Nordchina bleibt unter der Dunstglocke

Ansichtssache25. Februar 2014, 16:17
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Erste Klage eines Bürgers gegen die Regierung - schwarzer Homor im Internet

Peking - Die Menschen in Nordchina leiden weiter und der schwersten Luftverschmutzung seit Monaten: Der staatliche Wetterdienst hob die Alarmstufen für die betroffenen Regionen für weitere zwei Tage an. In Peking wurde die Produktion in 147 Industriebetrieben heruntergefahren oder ausgesetzt, meldete die Nachrichtenagentur Xinhua.

In der Industrieprovinz Hebei, die die Hauptstadt Peking umgibt, liegen einige der am schwersten vom Smog betroffenen Städte. Im September hatte die Provinzregierung noch die Schließung veralteter Stahl- und Zementfabriken sowie die Reduzierung des Kohleverbrauchs angekündigt.

Die chinesische Regierung ist indes auch erstmals wegen Versagens bei der Bekämpfung der Luftverschmutzung geklagt worden. Ein Bewohner der Hauptstadt der Provinz Hebei, Shijiazhuang, reichte die Klage bei einem Bezirksgericht ein, wie staatliche Medien am Dienstag berichteten. Darin werden die Behörden aufgefordert, ihre gesetzliche Pflicht zur Kontrolle der Luftreinhaltung zu erfüllen.

Zugleich fordere der Kläger Schadenersatz für die vom Smog betroffenen Bewohner. Ob das Gericht die Klage zulässt, blieb zunächst offen.

Schwarzer Humor im Netz

Bürger machen gleichzeitig auch im Internet ihrem Ärger über den Dauersmog Luft - mit schwarzem Humor.

Während sich Präsident Xi Jinping am Dienstag  für das Fernsehen ohne Mundschutz in den Straßen der chinesischen Hauptstadt zeigte, kursierten im Twitter-ähnlichen Kurzbotschaftendienst Sina Weibo Bilder von Statuen chinesischer Geistesgrößen wie Li Dazhao, Cai Yuanpei und Chen Daisun - allesamt mit Mundschutz. Das sei ein "stiller Protest", lautete ein Kommentar.

Unter den Denkmälern vor der Universität Peking zeigten die Bilder auch eine Statue des spanischen Dichters Miguel de Cervantes, ebenfalls mit Atemmaske. Xis Spaziergang im Smog im Szeneviertel Nanluoguxiang wurde dagegen im chinesischen Twitter-Dienst als PR-Gag des Präsidenten kritisiert: "Warum trägt er keine Atemmaske? Ist das nicht schlecht für seine Gesundheit?", spotteten Nutzer. (APA/frei, derStandard.at, 25.2.2014)

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