Alte Männer, Weltuntergänge und die Ukraine

24. Februar 2014, 18:02
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Zwischen Odessa, Wien und Graz: Marjana Gaponenko und Cordula Simon stellen in Innsbruck ihre neuen Romane vor

Innsbruck - Heute Abend sind im Literaturhaus am Inn zwei junge Autorinnen zu Gast, deren Lebenswege zwischen Odessa und Wien changieren. Die Schriftstellerin Marjana Gaponenko wurde 1981 in Odessa geboren, studierte ebendort Germanistik und lebt heute in Mainz und in Wien. Seit ihrem sechzehnten Lebensjahr schreibt sie in deutscher Sprache. Vergangenes Jahr wurde ihr vielbeachteter zweiter Roman, Wer ist Martha? (Suhrkamp), mit dem Adelbert-von-Chamisso-Preis und dem Literaturpreis Alpha ausgezeichnet.

Um Martha geht es in diesem Roman aber eigentlich gar nicht, sondern um den honorigen 96-jährigen Ornithologen Luka Lewadski, der in Kiew lebt und beunruhigende Nachrichten über seinen Gesundheitszustand von seinem Arzt erhält. Im Schock über seinen nun wohl bevorstehenden Tod kotzt der emeritierte Professor gleich seine sündhaft teure, wiewohl unpraktische Zahnprothese aus. Doch ans Sterben in einem Krankenhaus denkt er nicht. Angetrieben von Kindheitserinnerungen setzt er sich in einen Flieger nach Wien, mietet sich im noblen Hotel Imperial ein, um die verbleibende Zeit mit dem Verzehr von Schokoladentorten, Konzertbesuchen im Musikverein und mit tiefschürfenden wie auch banalen Gesprächen mit einem Butler und einem Altersgenossen an der Hotelbar zu verbringen.

Die 1986 in Graz geborene Cordula Simon hingegen lebt und schreibt in Odessa. In ihrem Roman Ostrov Mogila (Picus) geht es um nichts Geringeres als den Weltuntergang und um ein kleines ukrainisches Dorf, das davon verschont bleibt. In 24 miteinander verwobenen Episoden vollzieht sich die Apokalypse, die von allerhand Getier und Fabelwesen bevölkert wird. Seinen Ausgang nimmt der Schrecken scheinbar in Odessa, wann immer Marina Sex hat, bricht ein Teil der Ordnung zusammen. (Dorothea Nikolussi-Salzer, DER STANDARD, 25.2.2014)

25.2 Literaturhaus am Inn, Innsbruck, 20.00 Uhr

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literaturhaus.uibk.ac.at

  • In Cordula Simons Roman "Ostrov Mogila" beginnt die Apokalypse in Odessa.
    foto: heribert corn

    In Cordula Simons Roman "Ostrov Mogila" beginnt die Apokalypse in Odessa.

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