USA: Pentagon und NSA wollten Cyberattacke auf Syrien

25. Februar 2014, 12:09
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US-Präsident Barack Obama lehnte Cyberangriff nach einigem Zögern ab, Bericht entfacht Debatte über digitale Kriegsführung

Schon im Frühjahr 2011 sollen das US-Verteidigungsministerium und der militärische Geheimdienst NSA gemeinsam eine Cyberattacke auf syrische Einrichtungen geplant haben. Die Pläne haben sich bereits in einem fortgeschrittenen Stadium befunden und sollten unter anderem auf Navigationssysteme der syrischen Luftwaffe und das Stromnetz abzielen.

Angst vor Präzedenzfall

Nach einigem Zögern soll US-Präsident Barack Obama die Angriffe allerdings abgelehnt haben. Er möchte offenbar einen Präzedenzfall vermeiden. Wie die New York Times analysiert, sei der Einsatz von Cyberattacken analog zur Einführung der Luftwaffe im Ersten Weltkrieg zu sehen: Eine neue Gattung, deren Folgen schwer abschätzbar sind.

NSA hauptverantwortlich für Cyberwarfare

So konnte man innerhalb der US-Regierung nicht abschätzen, ob US-Cyberattacken auf Syrien Gegenschläge auf eigene Einrichtungen, etwa auch von iranischer oder russischer Seite, provozieren würden. Bisher galten Informationen zu Kapazitäten und Möglichkeiten der Cyberkriegsführung als streng geheim, die Vorbereitungen fallen größtenteils in die Hände der NSA. Laut einer anonymen Quelle in der New York Times sei eine endgültige Entscheidung für oder gegen einen Cyberangriff in Syrien allerdings noch nicht gefallen.

Budget konstant erhöht

Diese böten, so Analysten, relative Sicherheit für die Zivilbevölkerung. Ebenso sind eigene Verluste ausgeschlossen. Jason Healey, Direktor der "Cyber Statecraft Initiative", meint etwa, dass man zeigen müsse, dass Cyberoperationen keine böse Hexerei, sondern eine humanitäre Intervention sein können. Auch die US-Regierung scheint auf cybermilitärische Einrichtungen zu setzen: Der Bereich ist eine der wenigen Abteilungen, deren Budget in den letzten Jahren konstant erhöht wurde.

Stuxnet

Freilich würde es sich bei Syrien nicht um den ersten Einsatz von Cyberangriffen handeln: So ist bekannt, dass die USA wiederholt Cyberattacken gegen das iranische Atomprogramm durchgeführt haben. Die unter dem Namen "Olympic Games" durchgeführte Aktion wurde allerdings öffentlich, als sich der von der NSA programmierte Stuxnet-Wurm durch einen Fehler auch außerhalb des Intranets der iranischen Nuklearanlagen verbreitete. "Olympic Games" ist die letzte bekannte Cybermission der USA, in Libyen ergab sich keine Gelegenheit, da die Streitkräfte unter dem damaligen Führer Muammar Gaddafi auf prä-Internet-Technologie setzten.

Syrian Electronic Army

Syrien sind Cyberattacken freilich selbst nicht fremd: So soll die syrische Regierung eine "spear phising"-Operation durchgeführt haben: Emails mit Bildern und Videos von "Kriegsverbrechen" sollen verschickt worden sein, beim Öffnen dieser Dateien wurde ein Wurm freigesetzt, der so "Unterstützer der Rebellen" identifizieren sollte. Auch die "Syrian Electronic Army", die laut amerikanischen Regierungskreisen eigentlich aus dem Iran agieren soll, ist letztes Jahr durch mehrere Cyberattacken aufgefallen, diese waren allerdings aus technischer Perspektive eher einfacher Natur. (fsc, derStandard.at, 25.2.2014)

  • Das NSA-Datencenter nahe Salt Lake City, Utah. Der militärische Geheimdienst ist hauptverantwortlich für Cyberkriegsführung
    foto: ap/rick bowmer

    Das NSA-Datencenter nahe Salt Lake City, Utah. Der militärische Geheimdienst ist hauptverantwortlich für Cyberkriegsführung

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