Prozess in Wien: Der "helle Kopf" als Großdealer

25. Februar 2014, 08:57
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Ein 20-Jähriger aus gut situiertem Haus verlor nach einer Knieverletzung die Kontrolle über sein Leben. Seine Drogenabhängigkeit finanzierte er mit Rauschmittelhandel

Wien - Zu viel Fernsehen schadet manchmal. Zumindest Daniel H., der aufgrund seiner televisionären Kenntnisse der Justiz wohl länger in Untersuchungshaft gesessen ist, als er müsste. "Warum haben Sie denn bisher nicht gesagt, dass Sie sich schuldig bekennen?", will Michaela Röggla-Weisz, Vorsitzende des Schöffensenates, von dem 20-Jährigen wissen. "Naja, weil ich mich erinnert habe, dass es im Fernsehen immer heißt ,Ohne meinen Anwalt sage ich nichts'." Das hat er befolgt.

Seit Oktober ist er also im Gefängnis, angeklagt als Großdealer, der mit LSD, Speed, MDMA und Marihuana gehandelt hat. Als er in Handschellen in den Verhandlungssaal geführt wird, merkt man allerdings bereits, dass er nicht einer der klassischen Dealer ist, die sonst hier auftreten.

Er umarmt, noch immer gefesselt, seine Eltern und seine Schwestern, trägt Anzug und wirkt wie ein Musterschüler. Der er auch einmal war, wie er der Vorsitzenden schildert. Aber eine Knieverletzung beendete seine Laufbahn am Sportgymnasium, mit 17 begann er zu kiffen, "dann habe ich nicht mehr wirklich auf mich aufgepasst".

Vater kämpft mit Tränen

"Ich habe begonnen, meine Eltern zu beklauen", gesteht er ein, während sein Vater auf den Zuseherplätzen die Tränen zurückhalten muss. "Haben die Eltern das gemerkt?", fragt Röggla-Weisz. "Ich habe mich meiner Mutter anvertraut, die war enttäuscht, aber sie haben mir dann geholfen."

Er begann eine Psychotherapie, nach einem Jahr brach er die aber ebenso ab wie die Schule. Um seinen Eigenkonsum diverser Substanzen zu finanzieren handelte er also zwischen Dezember 2012 bis zur Verhaftung mit den Rauschmitteln. Mit durchaus guten Gewinnmargen: Einen LSD-Trip kaufte er um vier Euro ein und verkaufte ihn um zehn, ebenso das Gramm Marihuana, das er um 6,5 Euro erstand.

"Haben Sie kein Geld von den Eltern bekommen?", interessiert die Vorsitzende. "Doch, aber ich musste immer genau sagen, wofür. Bei größeren Anschaffungen musste ich ihnen auch die Rechnung zeigen." Wie es weitergehen soll? Verteidiger Philipp Winkler hat eine Antwort: "Er wird in der Firma seines Vaters angestellt."

"Ich bin ein heller Kopf"

"Ich bin ein heller Kopf, Psychologie interessiert mich sehr, vielleicht kann ich das später mit einer Berechtigungsprüfung studieren", erzählt H. noch. Eine weitere Drogentherapie will er eigentlich nicht. "In den vergangenen vier Monaten ist mein Kopf wieder klarer geworden. Ich glaube behaupten zu können, dass ich es jetzt ohne Hilfe schaffe."

Der Senat ist anderer Meinung. Neben dem rechtskräftigen Urteil von 21 Monaten Haft, davon drei unbedingt, erhält er auch Bewährungshilfe. "Wir glauben schon, dass Sie noch ein klein wenig Hilfe brauchen", gibt ihm Röggla-Weisz noch mit auf den Weg aus der Haft. (Michael Möseneder, derStandard.at, 25.02.2014)

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