Schanghai kocht!

Blog25. Februar 2014, 17:52
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Rezepte, Kultur und Geschichten wurden bei Kocheinladungen in Schanghai geteilt

Nicht nur die Dichte der Restaurants, sondern auch die Häufigkeit der Kocheinladungen war in Schanghai beeindruckend. Denn tatsächlich konnte ich nicht alle Einladungen annehmen, aber immerhin wurde drei Mal aufgekocht und nicht nur Rezepte, sondern auch Kultur und persönliche Geschichten geteilt.

Liu Yi hat eine Kochrunde der speziellen Art für mich organisiert und dazu in die Wohnung einer Freundin eingeladen.

In einem Wohngebiet der chinesischen Mittelschicht traf ich auf fünf Frauen, die mir mit traditionellen Familienrezepten den Wandel Chinas der letzten 60 Jahre und ihre Lebensgeschichten erzählten.  Sechs Stunden lange wurde gekocht und dabei war von asiatischer Zurückhaltung nichts zu merken.

Mein österreichischer Beitrag war Brot, quasi der Reis der Österreicher.

 Begeistert  wurde meine Brotbackkunst beobachtet, kommuniziert und dokumentiert. Mehr zu den persönlichen Geschichten meiner Gastgeberinnen ist auf meinem Blog "Gib Bianca Futter!" zu finden.


Das Resultat der chinesisch-österreichischen Kochrunde.

Völlig spontan habe ich gleich am meinem ersten Tag in Schanghai eine private Einladung von Lisa und Christoph bekommen, zwei Wiener Architekturstudenten, die gerade an der Tongji-Universität ein Auslandsjahr absolvieren.  An so eine Spontanität und Unkompliziertheit überhaupt nicht mehr gewöhnt, wurden innerhalb von einem Tag chinesische Studienkollegen organisiert und am nächsten Tag groß aufgekocht.



Magenfeuer durch gebratenes Chili-Schweinefleisch, Krabben mit Reiskuchen, selbst gemachte dicke Weizennudeln mit Tomaten-Eier-Sauce, mit Schweinefleisch gefüllte Wantan und Cola-Hühnerflügel wurden gekocht.

Nachdem die Einkaufsliste einmal ausgedeutscht und zweisprachig geschrieben war, wurden am Markt gemeinsam (wie bereits berichtet) die notwendigen Zutaten gekauft.

Vorbereitung der Wantan-Fülle


Wantan-Manufaktur

Aufs chinesische Kochachterl wurde dann aber wegen des Preis-Leistungverhältnisses beim chinesischen Wein doch verzichtet und dafür verlässlich dünn schmeckendes chinesisches Bier getrunken.

Die Cola-Hühnerflügel wurden von Duan Feifei vorgeschlagen. Auch ich dachte, dass ich mich verhört habe, aber den Zweifeln wurde von chinesischer Kochseite keine Beachtung geschenkt und ich konnte mit etwas Überraschung feststellen, dass Cola mit Hühnerfleisch tatsächlich ganz gut harmoniert. Wem das Abknabbern des Geflügels nicht liegt, kann auch andere Hühnerteile dafür verwenden. Wer Cola nicht mag, kann es ersatzweise einfach mit etwas Honig oder Zucker probieren.

Hier das Rezept von Duan Feifei für Cola-Hühnerflügel (für 2 Personen)

12-14 Stück Hühnerflügel
½ weiße Zwiebel
3 cm Ingwer
100 ml Reiswein
250 ml Cola
8-10 EL Soja-Sauce
Sonnenblumenöl
eventuell auch 1 rote Chili

Zubereitung:

1. Jeden Flügel mit einem Messer drei Mal einschneiden und in einem Wok in heißem Fett kurz anbraten, bis die Haut auf jeder Seite goldbraun ist. Auf einen Teller zur Seite stellen.

2. Zwiebel und Ingwer schälen und fein hacken.

3. Im Wok mit etwas Öl Zwiebel und Ingwer anbraten und Soja-Sauce dazu geben und kurz mitkochen lassen.

4. Wok vom Ofen nehmen und Cola und Wein dazu geben. Hühnerflügel in die Marinade für 20 Minuten legen. Falls die Marinade die Hühnerflügel nicht bedeckt, etwas Wasser dazu geben.

5. Wok erhitzen und bei kleiner Temperatur und ohne Deckel für 20 Minuten köcheln lassen, damit sich die Sauce reduziert.

6. Gemeinsam mit Reis servieren. Mahlzeit!

 

Ähnlich spontan war meine dritte Kochverabredung mit Austin Hu, dem Eigentümer und Küchenchef des Restaurants Madison, der für die Verwendung von chinesischen Zutaten in der asiatisch inspirierten Fusion-Küche steht. Wir treffen uns, besprechen das Menü und in den nächsten 30 Minuten sind die frischen Zutaten dafür in der Restaurantküche zum Kochen bereit. So wünschte ich mir, würde es auch bei mir zu Hause sein.

In einer Restaurantküche in einem fremden Land zu sein, wo die einheimischen Köche kaum Englisch sprechen und man auf wohlwollende Gesten reduziert ist,  hat auch was und stellt wieder eine neue Erfahrung für mich dar. Zuerst noch etwas distanziert beäugt, kann ich nach kurzer Zeit schon von allen Töpfen kosten und auch meine Gerichte werden von der Küchenbrigade verkostet.

Ceviche, da waren Austin und ich uns einig, ist einfach und sensationell gut! Von der Küche im Madison ging es direkt auf den Flughafen und daher jetzt mal Schluss mit Schanghai und in Kürze hier mehr über Ceviche und meine nächste kulinarische Entdeckungsreise.

Ich möchte mich hier auch einmal bei allen wohlwollenden Personen und Beteiligten in Schanghai bedanken, die mich unterstützt, sich für mein Projekt Zeit genommen und Essen & Wissen mit mir geteilt haben! (Bianca Gusenbauer, derStandard.at, 25.02.2014)

Bianca Gusenbauer bloggt regelmäßig auf Gib Bianca Futter! und ist auf Facebook mit Fotoberichten zu finden.

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