Fensterlos im Überschallflug

25. Februar 2014, 12:37
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Mit einem Überschalljet soll es Passagieren in Zukunft möglich sein, in der Hälfte der herkömmlichen Zeit um die Welt zu reisen

Im Juli 2000 begann das Ende für den zivilen Überschallflug. Damals stürzte eine Concorde der Air France ab, Ursache war ein Fremdkörper auf der Startbahn. Das Unglück kostete 113 Menschen das Leben und beendete eine Ära, die im Jahr 1976 mit dem Start kommerzieller Flüge der Concorde begonnen hatte.

Seither hat der Überschallflug aber keineswegs an Faszination verloren. Das Unternehmen Spike Aerospace aus Boston verspricht, dass bald alle mit Überschallgeschwindigkeit um die Welt fliegen können. Möglich werden soll das dank eines Privatjets, dem Spike S-512 Supersonic Jet.

Laut dem Unternehmen soll der Jet Flugstrecken in der Hälfte der Zeit, die gewöhnliche moderne Maschinen benötigen, schaffen. So könne man in Zukunft in drei bis vier Stunden von New York nach London fliegen anstatt in sechs bis sieben Stunden. Die Verbindung Los Angeles - Tokio sei mit dem Jet in nur acht Stunden zu schaffen anstatt der 14 bis 16 Stunden, die ein herkömmliches Flugzeug für die Strecke braucht.

Herkömmliche Flugzeuge sind mit einer Geschwindigkeit von Mach 0,85 unterwegs (ca. 567 mph oder rund 900 kmh), der Spike S-512 hingegen schafft Mach 1,6 bis Mach 1,8 (ca. 1.060 bis 1.200 mph oder rund 1.700 bis 1.900 kmh).

Geplant ist der Jet in erster Linie für Geschäftsreisende, die dadurch Zeit einsparen können. Aber in weiterer Folge soll der Überschalljet für jedermann verfügbar sein und dadurch das Reisen grundlegend verändern.

Spike Aerospace träumt von Menschen, die zum Frühstück nach Paris fliegen, für einen Wochenendspaziergang Neuseeland besuchen oder eine Nacht in Rio verbringen.

Das alles ist jedoch noch Zukunftsmusik, denn der Jet befindet sich noch in der Entwicklungsphase. Der Preis für eines der superschnellen Fluggeräte liegt vorerst bei rund 80 Millionen US-Dollar, aber das kann sich noch ändern. Genauso wie die Spezifikationen des Jets. 12 bis 18 Passagiere sollen nach ersten Plänen an Bord Platz haben.

Panoramablick oder digitale Fototapete

Noch eine Besonderheit soll der Jet aufweisen: den Verzicht auf Fenster. Die Passagierkabine soll ohne Ausblick funktionieren. Statt dessen sollen Kameras, die rund um den Jet angebracht sind, Bilder von der Umgebung liefern. Von "atemberaubenden Panoramen" ist die Rede. Wer von der virtuellen Aussicht genug hat, kann die Displays dimmen - oder eine beliebige, digitale Fototapete auf die Kabinenwand zaubern. 

Der Vorteil liege laut Spike Aerospace darin, dass keine lästigen Sonnenstrahlen die Passagiere stören und niemand mehr den Sonnenschutz auf- oder zumachen müsse. Aber auch das Fluggerät würde durch den Verzicht auf Fenster sicherer werden, da der Jet dadurch eine glatte Oberfläche bekommt. Das habe einen positiven Einfluss auf den Luftwiderstand des Flugzeugs. Zudem könne durch den Wegfall der Fenster Gewicht eingespart werden. 

Bestellen kann man den Überschallflieger noch nicht, aber wer Interesse hat, kann zumindest per E-Mail Kontakt aufnehmen. Bis etwa 2018 müssen sich potientielle Käufer noch gedulden, ehe der Jet auf den Markt kommen soll. Im Moment jedoch sucht das Unternehmen noch Investoren für die kommenden Entwicklungsphasen. (todt, derStandard.at, 25.2.2014)

Der Spike S-512 als Animation

 

Die Concorde war zwischen 1976 und 2000 mit Überschallgeschwindigkeit unterwegs.

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