Mark Zuckerberg: "WhatsApp ist mehr wert als 19 Milliarden Dollar"

24. Februar 2014, 19:50
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Der Facebook-Gründer arbeitet mit Internet.org weiter an der globalen Vernetzung

Der erste Stargast des diesjährigen Mobile World Congress ist Facebook-Gründer und CEO Mark Zuckerberg. Am Montagabend stellte er sich den Fragen des IT-Journalisten und Techonomy-Gründers David Kirkpatrick und des Publikums. Dabei sprach er nicht nur über den milliardenschweren Zukauf des Messengerdienstes WhatsApp, sondern über seine Vision der vernetzten Welt.

70 Prozent verwenden WhatsApp täglich

Dass WhatsApp im Einkaufskorb des weltgrößten sozialen Netzwerks gelandet ist, ist freilich kein Zufall. Viele Beobachter sind sich einig, dass Facebook damit unter anderem sinkender Popularität bei jüngeren Nutzern entgegenwirken könnte.

"WhatsApp ist die einnehmendste App, die wir je auf mobilen Plattformen gesehen haben", erklärt Zuckerberg. Rund 70 Prozent aller User verwenden sie täglich – und das bei einer Nutzerbasis von fast einer halben Milliarde Menschen. WhatsApp sei auf gutem Wege, bald von einer Milliarde Menschen verwendet zu werden.

"Mehr wert als 19 Milliarden"

"Ich habe mit Jan [Anm.: WhatsApp-Gründer Jan Koum] darüber gesprochen, wie es wäre, alle Menschen auf der Welt miteinander zu verbinden. Wir teilen dieses Ziel, was auch die Grundlage für diesen Deal war", so der Facebook-Chef weiter.

Google soll angeblich sogar mehr als die 19 Milliarden Dollar geboten haben, die Facebook letztlich vor allem in Form von Wertpapieren und Optionen hinlegt. Dies dürfte Zuckerberg nicht wundern. "WhatsApp ist mehr Wert als 19 Milliarden", sagt er.

Facebook will WhatsApp-Nachrichten nicht auswerten

Bedenken bezüglich WhatsApp und einer etwaigen Nutzung von Nachrichteninhalten durch Facebook für Werbeeinschaltungen  räumt Zuckerberg aus. Der Messengerdienst soll komplett eigenständig weiter operieren und seinen bisherigen Kurs, auch hinsichtlich seines Geschäftsmodells, beibehalten. Facebook würde im Wesentlichen Ressourcen und Know-how liefern.

Dazu funktioniere WhatsApp auch technisch anders als Facebook. Nachrichten und Bilder werden laut Zuckerberg unmittelbar nach dem Versand von den Servern gelöscht. Und das habe man auch nicht vor zu ändern.

Internetverbindung für 80 Prozent aller Menschen möglich

WhatsApp ist offenbar einer der Bausteine, die der aus mehreren namhaften Unternehmen bestehenden Firmen-Koalition Internet.org helfen soll, möglichst schnell möglichst viele Menschen ins Web zu bringen. Fünf Milliarden Smartphones gibt es weltweit, was laut Zuckerberg oft die falsche Annahme erweckt, dass die Vernetzung immer schneller voranschreite. Derzeit sind aber seinen Angaben zufolge 2,7 Milliarden Menschen "online" und ihre Zahl wachse nur langsam.

Dabei seien 80 Prozent der Weltbevölkerung bereits in Gebieten, in denen es bereits 2G- oder 3G-Empfang gibt. Ballone oder Ähnliches brauche man nur für die letzten paar Prozent in sehr entlegenen Gebieten, so Zuckerberg in einer Anspielung auf Googles Project Loon.

Interessensfrage

Neben den Angeboten fehle aber oft auch das Interesse. "Wer nicht mit dem Internet aufgewachsen ist, weiß oft nicht, warum er einen Teil seines Gehalts in einen Datentarif stecken soll", erläutert der Entrepreneur. "Ich glaube wirklich, dass das für Menschen eine gute Sache ist", sagt unter Verweis auf die Informationsvielfalt im Web.

