ORF zahlte "Konsulenten" 2012 vier Millionen Euro im Jahr

24. Februar 2014, 22:21
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Prüfer empfehlen Mindestvorgaben und Kontrollen für Beraterverträge - Im Stiftungsrat von "287" Konsulenten die Rede - Update: ORF: 98 Berater und 46 Konsulenten

Wien - Ö1 hat noch keinen neuen Chef, aber einen altbekannten Berater: Peter Diem (76), bis 1998 Chef der ORF-Medienforschung, half mit seinem Knowhow mit Onlinebefragungen, um Ö1-Clubmitglieder zu fragen, wie ihnen die Musik auf ihrem Sender gefällt.

Diem ist nicht nur Vater der ORF-Medienforschung und Wappenkundler, er bemüht sich auch um "unvergängliche Melodien": Auf seiner Webseite sammelt er Operette, Walzer, Volkslied als "Versuch einer Ehrenrettung der klassischen österreichischen Unterhaltungsmusik".

Die Onlinestudie über Ö1 liegt bereits im Funkhaus: Die Clubmitglieder sind offenbar hoch zufrieden mit ihrem Programm.

ORF-Prüfer nahmen Konsulenten unter die Lupe

Expertise von außen beschäftigte zuletzt ganz generell die Kommission von Wirtschaftsprüfern, beauftragt von der Medienbehörde. Diese Prüfungskommission bekam 2013 unter anderen Feldern den Auftrag, die Konsulenten des ORF zu begutachten.

Sie fand heraus, dass Konsulentenverträge des ORF nicht immer aufeinander abgestimmt wären. Auf einem Vertrag fehlte eine Unterschrift. Anderen die nötige Zustimmung des ORF-Generals. Die Leistungen einzelner Konsulenten waren den Prüfern zu wenig dokumentiert. Sie empfahlen geeignete Kontrollen, und Mindestvorgaben etwa für Leistungen.

ORF: 98 Berater und 46 Konsulenten

An die 290 Menschen, die den ORF beraten, haben die Wirtschaftsprüfer im Jahr 2012 nach Infos aus dem ORF-Stiftungsrat ausfindig gemacht. In Sitzungen des Stiftungsrats Ende des vergangenen Jahres war nach diesen Informationen unter Berufung auf den Prüfbericht von "287 Konsulenten" die Rede. In der Sitzung wurden sie als im wesentlichen Honorarempfänger definiert. Gemeinsam erhielten sie laut diesen Informationen vier Millionen Euro im Jahr. Pro Kopf macht das bei 287 im Schnitt fast 14.000 Euro und Jahr. - Vom Gesamtaufwand des ORF nach dessen Berechnungen 0,4 Prozent.

Nach ORF-Angaben vom Mittwoch hat der ORF insgesamt 98 Berater und 46 Konsulenten. Unter Berater fallen hier etwa Anwälte, Steuerberater, Firmen. Konsulenten sind Einzelpersonen - etwa auch Ariane Rhomberg, die für den modischen Auftritt der ORF-Moderatoren sorgt. Deren Leistungsnachweis ist täglich auf dem Schirm zu beobachten. Oder auch "Große Chance"-Vocalcoach Monika Ballwein.

Unter die großen Beratungsaufträge fällt etwa die Organisationsplanung vor dem Umbau des ORF-Zentrums auf dem Küniglberg mit trimedialem Newsroom. Auf den Standort haben sich General Alexander Wrabetz und Finanzdirektor Richard Grasl nun nach neun Jahren Debatte festgelegt. Zentralbetriebsratschef Gerhard Moser hat weiter Bedenken gegen den gemeinsamen Newsroom für TV, Radio, Online und den Abschied aus dem Funkhaus. Geplant hat ihn Berater Bert Müller, der die neue RTL-Zentrale in Köln organisierte.

Zu den höher dotierten Beratern des ORF dürfte der ehemalige Kommunikationschef Pius Strobl gehören. Er berät den ORF etwa bei Kommunikation und Abwicklung zum Tausch abertausenden Satelliten-Smart-Cards.

Eine neue, Ende 2013 angekündigte Großaktion des ORF koordiniert er als Projektleiter für den Küniglberg. "Mutter Erde braucht Dich", eine "Bewusstseins- und Spendenkampagne" mit Umweltorganisationen von Greenpeace über Naturfreunde bis WWF. Exklusiver "Medienpartner" (zum Unmut anderer Boulevardblätter) ist die Krone, die laut Strobl Inseratenflächen zur Verfügung stellt.

Zu den fast 300 Verträgen zählen etwa auch Leistungen für Quotenforschung mit den Privatsendern und die Abgeltung der Prüfungskommission.

Ö1-Chef gesucht

Bei Ö1 ist Berater Diem fertig. Diese Woche soll die Ausschreibung für den künftigen Ö1-Chef abgenommen werden. Mit 1. März geht - wie seit November bekannt - Bettina Roither. Favoriten: Ö1-Literaturchef Peter Klein, Radio-Administrationschefin Ulrike Wüstenhagen, im Funkhaus wird auch über ORF-Strukturplaner Werner Herics spekuliert. (fid, DER STANDARD, 25.2.2014, online ergänzt)

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