Goophone: Handy-Piraten im Fahrwasser von Apple und Co.

9. März 2014, 17:55
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Das Unternehmen findet seit fünf Jahren Käufer mit aufwendigen Nachbauten von Spitzen-Smartphones

Wenn zwei Größen des Smartphone-Markts, Apple und Samsung, neue Spitzengeräte vorstellen, herrscht nicht nur bei Medien und Kunden hektisches Treiben. Bei einem in Hong Kong und Shenzhen angesiedelten Unternehmen läuft die Arbeit bereits an, sobald die ersten Gerüchte zum nächsten iPhone oder Galaxy S-Androiden durchsickern. Seit Jahren lebt Goophone erfolgreich davon, die Produkte der Platzhirsche nachzubauen.

Mehrmals hat das schwer kontaktierbare Unternehmen mit seinem Vorgehen bereits für Aufmerksamkeit gesorgt. Der bislang größte PR-Coup gelang jedoch im Sommer 2012. Man selbst hatte mehrere Wochen vor Apple das "Goophone i5" angekündigt und überlegte nach eigenen Angaben, Apple in China eine Klage wegen Geschmacksmusterverletzung umzuhängen.

Kaum unterscheidbar

Zu dieser kam es freilich nie und verfügbar wurde der iPhone 5-Nachbau ebenfalls erst nach dem Original. Im Test entpuppte sich das Gerät als detailgetreue Kopie des Apple-Flaggschiffs, die sich zumindest äußerlich von diesem kaum unterscheiden ließ.

Idente Größe, fast das gleiche Gewicht und sehr gute Verarbeitung nebst nachgebildetem Lightning-Anschluss dürften es wohl selbst Apple-Liebhabern auf den ersten Blick schwer machen, Original und Kopie auseinanderzuhalten – wäre da nicht das Bienenlogo nebst Aufschrift auf der Rückseite. Goophone ist nicht die einzige Firma, die Nachahmerprodukte herstellt, wohl aber eine der ambitioniertesten.

Beim Innenleben freilich trennten sich Spreu und Weizen. In Sachen Leistungsfähigkeit, Bildschirm und Kamera zog die Kopie klar den Kürzeren gegen das Original. Anstelle von iOS lief ein heftig umgebautes Android-System nebst einiger nachempfundener Standard-Apps auf dem Telefon.

Seit fünf Jahren im Geschäft

Auch das Goophone i5S und i5C, die sich wenig überraschend Apples jüngstes Smartphone als Vorbild nehmen, sind selbigen technisch unterlegen. Käufer scheinen sich trotzdem genug zu finden, denn Goophone ist seit nunmehr fünf Jahren im Geschäft und betreibt auch eine internationale Website. Dort, sowie über die Handelsplattformen Aliexpress und DHGate, werden die eigenen Geräte nebst passenden Accessoirs auch vertrieben. Freilich ist der Erwerb eines Goophones mit Risiken verbunden, denn in vielen Ländern werden Produktkopien bei Auffinden vom Zoll eingezogen. Der Import eines solchen Gerätes kann mitunter auch strafrechtlich relevant sein.

Video: Goophone i5S Hands-on

Galaxy S5-Klon ante portas

Auch das Goophone S5 ist bereits angekündigt und auch allerlei Tablets wurden bereits nachgebaut. Selbst eine 3G-Smartwatch und ein Fitnessband hat Goophone im Programm. Auch Geräte von HTC hat man in der Vergangenheit nachgebaut, im aktuellen Sortiment findet sich auch ein Klon vom Mi-3-Smartphone des aufstrebenden chinesischen Herstellers Xiaomi.

Standortvorteil

Als globale Smartphone-Marke, die mit hoher Qualität und Innovation glänzt, beschreibt sich die Firma in holpriger englischer Übersetzung auf ihrer Homepage. Ob Apple bereits versucht hat, gegen Goophone vorzugehen, ist nicht bekannt. Der Standort der Firma dürfte ihr hinsichtlich rechtlicher Verfolgung allerdings einen nicht zu unterschätzenden Vorteil verschaffen. (gpi, derStandard.at, 9.3.2014)

  • Goophones Kopien von iPhone und Co. können zwar in Sachen Hardware nicht mithalten, sind äußerlich aber kaum von den Originalen zu unterscheiden - das gilt auch für das Goophone i5S.
    foto: gizmochinatube

    Goophones Kopien von iPhone und Co. können zwar in Sachen Hardware nicht mithalten, sind äußerlich aber kaum von den Originalen zu unterscheiden - das gilt auch für das Goophone i5S.

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