Empörung im Geldwaschsalon

24. Februar 2014, 17:20
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Anna Iarotska war die einzige Frau, die mit Moderator Peter Pelinka über den Umbruch in der Ukraine diskutierte

"Österreich hat ein "glänzendes System für die Bekämpfung von Geldwäsche" und ein "musterhaftes" Innenministerium. Schöne Komplimente gab es da in der Sendung "Im Zentrum" Sonntagabend auf ORF 2. Von wem? Vom ukrainischen Botschafter in Wien, Andrii Bereznyi, dem zuvor eine Mitbürgerin vorgeworfen hatte, selbst mit Oligarchen befreundet zu sein, die Millionen in Österreich parken.

Anna Iarotska war die einzige Frau, die mit Moderator Peter Pelinka über den Umbruch in der Ukraine diskutierte. Sie lebt in Österreich und war an Kundgebungen der Ukrainer in Wien beteiligt. Als einziger weiblicher Gast des Abends sorgte sie auch dafür, dass es sich einige Herren nicht zu bequem machen konnten. Botschafter Bereznyi, der die "unangemessene Gewalt" des Expräsidenten Wiktor Janukowitsch tadelte, hielt sie vor, dass sich dieser bei keiner Mahnwache vor seiner Botschaft sehen ließ. Aber gut, schon am Tag nach der Sendung wurde der Chef der Regierung, die Bereznyi gerade noch vertrat, per internationalem Haftbefehl gesucht. Da muss man flexibel sein. Oder, wie Exvizekanzler Erhard Busek die Situation des Diplomaten launig umriss: "Regierungen wechseln. Kein einfaches Leben, das anerkenne ich."

Iarotska aber war zornig. Auch darüber, dass 80 Menschen sterben mussten, bevor die EU Sanktionen beschloss. Michael Linhart, Generalsekretär des Außenministeriums, betonte ruhig: "Die Empörung teilen wir natürlich." Da bohrte ­Iarotska nach: "Werden die Konten eingefroren?" Linhart: "An der Liste wird gearbeitet." Das könnte wohl dauern. Was der Abend jedenfalls zeigte: "Quotenfrauen" stellen oft die wirklich wichtigen Fragen. (Colette M. Schmidt, DER STANDARD, 25.2.2014)

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