweg.

Der Grund dafür soll in der Jagdleidenschaft der damaligen osteuropäischen Regierungschefs gelegen haben - und insbesondere der rumänische Diktator Nicolae Ceausescu soll sich dabei hervorgetan haben. Weit über 1.000 Bärenabschüsse gehen angeblich auf Ceausescus Konto. Die Bären wurden angeblich zu Jagdzwecken in Zuchtgehegen aufgepäppelt, um ausreichend Nachschub zu liefern.

Mehrfach sollen Karpatenbären zur Blutauffrischung der Bärenbestände in anderen Regionen von Militärflugzeugen nach Bulgarien gebracht und dort in eigens errichteten Stationen bis zur Aussetzung gehalten worden sein. Tatsächlich konnte die Existenz einer dieser Stationen im Rahmen der Studie belegt werden, wie die Forscher in der Zeitschrift "Conservation Genetics" berichten. Und diese Station liegt in einer Gegend, in der mehrere Bären mit genetischem Ursprung in den Karpaten gefunden wurden: Ein Indiz für die Richtigkeit der Hypothese. Schriftliche Dokumente, die diese bestätigen, konnten allerdings bis heute nicht gefunden werden. (red, derStandard.at, 26. 2. 2014)

  • Wichtigstes Indiz für einen geheimen osteuropäischen Bären-Transitverkehr zu Zeiten des Kalten Krieges: Das Kormisosh-Auswilderungsgehege in Bulgarien, wo auch heute noch Bären gehalten werden.
    foto: aleksandar dutsov, balkani wildlife society

    Wichtigstes Indiz für einen geheimen osteuropäischen Bären-Transitverkehr zu Zeiten des Kalten Krieges: Das Kormisosh-Auswilderungsgehege in Bulgarien, wo auch heute noch Bären gehalten werden.

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