Die Boten des Bösartigen

25. Februar 2014, 18:45
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Ana Soler-Cardona untersucht die chemischen Botenstoffe des Melanoms

Auch in der U-Bahn kann Ana Soler-Cardona ihren professionellen Blick kaum abschalten. Sie schaut - diskret, aber aufmerksam - auf die sichtbaren Muttermale anderer Fahrgäste. Diese verdienen alle Beachtung, denn wenn sich ein harmloser Pigmentfleck erst in ein bösartiges Melanom verwandelt hat, ist Eile geboten.

Melanome sind Tumoren, die aus Pigmentzellen (Melanozyten) entstehen. Die häufigste Form von Hautkrebs ist sehr ausbreitungsfreudig. Viele Patienten mit einem Melanom im Spätstadium sterben bereits ein halbes Jahr nach der Diagnose, weil sich Tumorzellen erfolgreich in die Lymphknoten einschleusen und so in der Lunge oder Leber Metastasen bilden.

Während ihres PhD-Studiums an der Med-Uni Wien erforschte die 31-jährige Spanierin, finanziert aus Drittmitteln, die Kommunikation des Melanoms mit der Tumorumgebung, genannt Stroma. Dabei gelang ihr die Identifikation eines Chemokins, eines chemischen Botenstoffs, der vermutlich bei der Ausbreitung eine wichtige Rolle spielt.

Das mit 20.000 Euro dotierte "For Women in Science"-Stipendium, das ihr im vergangenen Herbst von Wissenschaftsministerium, Unesco-Kommission, Österreichischer Akademie der Wissenschaften und L'Oréal verliehen wurde, investiert sie in weiteres Labormaterial und Experimente, um ihre Ergebnisse mit einer Publikation abzuschließen.

Der Krankheit "ins Gesicht sehen"

Ana Soler-Cardona hat sich auf die Haut spezialisiert, weil sie der Krankheit "ins Gesicht sehen will". Im Spital behandelt sie oft nur die Symptome, statt die Ursachen der Krankheit zu beheben. Auf dem langen Weg zu einer personalisierten Medizin will sie deshalb herausfinden, was außer Chemotherapie und Chirurgie getan werden kann. Als forschende Ärztin will sie eine Brücke zwischen Klinik und Labor bilden.

In ihrer Heimat sind Forschung und klinische Praxis recht strikt getrennt. Aus der Idee heraus, dass sich der Süden und der Norden Europas in vielen Dingen unterscheiden, wählte sie für ihren Erasmus-Aufenthalt 2008 Wien aus. Die Namen einiger AKH-Kollegen waren ihr bereits aus den Lehrbüchern ein Begriff. Nach ihrem Abschluss an der Universität Rovira i Virgili im katalonischen Tarragona bewarb sich Soler-Cardona 2010 für das PhD-Programm "Vascular Biology" der Med-Uni Wien.

Seit kurzem ist ihr Auskommen abseits ständig einzuwerbender Grants gesichert, da sie auf der Station für Dermatologie des Wiener AKH ihre Facharztausbildung begonnen hat. Sie schätzt die Kommunikation mit den Patienten - besonders, wenn sich jene mit starkem Dialekt ihr zu Liebe bemühen, Hochdeutsch zu sprechen. Nach Dienstschluss eilt sie dann in die Skin and Endothelium Division (SERD), um die Kommunikation von Melanomen mit ihrer Umgebung anhand von Gewebeproben von Mäusen und Menschen zu erforschen.

Geboren in Valencia, vermisst sie in Wien das Meer und die Musik. Also trainiert sie im Sommer an der alten Donau segeln und tanzt im Winter Flamenco. Einen gelungenen Urlaub verbringt sie auf hoher See vor Kroatien, Spanien oder Griechenland - hoffentlich bald mit ihrem eigenen Boot. (Astrid Kuffner, DER STANDARD, 26.2.2014)

  • Soler-Cardona baut Brücken zwischen Klinik und Labor.
    foto: privat

    Soler-Cardona baut Brücken zwischen Klinik und Labor.

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