Erstangeklagter bekennt sich schuldig

25. Februar 2014, 10:59
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Angeklagt ist ein ehemaliger Marketingchef, er soll sich mit Scheinrechnungen bereichert haben

Wien - Im heute, Dienstag, gestarteten Untreuprozess um eine Scheinrechnung in Höhe von 585.600 Euro für die Abfertigung eines ehemaligen Telekom-Austria-Marketingleiters hat sich der erstangeklagte Ex-Marketingchef schuldig bekannt, eine Abfertigung ohne Gegenleistung erhalten zu haben. "Ich bin schuldig im Sinne, dass die Abfertigung so nicht in Ordnung war. Das tut mir sehr leid, das war ein großer moralischer Fehler", so der Beschuldigte zu Richter Michael Tolstiuk im Wiener Straflandesgericht im sogenannten "Telekom-II-Prozess".

Zuvor hatte sein Verteidiger Michael Rohregger betont, dass der Telekom kein Schaden entstanden sei - denn durch die Auszahlung der Abfertigung an den Marketingleiter habe das Unternehmen bestehenden und künftigen Mitarbeitern mitgeteilt, dass man bei der Telekom fair behandelt wird. Die Verteidiger der drei weiteren Angeklagten, über die die Scheinrechnungen abgewickelt wurden, merkten an, dass im angeklagten Jahr 2007 viele Mitarbeiter gekündigt wurden - eine fast 600.000 Euro schwere Abfertigung an einen Manager wäre in der Öffentlichkeit nicht so gut angekommen.

Arbeitsplatz verloren

Der Erstangeklagte hatte vor seinem Wechsel zur Telekom einen Top-Job in der Consultingbranche. Bei seinem Wechsel in die Telekom wurde vertraglich vereinbart, dass er bei einem Ausscheiden aus der Telekom innerhalb der ersten beiden Jahre eine Abfertigung von 600.000 Euro erhält. Im Jahr 2007, als der Vertrag aufgelöst wurde, war dieser Zweijahreszeitraum schon lange vorbei. Der Beschuldigte hatte nach seinem Telekom-Job einen Vorstandsposten bei einem internationalen IT-Konzern- im Zuge der Ermittlungen gegen ihn ging dieser Arbeitsplatz verloren, mittlerweile ist der Ex-Manager arbeitslos.

Der Vater von vier Kindern hat nach Bekanntwerden der Ermittlungen gegen ihn die knapp 600.000 Euro Abfertigung zurückgezahlt. Bei den Mitangeklagten, über die die Auszahlung der Abfertigung mittels Scheinrechnungen abgewickelt wurde, entschuldigte er sich. Diese hätten von der Aktion keinen Vorteil gehabt, laut Verteidiger Rohregger waren sie nur ein "Durchlaufposten". Der Prozess ist bis Ende der Woche anberaumt, nächste Woche geht es mit dem Telekom V-Prozess rund um einen umstrittenen Immobilienkauf am Schillerplatz in Wien weiter. Dieses Verfahren wurde unterbrochen um ein weiteres Gutachten einzuholen. (APA, 25.2.2014)

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