Kostenlose Basisdienste als Einstieg

Der Plan von Facebook und seinen Partnern sieht daher so aus: Mobilfunker verkaufen günstige Mobilgeräte und ermögliche und ermöglichen sehr günstige oder kostenlose Basisdienste. Dies könnte etwa ein textbasierter Zugang zu Suchmaschinen, Messaging, wichtigen lokalen Informationen wie Nahrungsmittelpreisen  oder auch Facebook sein.

Diese sollen als "Portal" fungieren, um die User andere Inhalte entdecken zu lassen, die sie interessieren und einen kostenpflichtigen Internetzugang mit mehr Bandbreite schmackhaft machen. Die Provider gewinnen also im Gegenzug für ihre Investition neue Kunden und Facebook (potenzielle) Nutzer.

Im einzelnen Ländern testet Facebook dieses Konzept bereits mit Partnern, etwa Paraguay oder den Philippinen. Die ersten Ergebnisse seien sehr vielversprechend, die Internetnutzung im Allgemeinen und auf täglicher Basis nehme stark zu.

Ausweitung

Die Initiative möchte nun in drei bis fünf weiteren Ländern mit neuen Telekom-Partnern Langzeitversuche über zumindest ein Jahr unternehmen und dabei ein universales Konzept erarbeiten. Mit diesem möchte man schließlich mit einer wesentlich breiteren Anzahl an Carriern weltweit durchstarten und binnen zehn Jahren mehrere Milliarden Menschen vernetzen.

Facebook sucht Businessplan

Für Facebook gibt es dabei laut Zuckerberg noch keinen Businessplan, was auch daran liegt, dass es in vielen Gegenden keinen relevanten Online-Werbemarkt gibt. Trotzdem würde der Vorstand von Facebook mitspielen, man hoffe, ein Geschäftsmodell würde sich im Laufe der Zeit schon ergeben. Man sei optimistisch, wisse aber auch, dass das Unterfangen auf absehbare Zeit noch viel Geld verschlingen würde.

Technischer Fortschritt als Eckpfeiler

Auch auf technischer Seite wird daran gearbeitet, die Vision greifbarer zu machen. Zu den Partnern aus dem Netzwerkbereich gehört unter anderem Ericsson. Das Unternehmen betreibt seit Kurzem ein Testlabor am Facebook-Campus, wo man sich speziell damit beschäftigt, den Datenverbrauch von Nutzern auf Facebook zu simulieren und herunter zu schrauben.

2013 verursachte nach Angabe von Zuckerberg jeder Facebook-Nutzer im Schnitt einen Datenverkehr von 13 Megabyte pro Tag. An anderer Stelle arbeiten die Mitglieder von Internet.org auch daran, die Kosten für Infrastruktur-Hardware zu senken.

NSA-Affäre: "Die Regierung hat es versemmelt"

Globale Vernetzung sei angesichts der NSA-Affäre allerdings auch ein heikles Thema, so Moderator Kirkpatrick. "Die NSA ist ein echtes Problem für amerikanische Internetfirmen", erklärte Zuckerberg dazu. Menschen müssen Vertrauen haben, wenn sie einen Dienst zum Teilen privater Inhalte verwenden möchten.

Die US-IT-Branche sieht er in dieser Frage weitestgehend geeint. Man arbeite aufgrund des extremen Ausmaßes der NSA-Maßnahmen so gut zusammen, wie noch nie. Kritik übt er dafür an der amerikanischen Politik. "Die Regierung hat es versemmelt", so Zuckerberg. "Sie sollte die Leute schützen und war überhaupt nicht transparent damit, was sie tut." Erst durch den Druck der IT-Branche bewege sie sich langsam in eine Richtung, die sie von Beginn an hätte einschlagen sollen. (Georg Pichler, derStandard.at, 24.02.2014)

  • Der Facebook-CEO arbeitet an der Vernetzung der Welt - ein Geschäftsmodell dafür hat Facebook derzeit aber noch nicht.
    foto: screenshot/mobileworldcongress.com

    Der Facebook-CEO arbeitet an der Vernetzung der Welt - ein Geschäftsmodell dafür hat Facebook derzeit aber noch nicht.

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