Schalke erst gegen Real, dann mit Putin

25. Februar 2014, 20:35
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Schalke 04 hofft gegen Real Madrid in der Köngisklasse auf eine Überraschung. Derweil wünscht sich Wladimir Putin angeblich einen Besuch des Teams

Der FC Schalke 04 schaut der Herausforderung Real Madrid im Champions-League-Achtelfinale durchaus mit Zuversicht entgegen (Mittwoch, 20.45 Uhr). Beim Bundesliga-Vierten ist nach dem starken Rückrundenstart mit 13 von 15 möglichen Punkten das Selbstbewusstsein deutlich gestiegen - trotz des mageren 0:0 zuletzt gegen Mainz 05. Der oft kritisierte Trainer Jens Keller ist in seiner Position gestärkt und sagt, dass seine Mannschaft "sehr, sehr gut drauf" sei. Gegen Madrid verlangt er nun "auf jeder Position 100 Prozent, um ein kleines Wunder hinzubekommen".

Eine 0:4-Klatsche, wie sie vor einer Woche Bayer Leverkusen gegen Paris St. Germain erlebte, fürchtet auch der Schalker Mittelfeldstar Julian Draxler nicht: "Ich habe jetzt nicht mehr Angst, weil Leverkusen Seife bekommen hat. Wir sind nicht Leverkusen, wir sind Schalke."

Inwiefern Draxler den Schalkern im Hinspiel helfen kann, ist jedoch noch unklar. Gegen Mainz gab der deutsche Nationalspieler nach mehr als zweimonatiger Zwangspause (Muskelfaserriss) ein 25-minütiges Comeback - und offenbarte noch deutliche Defizite in allen Bereichen. "So lange wie möglich" will der 20-Jährige nun gegen den Rekord-Europapokalsieger spielen.

Umworbener Draxler

Davon habe er als Kind geträumt, verriet Draxler. Bei einem zukünftigen Aufeinandertreffen der Klubs könnte er aber auf der anderen Seite stehen. "Es ist genauso ein Kindheitstraum, für Real zu spielen", sagt der ambitionierte Youngster. Dank einer Ausstiegsklausel kann das Schalker Eigengewächs für ca. 45 Millionen Euro im Sommer fix wechseln, auch daher wird Draxler seit geraumer Zeit mit mehr oder weniger allen europäischen Top-Klubs in Verbindung gebracht.

Abseits dieses Dauerthemas steht in Gelsenkirchen derzeit die Frage im Vordergrund, wer gegen Real den frischgebackenen Weltfußballer Cristiano Ronaldo stoppen soll. Noch ist offen, wer sich um den teuersten Spieler der Welt, der in der laufenden Saison in 32 Pflichtspielen für Real 34 Tore erzielte, kümmern wird. Ob Kapitän Benedikt Höwedes nach seinem Muskelfaserriss rechtzeitig einsatzbereit sein wird, entscheidet sich kurzfristig. Tim Hoogland, der zuletzt den verletzten Rechtsverteidiger Atsuto Uchida vertrat, wirkte schon in der Bundesliga hin und wieder überfordert.

Fuchs im Abseits

Anstelle des Österreichers Christian Fuchs dürften auf der linken Außenbahn erneut die Youngsters Sead Kolasinac und Leon Goretzka zum Einsatz kommen. Von Beginn an hat der ÖFB-Teamkapitän, der immer wieder mit leichten Knieproblemen zu kämpfen hat, seit Ende Jänner nicht mehr gespielt.

Die Königlichen aus Madrid wollen derweil auf Schalke endlich ihren Deutschland-Komplex ablegen. Es ist eine schwarze Serie, die die erfolgsverwöhnten Madrilenen seit 1966 auf deutschem Boden verfolgt. Der bisher einzige Sieg bei einem Bundesliga-Team datiert vom 27. September 2000 (3:2 bei Bayer Leverkusen). Seitdem gab es in zehn Vergleichen acht Niederlagen, davon zuletzt sechs in Folge.

Besonders bitter und noch in schmerzhafter Erinnerung war das 1:4 im vergangenen Jahr im Halbfinale der Königsklasse bei Borussia Dortmund. An Schalke hat Real allerdings keine schlechten Erinnerungen - das Duell am Mittwoch ist die Premiere im Europacup.

Putins Wunsch

Trotzdem warnt auch Torwart-Ikone Iker Casillas vor einem erneuten bösen Erwachen in Deutschland. "Wir sind auf einem guten Weg, Aber Schalke ist gefährlich. Sie sind körperlich sehr robust und haben sich in der Liga stabilisiert. Außerdem haben sie in Klaas-Jan Huntelaar einen sehr gefährlichen Angreifer", sagt der 32-Jährige.

Sollten die Schalker den Aufstieg gegen Real überraschend schaffen, könnten sie womöglich im Kreml mit dem russischen Präsidenten auf das Weiterkommen anstoßen. "Ich bin mit Wladimir Putin im Gespräch. Er wünscht sich einen Besuch der Schalker Mannschaft", sagte der Schalker Ausichtsratsboss Clemens Tönnies der deutschen Sportzeitschrift "Sport-Bild". Trikotsponsor des Vereins ist der russische Konzern "Gazprom".

Wiedersehen in Istanbul

In Istanbul kommt es am Mittwochabend (20.45 Uhr) zu einem Wiedersehen zwischen dem Team von Chelsea London um Trainer José Mourinho und dem Ex-Stürmerstar der Engländer, Didier Drogba, der mittlerweile für Galatasaray seine Stiefel schnürt. Die Beziehung zwischen dem ivorischen Nationalspieler und dem portugiesischen Trainer ist eine besondere.

"Er ist einfach der allerbeste Trainer der Welt", schwärmt der bald 36 Jahre alte Drogba. "Wenn José mich zurück zu Chelsea holen will, würde ich darüber nachdenken. Es gibt in England nur einen Club, für den ich spielen würde." Gegen Chelsea droht ihm nun das Ausscheiden aus der Königsklasse. Drogba: "Chelsea ist zehnmal besser als Galatasaray. Aber auch wenn es nur ein Prozent Chance gibt, spiele ich, um zu gewinnen."

Mourinho hat schon angekündigt, keine Rücksicht auf persönliche Freundschaften zu nehmen. "Es ist schon komisch, gegen Didier zu spielen. Doch während des Matches sind wir keine Freunde", sagt der 51-jährige und fordert unmissverständlich: "Wir müssen ihn stoppen." (sid, APA, jw, 25.2.2014)

Achtelfinal-Paarungen am Mittwoch:

Schalke 04 - Real Madrid
Galatasaray - Chelsea

(Rückspiele am 18. März)

  • Zuletzt wieder oben auf - Schalke-Trainer Jens Keller und Stürmer Klaas-Jan Huntelaar.
    foto: reuters/orlowski

    Zuletzt wieder oben auf - Schalke-Trainer Jens Keller und Stürmer Klaas-Jan Huntelaar.

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