Aus für Ziffernnoten: Fünf nicht genügend

Kommentar24. Februar 2014, 17:56
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Wer Individualisierung der Schule ernst nimmt - und es gibt keine Alternative dazu -, der/die muss die anachronistische 1-bis-5-Benotungsmethode aussortieren

Es ist eine Lotterie, in die Kinder hineingeworfen werden: wenn sie von der ersten Klasse an in das starre, grobschlächtige Fünf-Ziffernnoten-Schema gepresst werden, das fortan zum wichtigsten Leitsystem durch das Schulsystem stilisiert wird. Noch dazu verschärft durch das Nadelöhr nach der vierten Klasse, das quasi über Sein oder Nichtsein entscheidet. Klingt drastisch, in Ballungszentren gilt diese Schnittstelle, die über Gymnasium oder Haupt- beziehungsweise Neue Mittelschule entscheidet, aber tatsächlich vielen als alles entscheidende Zäsur. Ein Zweier - und du bist raus! Durch diesen Notenterror gerät die Volksschule für viele zu einem familiären Ausnahmezustand, der alles überlagert. Die Abschaffung der Ziffernnoten zugunsten individualisierter, differenzierter Lernprofile für jedes Kind würde da viel von dem destruktiven Druck herausnehmen, zumal eine Ziffer auch gar nichts aussagt über Gelerntes, Gekonntes oder Nachzuholendes.

Wer Individualisierung der Schule ernst nimmt - und es gibt keine Alternative dazu -, der/die muss die anachronistische 1-bis-5-Benotungsmethode aussortieren. Diese fünf Kategorien sind als Lernerfolgskriterien ungefähr so treffsicher wie die zwölf Tierkreiszeichen zur Charakterisierung der gesamten Menschheit. Es geht darum, dass kein Volksschulkind mehr beim ersten Zweier verzweifelt sagen muss: "Ich glaub, ich bin zu blöd für die Schule."

Es sind die Noten, die zu blöd sind für die Schule. (Lisa Nimmervoll, DER STANDARD, 25.2.2014)

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