Wiener Diabetologe: Diabetes-Management-Programm bringt wenig

25. Februar 2014, 11:13
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Die Beteiligung der Diabetiker liege bei nicht einmal zehn Prozent - Es sei kaum ein Unterschied zu herkömmlicher Versorgung nachzuweisen und zu viel Bürokratie im Spiel

In Österreich gibt es zwischen 573.000 und 645.000 Diabetiker. Seit 2006 sollen möglichst viele von ihren Hausärzten in einem strukturierten Disease-Management-Programm (DMP) der Krankenversicherung betreut werden. Doch das bringt laut dem Wiener Diabetologen Peter Fasching wenige bis kaum nachweisbare Vorteile.

"Acht bis neun Prozent der Österreicher sind Diabetiker. Manifest ist das bei sechs Prozent der Bevölkerung, zwei bis drei Prozent sind nicht diagnostiziert", sagte Fasching vom Wiener Wilhelminenspital bei der Fortbildungstagung der Österreichischen Apothekerkammer, die in Schladming in der Steiermark bis 28. Februar stattfindet.

Wenig erfolgreich

Um die medizinische Versorgung der Zuckerkranken zu intensivieren und eine bessere Schulung der Betroffenen sowie regelmäßige Kontrollen zu gewährleisten, wurde von der Sozialversicherung via Krankenkassen im Jahr 2006 ein Disease-Management-Programm mit einem vorgegebenen Rahmen etabliert. Diabetiker können auf freiwilliger Basis mitmachen. Die Ärzte bekommen für den Aufwand ein eigenes Honorar.

Bisher sei die Sache allerdings wenig erfolgreich. Der Diabetologe: "Es sind nur 30.000 bis 40.000 Patienten 'eingeschrieben'. In Niederösterreich hat die Ärztekammer die Beteiligung gekündigt." Die Beteiligung der Diabetiker liegt damit bei nicht einmal zehn Prozent. In zwei Bundesländern werde weiter verhandelt. Das Hauptproblem seien Aufwand und Bürokratie sowie das Fehlen einer guten EDV-Lösung. Weiters gebe zu wenige Schulungszentren und keine Regelungen über die Aufgabenverteilung zwischen Fachärzten, Ambulanzen und Krankenhäusern.

In Salzburg sollte in einer großen Studie mit 92 Hausärzten und 1.489 Patienten (649 bei Ärzten in dem Programm, 840 ohne Teilnahme von Patienten und Ärzten an dem Programm) untersucht werden, ob die Initiative für die Patienten etwas bringt. Das Ergebnis war mager: Nach einem Beobachtungszeitraum von 401 Tagen hatten die DMP-Patienten nur eine sehr wenig bessere Blutzuckereinstellung. So war der sogenannte HbA1c-Wert als Labormaßstab für die mittelfristige Blutzuckerkontrolle um 0,13 Prozent gesunken.

Systembedingte Mängel bei der Diabetikerversorgung

Fasching: "Nach zwei Jahren hatten die DMP-Patienten einen HbA1c-Wert von 6,8 Prozent, die Vergleichsgruppe einen von 6,9 Prozent." Beide Werte bedeuten eine recht gute Blutzuckereinstellung. Der Unterschied war nicht signifikant. Verbessert hatte sich allerdings die Dokumentation der teilnehmenden Ärzte bezüglich der Patienten und eben die Regelmäßigkeit von Kontrolluntersuchungen. Freilich, an der Studie beteiligten sich offenbar die sowieso engagierteren Patienten und Ärzte. Der Experte: "In der Kirche sitzen vor allem die Braven."

Die strukturellen Mängel der Diabetikerversorgung in Österreich sind laut Fasching systembedingt: "Es darf alles nichts kosten. Geiz ist geil. Wissen ist Null. Wir dürfen uns das nicht mehr gefallen lassen." So würden auch wichtige und sichere moderne Diabetesmedikamente praktisch von den Krankenkassen nicht bezahlt.

Auch in internationalen Studien wurde bisher - so Fasching - mit solchen Programmen bestenfalls ein moderater Effekt erzielt. Die Diabetologie hat trotzdem Erfolge zu verbuchen. Fasching: "In den letzten Jahrzehnten ist es zu einer Reduktion der Herz-Kreislauf- und der Gesamtmortalität um 50 Prozent gekommen. Wir sehen in Österreich auch einen signifikanten Rückgang der Dialysebedürftigkeit (chronisches Nierenversagen als Spätkomplikation des Diabetes, Anm.)." (APA/red, 25.2.2014)

  • Die Beteiligung der Diabetiker am Disease-Management-Programm liegt bei nicht einmal zehn Prozent.
    foto: apa/dpa/jens kalaene

    Die Beteiligung der Diabetiker am Disease-Management-Programm liegt bei nicht einmal zehn Prozent.

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