Edelmetall für die Wissenschaft gesucht

Kommentar der anderen24. Februar 2014, 18:19
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Eine Kulturnation wie Österreich darf sich nicht nur von Sportlern Medaillen erwarten. Auch Forscher und Wissenschafter müssen internationale Stockerlplätze erkämpfen - und ausreichend Mittel für die dafür nötigen Trainingseinheiten erhalten

Jung und Alt blickten in den vergangenen Wochen nach Sotschi und applaudierten unse- ren Spitzenathleten. Zu Recht. Talent, hartes Training und viel Entbehrung sind nötig, will man sich mit den Besten der Welt messen. Drei wesentliche Dinge sind es, die Erfolge möglich machen: hohe Kompetenz, gute Kooperation im Team und internationaler Wettbewerb - das ist der Stoff, aus dem die Träume sind.

Und wenn Träume wahr werden, dann füllen sich die Gazetten (und mitunter auch die Kassen). Die Bevölkerung kennt nur eine Blickrichtung: jene zur Spitze. Punkt. Ein Ozean rot-weiß-roter Fahnen wogt durch das Land und der Stolz auf unser Österreich befördert unseren aufrechten Gang.

Ein Staat wie Österreich, der Zukunft mutig auf seine rot-weiß-roten Fahnen schreibt, ist gut beraten, seiner Jugend nicht nur die Chance auf sportliche Höchstleistungen, sondern ebenso jene zur bestmöglichen Bildung zu bieten. Alles andere wäre für eine Kulturnation kontraproduktiv - für ihre Gesellschaft, ihre Wirtschaft und ihre Zukunft überhaupt. Sozialökonomische Gründe sollten niemals zu unüberwindbaren Hindernissen für ein Studium und eine anschließende berufliche Karriere werden, so wie auch die soziale Herkunft kein Hemmschuh für sportliche Erfolge ist.

Aber mit Bildung allein findet noch keine zukünftige Entwicklung statt. Dazu braucht es auch Forschung. Bildung und Forschung sind es, die Hand in Hand gehend für die gedeihliche Weiterentwicklung unseres Landes und seiner Gesellschaft unentbehrlich sind. Neben dem Hochleistungssport, dem Reichtum an Kunst und Kultur, dem Reiz der Landschaft, der Attraktivität des Landes in sozialer und medizinischer Hinsicht. Neben beachtenswerten Erfolgen der heimischen Wirtschaft sind es nun einmal Bildung und Forschung, die uns internationale Reputation verschaffen. Bildung und Forschung sind auch essenziell für eine gute Entwicklung von Industrie und Wirtschaft, die wiederum die finanziellen Voraussetzung für Bildung und Forschung darstellen.

Wissenschaft und Wirtschaft bedingen demnach einander und bilden so eine Art Schicksalsgemeinschaft. Fördern wir daher diese Begegnung von Wissenschaft und Wirtschaft inmitten einer tragfähigen Brücke, die auf den stabilen Fundamenten von Kooperation und Vertrauen ruht.

Ohne Grundlagen geht nichts

Aber machen wir nicht den Fehler, uns von rein ökonomisch getriebenen Überlegungen leiten zu lassen. Machen wir uns bewusst, dass Ausbildung ein stabiles und wertneutrales Fundament der Bildung braucht, wie auch die angewandte Forschung ohne eine hinreichend stabile Plattform der Grundlagenforschung auf Sand gebaut ist.

Wertneutrale Bildung und zweckfremde Grundlagenforschung brauchen auch budgetären Mut, zumal wirtschaftliche Umsetzungserfolge oft einen langen Atem braucht. So wie eine Expedition bedeutet Grundlagenforschung die Erkundung von Neuland und ist daher mit Risiko verbunden. Wer riskiert, kann bekanntlich verlieren, wer jedoch nicht riskiert, hat bereits verloren. Ökonomische Denkmuster mit Risikominimierung sind im Falle der Grundlagenforschung daher fehl am Platz und der allzu oft vernommene Ruf nach dem "Return on Investment" ebenso.

Wertneutrale mit wertloser Bildung und zweckfremde mit zweckloser Grundlagenforschung gleichzusetzen ist ein schwerer Fehler, der einer Kulturnation nicht passieren darf, auch wenn ein allzu enges budgetäres Korsett zu dieser interpretativen Vereinfachung verführen mag.

Interpretative Schieflagen dieser Art von Anbeginn hintanzuhalten und für die Wahrung einer guten Balance zu sorgen von Bildung/Ausbildung und Grundlagenforschung / angewandter Forschung sollte neben der budgetären Sicherstellung das vordringliche Ziel des neuen Bundesministeriums für Wissenschaft, Forschung und Wirtschaft sein. Diese Übung kann und muss gelingen, denn ein Misslingen hätte für die Wissenschaft wie auch für die Wirtschaft schlimme Folgen. Budgetäre Einschnitte im Bereich von Bildung, Wissenschaft und Forschung sind jedenfalls Schüsse, die sicher nach hinten losgehen.

Minister Reinhold Mitterlehner wäre daher gut beraten, den kritischen Stimmen den Wind aus den Segeln zu nehmen und dem Motto "jetzt erst recht" folgend sich besonders engagiert für Bildung und Forschung in unserem Land einzusetzen und das zu tun, was man von einem Wirtschaftsminister kaum erwarten würde, nämlich gerade der Grundlagenforschung einen besonders hohen Stellenwert beizumessen. Dies ist zu hoffen, denn auch Karlheinz Töchterles Erben sollte bewusst sein, dass wir bald nichts mehr anzuwenden haben, wenn uns die Grundlagen abhandenkommen.

Doch gerade wegen der Olympischen Spiele in Russland bietet sich eine den Minister unterstützende Erkenntnis Maxim Gorkis an: "Man muss nicht in der Bratpfanne gelegen haben, um über ein Schnitzel schreiben zu können." (Anton Sadjak, Hans Sünkel, DER STANDARD, 25.2.2014)

Anton Sadjak ist Vorstand des Instituts für Pathophysiologie und Immunologie an der Med-Uni Graz. Er war Vorsitzender des Senats ebendort sowie Sprecher der Konferenz der österreichischen Senatsvorsitzenden.

Hans Sünkel ist Professor für Geodäsie in Graz. Er war Rektor der Technischen Universität Graz (von 2003 bis 2011) und Vorsitzender der Österreichischen Universitätenkonferenz (von 2010 bis 2011).

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