Zahnspangen: Sozialversicherung mit Verhandlungen beauftragt

25. Februar 2014, 12:46
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ASVG-Novelle im Ministerrat beschlossen

Wien - Der Ministerrat hat am Dienstag eine ASVG-Novelle beschlossen, mit der die Gratis-Zahnspange für Kinder und Jugendliche bis zum 18. Lebensjahr umgesetzt werden soll. Die Sozialversicherung wird aufgefordert, mit der Zahnärztekammer Verhandlungen aufzunehmen, um die Details und eine zeitgerechte Umsetzung zu klären.

Gegenüber den ursprünglichen Ankündigungen haben sich in dem Beschluss keine wesentlichen Veränderungen mehr ergeben. Die Kostenübernahme durch die Krankenkassen soll ab Juli 2015 erfolgen. Voraussetzung ist die medizinische Notwendigkeit, die Entscheidung darüber trifft der Zahnarzt anhand international definierter Richtwerte. Die Kosten belaufen sich auf 20 Millionen Euro im Jahr 2015 und ab 2016 80 Millionen Euro jährlich, sie werden aus dem Budget finanziert.

Ungefähr ein Drittel der Kinder jedes Jahrgangs brauchen laut Berechnung des Gesundheitsministeriums aufgrund der medizinischen Notwendigkeit eine Zahnspange (für die Dauer von durchschnittlich drei Jahren). Das macht österreichweit etwa 85.300 Zahnspangen pro Jahr. Auf die Bundesländer verteilt sich diese Zahl folgendermaßen: Burgenland: 2.400, Kärnten: 5.200, Niederösterreich: 15.500, Oberösterreich: 15.000, Salzburg: 5.700, Steiermark: 11.300, Tirol: 7.600, Vorarlberg: 4.400, Wien: 18.200.

Gesundheit und Chancengleichheit

Im Ministerratsvortrag von Gesundheitsminister Alois Stöger (SPÖ) heißt es dazu, neben der finanziellen Entlastung von Familien soll damit "die Gesundheit und damit auch die Chancengerechtigkeit der Kinder und Jugendlichen gestärkt werden". Zahn- und Kieferfehlstellungen seien ein gesundheitliches Risiko, welches zu "einer Vielzahl an gesundheitlichen Beeinträchtigungen führen kann. Darüber hinaus können Fehlstellungen des Gebisses gerade für junge Menschen zu sozialer Ausgrenzung und nachhaltigen Benachteiligungen im privaten sowie beruflichen Umfeld führen, was sich wiederum insbesondere auf die psychische Gesundheit auswirken kann. Wenn Kinder und Jugendliche mit teils gravierenden Fehlstellungen in Folge der finanziellen Möglichkeiten ihrer Eltern erst gar keiner Behandlung zugeführt werden, entstehen somit weitere Folgekosten."

Stöger erklärte dazu, mit der Einführung der Gratis-Zahnspange "schaffen wir soziale Stigmatisierung ab und investieren nachhaltig in die Gesundheit unserer Kinder." Er habe immer gesagt, "dass ich am Gebiss eines Kindes nicht das Einkommen seiner Eltern ablesen will." Auch ÖAAB-Obfrau Johanna Mikl-Leitner lobte die Gratis-Zahnspange als "weiteren Schritt für den Ausbau der Leistungen im Sozial- und Gesundheitsbereich". (APA, 25.2.2014)

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