Ausstellung: Kulturtechnik Kopieren

24. Februar 2014, 17:48
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"Copie non conforme" diskutiert Fragen zum Original und verweist auf die alltägliche künstlerische Praxis des Kopierens

Wien – "Copie conforme" kann man im Deutschen mit "beglaubigte Kopie" übersetzen. Ein Begriff, der fast so absurd sei wie jener der "Originalkopie", sagt Künstlerin und Kuratorin Amina Handke im Standard-Gespräch. Schon allein in den Begrifflichkeiten offenbare sich das Dilemma, das die Frage nach Original und Kopie noch immer aufwirft - trotz Walter Benjamins Kunstwerks im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit (1936). Und trotz aller postmoderner Diskurse über Zitat und Kopie.

Nonkonform wäre im Umkehrschluss jene Kopie, auf die man sich nicht einigen kann, jene, die verändert, hinzufügt oder erweitert. Das Infragestellen funktioniere nur, indem auf Vorlagen und Originale, auf getroffene Aussagen verwiesen würde, so Handke. In der Ausstellung Copie non conforme verweist sie auf diese ganz alltägliche künstlerische Praxis. Es geht um die Kulturtechnik des Kopierens.

Denn das autonome Genie, es existiert nicht, das erklärte bereits Goethe: "Originalität, allein was will das sagen! So wie wir geboren werden, fängt die Welt an, auf uns zu wirken, und das geht so fort bis ans Ende. (...) Was können wir denn unser Eigenes nennen als die Energie, die Kraft, das Wollen!"

Die Urheberrechtsdiskussion werde stark auf einer ideologischen Ebene geführt, so Handke. Für die Sackgasse der Good-and- bad-copies-Diskussion hält sie daher Exkurse zur kulturellen Praxis bereit: Den ausgesuchten Beispielen ist zwar allein aufgrund ihrer Medialität – Film, Fotografie – die Frage der Kopie eingeschrieben, aber man entfernt sich dabei weit von Formalfragen.

Besonders überzeugend gelingt Handke dies in der eigenen Arbeit. Sie wählte das Rollenspiel als Form des "Kopierens". Ausgangspunkt war die Ohnmacht gegenüber jener Armut, mit der uns Bettler und Bettlerinnen alltäglich konfrontieren: "Ganz oft hörte ich von Leuten, sie könnten erkennen, wer tatsächlich arm ist." Sie bat daher neun Personen – manche davon Performer, manche Bettler –, eine um Almosen bittende Person darzustellen. Die Vorlage zur Inszenierung, eine mehrkanalige Videoinstallation, stammt von Kutlug Atamans. In Beggar zwang er dazu, dem Bedürftigen in die Augen zu blicken.

Interessant auch Anja Krautgasser, die mit Roma-Jugendlichen das Remake eines Banden-Mafia-Films von Michele Placido reinszenierte und damit Zwiespalt erzeugte: Denn einerseits genossen die Teens Aufmerksamkeit, andererseits zwang man sie in Klischeerollen. – Insgesamt eine holprig umgesetzte Idee. (Anne Katrin Feßler, DER STANDARD, 25.2.2014)

Bis 15. 3.

  • Die Arbeit von Peer Sievers aus der Serie "fashion factory fiction" (2013) ist Teil der Ausstellung "copie non conforme".
    foto: sievers

    Die Arbeit von Peer Sievers aus der Serie "fashion factory fiction" (2013) ist Teil der Ausstellung "copie non conforme".

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