US-Regisseur Harold Ramis gestorben

24. Februar 2014, 19:17
69 Postings

Ghostbuster und Murmeltiere: Der Wegbereiter der neuen US-Komödie starb an einer Immunkrankheit

Chicago/Wien – "Warum Harold Ramis' Filme 25 Jahre lang witzig blieben." – So lautete der Untertitel von Tad Friends Würdigung des Komödienschöpfers vor zehn Jahren im New Yorker. Zur Erinnerung: Es geht um jenen Mann, dem wir so unverwüstliche Klassiker wie Groundhog Day /...und täglich grüßt das Murmeltier verdanken. Judd Apatow, Jay Roach, die Farrelly-Brüder – alle verehrten ihn.

Friend lieferte mehrere Antworten für Ramis' komisches Langzeitwirken. Er habe sich etwa nie lang mit Kamerafragen herumgeschlagen. Sein Blick sei auf die Performance der Komiker gerichtet, die er einmal mit psychisch Kranken verglichen hat, die er aus seiner Zeit in einer Klinik kannte.

Wichtiger aber ist, wie der 1944 in Chicago geborene Sohn jüdischer Kaufleute die US-Filmkomödie veränderte: Er habe dieser, so Friend, den Geist der 1960er-Jahre eingeflößt. Schon in seinem Hollywood-Regiedebüt Caddyshack (1980) kann man sich davon ein Bild machen. Ein vornehmer Country-Club mit Golfrasen wandelt sich zum Spielplatz endloser Gagserien. Nicht alle zünden, was wurst ist. Ramis betritt diesen Ort republikanischen Snobismus wie ein Berserker. Er will, ein Nachfahre der Marx-Brothers, anarchisch Krawall schlagen: Ein grauhaariger Vertreter des alten Geldes wird wiederholt von einem Neureichen (Rodney Dangerfield) gegängelt, der einen Bierzapfhahn und ein Radio in der Schlägertasche eingebaut hat.

Eine derart rigorose Umkehrung von kulturellen Hierarchien war neu, und es verwundert nicht, dass einer der größten Fans des Films Adam Sandler ist, der ihn 300 Mal gesehen haben will. Für Ramis war es nicht der erste erfolgreiche Wechsel in ein neues Fach; in den 1970er-Jahren wirkte er als Witze-Redakteur beim Playboy sowie als Autor und Darsteller bei der Revue-Show von National Lampoon, wo er mit John Belushi und Bill Murray zusammentraf, die zu wichtigen "partner in crime" wurden.

Mit Belushi arbeitete Ramis an National Lampoon's Animal House, der Mutter aller College-Komödien, die ein Riesenerfolg wurde. Er war einer der Ko-Autoren, die prokrastinierenden Figuren des Films, erzählte er einmal im Interview, betrachte er nicht als Verlierer: "Sie mögen im traditionellen Sinne kaum etwas erreichen – sie sind vielleicht sogar dumm –, doch wir sahen in ihnen Helden der Gegenkultur."

Gemeinsam mit Dan Aykroyd und Ivan Reitman entwickelte Ramis drei weitere solcher Typen, die immerhin eine Geschäftsidee vorzuweisen hatten: Parapsychologen, die Geister jagen. Ghostbusters war 1984 eine der ersten mit Special-Effects gerüsteten Komödien der Blockbuster-Ära, die durch die eingeschworene Truppe eine persönliche, hübsch verschrobene Note behielt. Ramis spielte neben Aykroyd und Murray auch eine der Hauptrollen.

Mit dem schon erwähnten Groundhog Day sicherte sich Ramis schließlich einen Eintrag in ewigen Bestenlisten. Sein Langzeitkompagnon Bill Murray verkörpert einen Wetterberichterstatter, der in der Kleinstadt Punxsutawney immer wieder denselben Tag durchleidet. In keinem anderen Film von Ramis tritt der verkehrt herum laufende humanistische Motor seiner Arbeiten stärker hervor: Der Weg der Läuterung ist mit Pointen gepflastert.

Mit Analyze This/Reine Nervensache gelang Ramis später noch ein respektabler Erfolg, ein weiteres  Ghostbuster-Sequel wurde zuletzt mehrmals verschoben. Am Montag ist Harold Ramis im Alter von 69 Jahren an einer Autoimmunarkrankung gestorben. Er habe seinen Job auf diesem Planeten gut erfüllt, würdigte ihn Murray. (Dominik Kamalzadeh, DER STANDARD, 26.2.2014)

  • Harold Ramis wurde vor allem als "Ghostbuster" berühmt.
    foto: epa/prommer

    Harold Ramis wurde vor allem als "Ghostbuster" berühmt.

  • Ramis als "Ghostbuster" (dritter von links).
    foto: ap

    Ramis als "Ghostbuster" (dritter von links).

Share if you care.