Britischer Geheimdienst: Wie man Hacker manipuliert

25. Februar 2014, 15:11
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Neue Snowden-Leaks zeigen PowerPoint-Präsentation des GHCQ, in der Agenten über Techniken des Rufmords, der Manipulation und der Täuschung unterrichtet werden

Wie man ein „Zielobjekt“ diskreditiert, a la britischem Geheimdienst GHCQ: Locke das Ziel mit Sex in eine Falle ("honey trap“). Ändere sein Profilbild in sozialen Netzwerken. Schreibe einen Blog, in dem du dich als Opfer des Zielobjekts ausgibst und schicke Emails oder SMS an seine Kollegen, Nachbarn und Freunde. Dann haben diese "Online-Aktionen auch Auswirkungen auf die reale und die Online-Welt".

Extreme Mittel gegen Hacktivisten

Diese Vorschläge liefert zumindest eine geleakte Präsentation des britischen GHCQ, in der Taktiken zur Bekämpfung von Hacktivisten ("Cyberterroristen“) vorgestellt werden. The Intercept hat die Dokumente nun öffentlich gemacht. Sie zeigen, mit welchen extremen Mitteln westliche Geheimdienste gegen Anynomous und andere Hacker-Konsortien vorgehen. Verantwortlich dafür ist die GHCQ-Spezieleinheit JTRIG, die bereits kürzlich aufgrund ihrer Attacken gegen Hacker in die Schlagzeilen geriet.

Verfolgung ohne Anklage

Besonders auffällig an den Folien ist, dass der GHCQ diese selbst mit "Pushing the Boundaris and Action Against Hacktivism" bezeichnet. Es werden also bewusst die Grenzen der legalen Strafverfolgung überschritten, da Individuen verfolgt werden, die offiziell nicht einmal eines Verbrechens angeklagt werden. Anonymous-Expertin Gabrielle Coleman von der McGill-Universität bestreitet, dass Aktionen von beispielsweise Anonymous als Terrorismus oder Gewalt eingestuft werden können. Für sie handelt es sich um politischen Protest via Internet, der in den meisten Ländern durch die Verfassung geschützt ist.

Schulung in Gruppenpsychologie

Weiters sollen unliebsame Hacktivist-Gruppen durch psychologische Mittel auseinandergebrochen werden. Ein weiteres Set an geleakten Folien zeigt, wie der GHCQ dabei vorging: Man müsse analysieren, wie eine Gruppe auseinanderzubringen sei – etwa durch persönliche Machtspiele innerhalb der Gruppe oder ideologische Differenzen. Diese seien dann auszunützen. Die Agenten des GHCQ erhielten eine tiefgehende Einschulung in gruppenpsychologischen Prozessen, zusätzlich wurden Konversationsanalysen betrieben, um etwa zu erlernen, wie durch Imitation des Kommunikationsverhaltens Vertrauen zu einem Gegenüber aufgebaut werden kann. (fsc, derStandard.at, 25.2.2014)

  • Die "Human Science Operation Cell" des GHCQ hält einen Vortrag
    foto: screenshot/the intercept

    Die "Human Science Operation Cell" des GHCQ hält einen Vortrag

  • Tipps zum erfolgreichen Diskreditieren von Zielobjekten und Unternehmen
    foto: screenshot/the intercept

    Tipps zum erfolgreichen Diskreditieren von Zielobjekten und Unternehmen

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