Giftmord-Verdacht im Waldviertel nach Gutachten ausgeschlossen

24. Februar 2014, 15:54
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85-Jähriger starb im vergangenen Jahr eines natürlichen Todes - Verfahren gegen unter Mordverdacht geratene Frau vor Einstellung

Krems/Hadersdorf am Kamp - Der Verdacht, ein 85-jähriger Mann könnte im vergangenen August in Hadersdorf am Kamp (Bezirk Krems-Land) einem Giftmord zum Opfer gefallen sein, ist vom Tisch. "Es konnte kein Fremdverschulden festgestellt werden", sagte Franz Hütter, der Sprecher der Staatsanwaltschaft Krems, die den verdächtigen Todesfall im Waldviertel untersucht hatte, am Montagnachmittag gegenüber der APA.

Der Gerichtsmediziner Christian Reiter sei in einer umfangreichen Expertise zum Schluss gekommen, dass der Mann an einer Lungenfettembolie starb. Die Anklagebehörde werde daher das Verfahren gegen eine 41 Jahre alte Iranerin, die der Pensionist zur Universalerbin eingesetzt hatte, einstellen. Die Frau war unter Mordverdacht geraten, weil die Familie des Verstorbenen bis zu dessen Ableben nichts von ihr wusste und dieser der 41-Jährigen mehrere Sparbücher und weitere Vermögenswerte von insgesamt 200.000 Euro hinterlassen hatte. Das entsprechende Testament soll der Mann nur wenige Monate vor seinem Tod geändert haben.

Offenbar auf Medikamente verzichtet

Vorangegangen war dem Tod des Pensionisten ein Sturz, bei dem sich der betagte Mann mehrere Rippen brach. Die seit längerem bestehende schwere Herzerkrankung des Pensionisten löste in weiterer Folge den todesursächlichen Prozess aus.

Obwohl damit ein sicheres Fremdverschulden nicht nachweisbar war, bleiben in dem Fall Fragezeichen bestehen. Der 85-Jährige hatte von seiner Hausärztin Herz- und Blutdruck senkende Medikamente verschrieben bekommen, die er an und für sich verlässlich einnahm. Bei der Obduktion der Leiche und den folgenden toxikologischen Untersuchungen konnten allerdings keinerlei Spuren der Medikamente nachgewiesen werden. Ob der Mann auf die Einnahme vergessen oder die Medikamente abgesetzt hatte, wird sich nicht mehr klären lassen.

Als Lebensgefährten begünstigt

Fest steht jedoch, dass die 42 Jahre alte Frau, die er kurz vor seinem Tod zur Universalerbin eingesetzt hatte, Pharmazie studiert. Klar ist außerdem, dass der Verzicht auf die Medikamente bei dem betagten Mann Schwindelanfälle ausgelöst haben könnten, die eventuell zum letztlich tödlichen Sturz führten. Der Mann war nach Angaben einer Angehörigen bereits einige Wochen vor seinem Tod erstmals in seinem Haus zu Sturz gekommen.

Die unter Mordverdacht geratene 42-Jährige hatte der Mann in seinem Testament explizit als seine Lebensgefährtin begünstigt. Nach Angaben von Nachbarn soll die Frau den Pensionisten allerdings nur alle zwei bis drei Wochen aufgesucht haben. Außerdem ist sie dem Vernehmen nach in Wien verheiratet. (APA, 24.2.2014)

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